Donnerstag, 14. Oktober 2010

Gruppendynamik

Samstag. Kurz nach halb 4. Westkurve, Fritz-Walter-Stadion Kaiserslautern.

Es ist schweinekalt, das Spiel ist grottenschlecht und ich stehe mir die Beine in den Bauch. Ich frage mich nicht nur, was ich hier eigentlich mache – als Frankfurt-Fan – sondern auch, wie es sein kann, dass viele junge Menschen so für Stimmung sorgen.

Foto: Der Toco (CC-by-nc-nd-2.0)
Als dann erneut lautstark gepfiffen und gebuht wird, als der gegnerische Spieler mal wieder Zeit schindet (während er mit dreifach gebrochenem Unterschenkel vom Platz getragen wird) frage ich mich: Warum klappt hier, was bei Studentenprotesten so kläglich scheitert?

Seit Bologna ist der Großteil der Studenten doch auch jung (es gibt ja keine 24.-Semester mehr) und mit dem Bachelor gibt es sogar ein Ziel, dass man noch sehr viel schöner ausbuhen und auspfeifen könnte, als den Zeitschinder. (Der übrigens gerade in den Krankenwagen verfrachtet wird.)

Warum klappt also im Stadion, was in der „realen“ Welt nicht klappt, obwohl dort nicht nur der Klassenerhalt auf dem Spiel steht sondern etwas niocht ganz Unbedeutendes wie, naja, die eigene Zukunft?

Jetzt könnte man sagen, das im Stadion sind gar keine Studenten. Stimmt so nicht. Da sind sogar sehr viele Studenten drunter, habe ich mir sagen lassen. Man könnte auch sagen, das ist ein Mannheimer Phänomen. Seit Waldhof Mannheim nicht mehr tiefer sinken kann, haben die Fußballfans unter den Studenten einfach das Pfeifen verlernt. Auch das stimmt nicht, da der gemeine Waldhoffan ohnehin schon seit Jahren heimlich nach Lautern, Karlsruhe oder Frankfurt fährt. Woran liegt es also, dass Studenten im Stadion gegen „Missstände“ protestieren auf der Straße aber nicht?

Vielleicht fehlt ja in Deutschland was Streiks betrifft einfach das, was der gemeine Fußballfan seit seiner Kindheit im Stadion erlebt – die richtige Sozialisierung.

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Darum mein Vorschlag: Wir versammeln alle überarbeiteten, aber bisher tatenlosen Studenten mit Fußballhintergrund in einem Stadion. Den Bologna-Verantwortlichen ziehen wir sexy Schiedsrichtertrikots an (am besten die rosafarbenen) und zeigen dann das Ganze auf Großleinwand. Public Viewing ist ja eh grade in.

Wenn dann der Funke immer noch nicht überspringt, weiß ich auch nicht mehr weiter.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Menschenrechte

Menschenrechte sind eine tolle Sache. Legen fest, dass alle Menschen gleich sind, was menschenwürdige Bedingungen sind usw. Zur aktuellen Menschenrechtscharta der UN bekennen sich alle Mitgliedsstaaten. Wer dagegen verstößt, wird geächtet. Diktatoren, Massenmörder, Kriegsverbrecher – und 29 europäische Bildungsminister. Letztere sollten zumindest geächtet werden. Theoretisch. Wenn man konsequent wäre.

Foto: brtsergio (CC-by-nc-sa-2.0)
Warum? Ganz einfach: Artikel 24 der Menschenrechtscharta.
"Everyone has the right to rest and leisure…"
Und weil schließlich auch Bachelorstudenten mit G8-Abitur zuhören könnten und die keine Zeit gehabt haben, um anständig Englisch lernen zu können, das Ganze auch noch mal auf Deutsch:
"Jeder hat das Recht auf Erholung und Freizeit…"
Jap…jeder hat das Recht auf Freizeit. So wie jeder laut der Charta auch das Recht auf sauberes Trinkwasser hat. Doch die Sache mit dem Trinkwasser beweist sehr schön, dass „das Recht auf etwas haben“ nicht gleichbedeutend mit „etwas wirklich haben“ ist. Denn was für den gemeinen Mittelafrikaner sauberes Trinkwasser ist, ist für den Bachelor Freizeit: Er hätte es gern, er könnte es theoretisch auch haben, würde das Ganze nicht an Systemversagen und unfähigen Politikern scheitern.

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Mein Freund Bernie, B.A. Byzantinistik im 4. Fachsemester, will übrigens gegen den Verstoß gegen den Freizeits-Teil die Menschenrechtscharta klagen – wäre da nicht dieses kleine Problem mit der Amtsimmunität von Bildungsministern. Der Bachelor als Verbrechen gegen die Menschlichkeit – dafür fehlt einfach die Lobby. Kein Wunder, denn wie sollen Studenten auch eine Lobby aufbauen, wenn sie vor lauter Studiererei gar keine Zeit dafür haben. Ein geschickter Schachzug der Bologna-Macher.

Irgendwie der einzige.

Mittwoch, 29. September 2010

Repräsentativität

Eine neue Studie beweist endlich: Studenten jammern zu viel und arbeiten zu wenig. Nur lediglich 26 Stunden wenden Studenten im Schnitt pro Woche für die Uni auf.

Aber dann noch jammern.

Die Politiker lachen sich ins Fäustchen: Wir haben es ja immer gewusst. Schuld sind nicht wir, sondern der deutsche Student, der nichts kann als jammern. Die Stimmung ist drastisch umgeschlagen, könnte man dieser Tage sogar meinen. Elf Jahre Proteste durch überarbeitete Studenten sind nichts mehr wert; wurden sie doch als Lüge entlarvt – durch eine einzige repräsentative Studie.

Die ist übrigens so repräsentativ wie die erste empirische Hausarbeit eines Politikerstsemesters: Befragt wurden 121 Studenten an vier Hochschulen – und aus sechs verschiedenen Studiengängen. Zum Vergleich: aktuell gibt es in Deutschland über zwei Millionen Studenten, 410 staatlich anerkannte Hochschulen – und inzwischen auch mehrere Dutzend Bachelorstudiengänge.

Entschuldigung, aber diese „repräsentative“ Studie klatscht dir jeder Methodenprofessor um die Ohren. Nur eben nicht jeder Politiker. Und erst recht nicht jeder Medienvertreter.

Das Ganze ist ungefähr so repräsentativ wie der IQ von Daniela Katzenberger für den Gesamt-IQ von Ludwigshafen. Ok, schlechtes Beispiel. Anderes ausgedrückt: Ich glaube selbst Bernie, B.A. Byzantinistik 4. Fachsemester, fände diese Studie zumindest etwas fragwürdig. Und Bernie kauft dir sonst eigentlich alles ab.

Und mal angenommen, diese Studie ist, entgegen allen Gesetzen der Wahrscheinlichkeitsrechnung, doch repräsentativ: Sind die Tausenden Burn-outs und anderen psychologischen Zusammenbrüche bei Studenten seit Bologna deswegen auf einmal nicht mehr repräsentativ? „Mooooooment!“, schreien jetzt die Bildungspolitiker. „Schuld daran ist nicht der Bachelor an sich, sondern das miserable Zeitmanagement der Studenten.“ Das belegt nämlich passenderweise auch die neue Studie.

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Und selbst wenn das wiederum alles stimmt: Sollte es uns selbst dann nicht immer noch zu denken geben, wenn Studenten aufgrund schlechten Zeitmanagements psychisch krank werden? Selbst mit dem schlechtesten Zeitmanagement wird aus einer 20-Stundenbelastung doch keine gefühlte 60-Stundenbelastung…

Es sei denn natürlich, die Studenten haben es auch in der Disziplin Zeitmanagement nur zum Bachelor gebracht.

Mittwoch, 15. September 2010

Meister

In Rheinland-Pfalz kann man ab sofort ohne Abitur an einer Hochschule studieren. Wenn man vor der Handwerkskammer die Meisterprüfung erfolgreich abgelegt hat.

Die Opposition schreit, dass sei eine Entwertung des Abiturs. Aber mal ehrlich: Ist das nicht eh schon nicht mehr weiter abwertbar, seit Leute wie Lena Meyer-Landrut die Prüfungen bestanden haben?

Aber eigentlich brauch niemand Angst zu haben, dass die Meister nun den Abiturienten die Studienplätze wegnehmen. Denn mal ehrlich: Welcher Mensch, der etwas Anständiges gelernt hat, will sich nochmal mit denselben Bezeichnungen rumschlagen?

Studiert der Meister nach den Regeln der Kunst – und das heißt in der Regel „Bologna“ – dann macht der Meister erstmal seinen Bachelor. Dann ist der Meister kein Meister mehr, sondern „Junggeselle“. Das ist dann angeblich mehr Wert als der „Meister“ vorher. Dabei hat der ehemalige Meister, der jetzt Junggeselle ist, doch das letzte Mal, als er ein „Geselle“ war, seinem Meister Kaffee kochen und die Zeitung vom Kiosk holen müssen. Ist er jetzt noch nicht komplett verunsichert und studiert weiter, dann wird der frühere Meister, der jetzt ein Bachelor ist, nach vier Semestern wieder zum Meister…äh Master.
Meister halt. Übersetzt.

Welcher ehemalige Junggeselle, der dann Meister wurde, nur um als Geselle seinem Master Kaffee…. Ach, da kommt man aber auch durcheinander. Also langsam: Ein Geselle, der durch eine Prüfung zum Meister wird, dann durch ein Studium aber wieder zum (Jung)gesellen, bis am Ende wieder ein Meister rauskommt. Wert tut sich freiwillig so eine Wortklauberei an?

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Es ist bestimmt irgendwie gerechtfertigt, dass Meister unbeschränkten Hochschulzugang bekommen – zumindest auf der anderen Rheinseite. Aber damit das System auch jeder versteht, sollten wir schnell noch europaweit die Bezeichnungen an das neue Studienenglisch anpassen. Journeyman und craftsman oder so. Und am besten, wenn wir eh schon dabei sind, auch die Ausbildungszeiten ein bisschen anpassen – was natürlich verkürzen heißt.

Und weil Rheinland-Pfalz das Ganze angestoßen hat, treffen wir uns am besten nicht in Bologna, sondern in Oggersheim. Da kennt man sich mit Englisch aus und hat schon früher bei Palzwoi un Saumage Weltpolitik gemacht.

Mittwoch, 1. September 2010

Fitnessstudio

 Jedes Mal, wenn ich dann doch mal die Zeit finde, ins Fitnessstudio zu gehen, bietet sich mir das gleiche Bild. Nein – leider keine sexy Sportmiezen, sondern eher ganz spezielle Fälle des eigenen Geschlechts.
„Ich bin ein Mann. Für was brauche ich einen Trainingsplan?“
Und für was soll ich am Gerät mit 9 Kilo anfangen wenn mir doch mein urzeitlicher, animalischer und zutiefst männlicher Instinkt sagt:
„Das geht mit 40 doch genauso!“

Ich bin kein Arzt, aber diese Form von physischer Überladung kann für den Körper nicht gut sein.

Foto: clumsy_jim (CC-by-nc-2.0)
Sagen Sie sich schon: „Na, und jetzt schlägt er gleich irgendwie die Kurve zum Bachelor“?
Wenn ja, Glückwunsch, Sie kennen mich gut.
Aber den Triumph gönne ich Ihnen nicht, deswegen erzähle ich jetzt erst mal einen Witz. Also. Ein Hase, ein Igel und ein Bär….ach lassen wir das.

Eitle Männer im Fitnessstudio – Überbelastung:
Ist ja eigentlich genau wie beim Bachelor.
In sechs Semestern muss man heutzutage einen „berufsqualifizierenden“ Abschluss haben. Dafür braucht man eine Menge Stoff. Wo man allerdings früher mit 9-Kilo-Hanteln anfing, bekommt man jetzt im ersten Semester gleich mal die volle 40-Kilo-Ladung.
Das ist weniger physische Belastung als vielmehr psychische.
Auch hier muss ich kein Arzt sein, um zu sagen, dass das glaube ich gar nicht mal so gut ist.

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Wer unter der Last zusammenbricht, hat Pech gehabt.
Wer es durchhält hat nachher zwar ein kaputtes Kreuz –kann sich jedoch über einen tollen berufsqualifizierenden Abschluss freuen.

Und weil der so berufsqualifizierend ist, darf man im Master gleich die 80-Kilo-Hantel auflegen.

Mittwoch, 25. August 2010

Schrumpfmond

NASA-Forscher haben herausgefunden: Der Mond ist geschrumpft. In der letzten Milliarde Jahre zwar „nur“ um 100 Meter im Radius – aber immerhin versucht es der Erdtrabant wenigstens, sich so gut es geht an aktuelle Trends anzupassen.

Foto: baerchen57 (CC-by-nc-sa-2.0)
Denn schließlich schrumpft ja alles heutzutage.
Das Bruttosozialprodukt, die Geldmenge in unseren Portmonees – und natürlich das Gesamtgehirnvolumen der Deutschen.

An letzterem ist übrigens nicht alleine der Bachelor schuld – sondern auch eine ganze Menge anderer aus den USA importierter Formate: „Mitten im Leben“, „Verdachtsfälle“ oder „We are Family“.

Fragt man sich eigentlich nur noch: Warum gibt es noch keine eigenen Bachelor TV-Formate? Die Voraussetzungen sind doch da:
Das Budget gewisser Privatsender schrumpft schneller als der Mond, genauso der Kontostand des gemeinen Studenten in Richtung Monatsende – wenn überhaupt noch was zum Schrumpfen da ist.

Warum also nicht ein paar ganz verzweifelte Bachelor aufsammeln und damit das Programm füllen?
Am Nachmittag läuft „Betrugsfälle – Überarbeitete Bachelorstudenten kaufen sich Hausarbeiten“.
Am Abend dann die große Show „Deutschland sucht den Super-Bachelor“, in der eine Gruppe von Bachelorstudenten darum kämpft, wer sich am schnellsten den Stoff von sechs Semestern in 180 Minuten Sendezeit in den Kopf hauen kann.
Und in der Nacht schließlich im Wechsel das „Bachelor Night Quiz“ mit kniffligen Fragen aus dem ersten Semester, die natürlich kein Auswendiglerner mehr beantworten kann und die „Sexy Bachelor Clips“, bei denen die Kleidermenge verzweifelter, geldknapper Bachelor-Studentinnen ständig schrumpft – natürlich schneller als der Mond.

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Der soll übrigens auch nicht zu kurz kommen: Wie wäre es mit einer Sendung, in der Bachelorstudenten alle Verantwortlichen der Bolognareform auf den Mond schießen dürfen? Müsste dann aber schon bald auf Sendung gehen, wenn auf dem Mond noch genug Platz für alle sein soll – denn der schrumpft ja.

Mittwoch, 11. August 2010

Unterschrift

Seit die Universitäten sämtliche Verwaltungsorgane mit webfähigen Computern ausgestattet haben, grassiert die Interneteritis. Jeder Angestellte, der den Kurs „Internet für Dummies“ bestanden hat, erledigt von nun an alle Aufgaben über das Internet. Die Folge: Die E-Mail-Postfächer der Studenten laufen über. Mit der weiteren Folge, dass besserer Spam (also alles, was Informationen zum Mensaessen, Bibliotheksöffnungszeiten, Asta-Veranstaltungen usw. betrifft) nicht mehr von wirklich wichtigen Dingen unterschieden werden kann.

Diese kommen nämlich seit neustem auch per Mail. Immatrikulationsbescheinigungen, Studiengebührenentscheide und sämtliche hochoffizielle Dokumente, die früher wahrscheinlich in Briefen mit Siegel und Stempel in doppelter Dreifachausführung versendet worden sind, landen jetzt im Postfach – vorausgesetzt, man hat nicht gleich für alle E-Mails mit der Formulierungen „Verwaltung@“ in der Absenderadresse eine Weiterleitung ins Spamfach eingerichtet.

Unter diesen Nachrichten prangert dann noch oft die Mitteillung „Diese Nachricht wurde automatisch erstellt und ist auch ohne Unterschrift gültig“. Klingt gut. So glaubwürdig. Kennt man außerdem noch von früher, als man ab und zu mal vom Amt, der Bundeswehr oder einer anderen unnötigen Institution eine allgemeine Mitteilung bekommen hat, die „maschninell erstellt und ohne Unterschrift gültig war“.

Im 21. Jahrhundert gibt es keine Schreibmaschinen mehr, deswegen heißt das jetzt „automatisch erstellt“. Zwei Worte, die in dieser Kombination beim Spamfilter übrigens Kammerflimmern auslösen. Und ein Grund, warum die ein oder andere Mitteilung dann auch mal einfach nicht ankommt.
Oder eine gute Ausrede, wenn man eine wichtige Mitteilung verschlampt oder nicht gelesen hat.

Das wirklich schöne ist aber, dass automatisch erstellte E-Mails noch leichter zu fälschen sind als früher maschinell erstellte Anschreiben. Säumnisgebühren, Exmatrikulation? Pff…da könnte ja jeder kommen und Geld von mir wollen, wenn er nur den berühmten Satz darunterschreibt.

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Besser noch: Wenn Mitteilungen einfach so gültig sind, kann das jeder ganz genauso. Ich hab das dann auch mal gleich ausprobiert. Eine Mail ans Studienbüro, dass ich bestimme, dass ich von nun an keine Studiengebühren mehr bezahle. Und eine Mail ans Finanzamt, dass das gleiche auch für meine Steuern gilt. Mit der magischen Floskel dürfte es ja eigentlich keine Probleme geben.

Bin mal gespannt auf die Antwort…

Mittwoch, 4. August 2010

Digitale Revolution

Seit der Umstellung auf das Bachelor/Master-System ist das Internet das wichtigste Kommunikationsmedium geworden. Prüfungsanmeldungen, Klausurnoten, Veranstaltungswahl – alles läuft heute elektronisch. Sogar die gute alte Mitschrift in Vorlesungen wird durch das online Stellen von Präsentationsfolien auf einige wenige Ergänzungen beschränkt.

Willkommen im Zeitalter der digitalen Revolution.

Und ihren katastrophalen Folgen.
Jedes Jahr zur Klausurenzeit laufen Arztpraxen und Krankenhausnotaufnahmen über: Handgelenksverstauchungen, -brüche und sonstigen Verletzungen, die entstehen, wenn man eine bestimmte Bewegung einfach nicht mehr gewöhnt ist – in diesem Fall das Schreiben mit einem Stift auf Papier.

Schlimmer noch: Es soll sogar Klausuren geben, in denen von den Studenten keine inhaltlichen Nachfragen mehr gestellt werden, sondern eher solche Dinge wie „Wie geht noch mal ein S in Schreibschrift?“ oder „Kann man die Antwort nicht einfach irgendwo vom Blatt copyen und dann mit Strg+V in die vorgegebenen Linien pasten?“ Wahrscheinlich stammen diese Überlieferungen aus dem BWL-Bereich. Oder von den Byzantinistikern? Muss mal Bernie fragen.

Das Katastrophale aber ist eigentlich, dass dem modernen Bachelor-Studenten durch den Internetboom eine Menge guter, alter Studententraditionen durch die Lappen gehen.
Wie toll war es, wenn man als kleiner Junge die älteren Geschwister von Schulkameraden davon reden hörte, sie müssten da und da noch einen „Schein“ machen. Das klang doch irgendwie…cool. Heute? Scheine bekommen nur noch die Lehrämtler – wahrscheinlich weil sie noch nicht gelernt haben, wie man einen Computer einschaltet und bedient.

Meinen ersten (und bis heute einzigen) Schein habe ich sage und schreibe in einer Germanistik-Veranstaltung im dritten Semester bekommen – war wohl ein Versehen. Ich war so überrascht, dass ich mir das „Nein danke, bitte keine Werbeflyer“ nur gerade noch so verkneifen konnte. Wahrscheinlich hätte der Professor ähnlich reagiert wie der Dozent neulich, als man sich doch tatsächlich für eine Veranstaltung per Hand (!) in einer Liste eintragen sollte. Und ich ihn fragte, ob er mir wirklich versichern könne, dass ich durch die Unterschrift nicht irgendwelche dämlichen Zeitschriften-Abos ins Haus bekommen würde. Nach dem dritten Mal hat er mir gedroht, mich durchfallen zu lassen.

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Hätte ich dann wahrscheinlich auch im Internet erfahren. Denn der Bachelor bekommt alle Noten übers Internet. Dank Systemfehlern nicht immer die richtigen – ok, wieder der ein oder andere unnötige Heulkrampf, Nervenzusammenbruch oder Suizidversuch mehr, aber wen interessieren denn die Einzelfälle irgendwelcher Immatrikulationsnummern in irgendeinem Computer?

Willkommen im Zeitalter der digitalen Revolution.

Donnerstag, 29. Juli 2010

Ausgelutscht

Neulich habe ich eine E-Mail bekommen.
„Lieber Bachelor,
deine Probleme sind ja alle schön und gut. Aber Fernsehen, Zeitungen, Internet – alles berichtet über die Bolognareform. Und du redest jede Woche im Radio darüber. Meinst du nicht, das Thema wäre langsam ausgelutscht?
Liebe Grüße,
M. aus M.“
Ob ich das Thema nicht ausgelutscht finde?
Nein.
Ausgelutscht sind für mich Dinge, über die immer und immer wieder geredet wird, wir aber nicht ändern können, auch wenn wir es noch so sehr wollen. Das Wetter. Der Tod. Paris Hiltons Medienpräsenz. Und natürlich Lollistengel, an denen kein Lolli mehr dran ist. DAS ist ausgelutscht.
Dinge, die man ändern kann, wenn man darüber redet, können gar nicht ausgelutscht sein. Und an der Bolognareform kann man noch so einiges ändern. Auch wenn das der ein oder andere Politiker nicht wahrhaben will. (Hatte ich eigentlich Politiker in der Liste von Dingen, die man wohl niemals ändern kann, auch wenn man es noch so sehr will?)

Damit das Thema Bachelor ausgelutscht ist, müssen erst mal ne Menge Dinge passieren.
Wenn ich mal nicht mehr morgens in die Bibliothek komme und wegen all der tiefen Augenringe um mich herum meine, ich wäre auf einer Horst-Tappert-Revival-Veranstaltung.
Wenn ich mal eine Vorlesung erlebe, in der jemand eine Frage aus Interesse eine Frage stellt (und wenn es nur nach der Telefonnummer der Sexbomben-Dozentin ist) und nicht, weil er Angst wegen der Klausur hat.
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Wenn mein Kumpel Bernie, B.A. Byzantinistik, mit seinen 35 Jahren endlich mal eine Frau findet – ok, ich geb’s zu, schlechtes Beispiel, denn daran trägt der Bachelor nun ausnahmsweise mal keine Schuld.
Wenn Angst, Verzweiflung und Lernstress mal nicht mehr den Uni-Alltag bestimmen.
DANN ist das Thema Bachelor wirklich ausgelutscht.

Bisher sind es nur die Sätze von Leuten, die immer noch steif und fest behaupten, an diesem super System gäbe es keine Verbesserungsmöglichkeiten.

Mittwoch, 21. Juli 2010

Reißverschluss

1891 erfand der US-Amerikaner Whitcomb Judson aus Chicago den Reißverschluss. Eine absolute Weltsensation. Hosen, die bisher nur mühsam mit Knöpfen, Schnüren oder Bändern zusammengehalten wurden, konnten von nun an in null-komma-nix geschlossen werden. Ein Fortschritt in der Menschheitsgeschichte, der in seinem Einfluss für ganze Generationen nur noch von der Mondlandung und der Erfindung von Nachmittags-Reality-Soaps übertroffen wurde .

Foto:  [ Tam Nguyen ] (CC-by-nc-sa-2.0)
Mit Erschrecken musste ich allerdings bei meiner letzten Shoppingtour feststellen, dass nahezu alle großen Modegeschäfte fast ausschließlich Hosen mit Knöpfen führen. Was soll dieser technische Rückschritt? Retrowahn vermutlich.
Aber hat irgendjemand die Kunden gefragt?
Nein. Natürlich nicht.

Es gibt nichts nervigeres als eine Hose, bei der man erst mal hunderte von Knöpfen schließen oder aufmachen muss – nicht nur, weil das, wenn es mal schnellgehen muss, im wahrsten Sinne in die Hose gehen kann (quasi die ganz persönliche Apollo-13-Mission.

Moment. Sie fragen sich jetzt sicher: „Warum erzählt der Typ nun schon seit ‘ner geschätzten Ewigkeit von Hosen?“
Gute Frage.
Vermutlich, weil ich mich selbst gerne das lese, was ich schreibe.

Hauptsächlich aber, weil H&M, Esprit und Co. wohl auf der Achse des Bösen direkt neben den Begründern des Bachelor/Master-Systems einzuordnen sind. Was die Tragweite betrifft, allerdings vermutlich weit in deren Schatten.

Das Grundprinzip ist aber dasselbe: wir haben ein super funktionierendes System – Hosen mit Reißverschluss oder eben Diplom- und Magisterstudiengänge – das wir einfach mal so über den Haufen werfen. Natürlich ohne die Leidtragenden zu fragen. Was rauskommt ist etwas, was vielleicht ganz hübsch aussieht, bei genauerem Betrachten aber eigentlich nur Probleme mit sich bringt.

Und warum das Ganze? Keine Ahnung.

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Wahrscheinlich, weil die Verantwortlichen einfach Sadisten sind.
Und zitternde, schwitzende, vor der fünften Klausur in drei Tagen nervös vor dem Vorlesungssaal herumlaufende Studenten genauso gerne sehen, wie die Hosenhersteller zitternde und schwitzende Kunden, die verzweifelt vor einer Klotür versuchen, die letzten sieben Knöpfe ihrer Hose aufzubekommen.

Mittwoch, 30. Juni 2010

Fernseher

Ich habe mir einen neuen Fernseher gekauft.
Jaaa…ich weiß, ich jammere hier jede Woche rum, wie hart das Leben als Bachelor ist und wie wenig Zeit für alles andere bleibt. Aber, aber….aber….es ist doch gerade Fußball-WM und außerdem – der alte Fernseher hat genug Weltmeisterschaften miterleben dürfen. Und gefühlt noch die Umstellung von Schwarz-Weiß auf Buntbild miterlebt. Ohne natürlich bei diesen neumodischen Mätzchen mitzumachen.

Nun bin ich allerdings kurz davor, von der Gesellschaft endgültig ausgegrenzt zu werden.

Aber der Reihe nach, sozusagen die Chronologie der Ereignisse:

Foto: gunnsteinlye (CC-by-nc-sa-2.0)
08:32 Uhr:
Ich schaue erschöpft unter einem Berg von Büchern für meine nächste Hausarbeit hervor. Wie lange habe ich geschlafen? Um 5 habe ich definitiv noch einen letzten Kaffee aufgebrüht, was den leicht verkokelten Geruch in der Wohnung erklären würde.

08:47 Uhr:
Ich KANN nicht weitermachen, brauche Abwechslung, ein Stündchen in die Stadt. (Schon hier schlägt das Bachelor-Gewissen knallhart zu, doch noch kann ich mich wehren. Muss wohl an der Überdosis Koffein liegen.)

09:17 Uhr:
Ich stehe in einem großen Elektronikfachmarkt und da steht er: ein wunderschöner flacher Bildschirm, nettes Bild und, wenn ich die Reste der letzten fünf Hiwi-Gehälter zusammenkratze, sogar erschwinglich – Wir sind im Geschäft.

09:45 Uhr:
Auf dem Rückweg zu meiner Wohnung begegne ich einer Bekannten. „DU HASST EINEN FERNSEHER?“, ruft sie erstaunt. Ein ähnlicher Ausdruck der Entrüstung wird in der Regel nur Kriegsverbrechern oder Kinderschändern entgegengebracht.

11:58 Uhr:
Nach einiger Ablenkung meldet sich mein Gewissen zurück. „Du bist Bachelor, schämst du dich nicht, überhaupt an Freizeit zu denken?“ Ich denke mir, dass sich die Stimme in meinem Kopf wohl wegen der Koffeinvergiftung so scheiße anhört.

15:37 Uhr:
Der erste Drohbrief liegt in meinem Briefkasten. Ist das Pulver, das beim Öffnen herausfällt, etwa Anthrax? Ausgeschnittener Zeitungsbuchstaben verkünden: „AUF ARMER DURCHSCHNITTSSTUDENT MACHEN UND DANN EINEN FERNSEHER KAUFEN!“ Mir geht es jetzt richtig schlecht.

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19:47 Uhr:
Ich kann nicht anders – kurz vor Geschäftsschluss bringe ich das Gerät zurück. Der südländisch aussehende Verkäufer schaut mich verdutzt an. Auf die Begründung, ich sei ein Opfer des Bildungssystems entgegnet er nur: „Alter, du bis escht Opfer“.

20:26 Uhr:
Erschöpft erreiche ich meine Wohnung. Vorher muss ich aber kurz das in den Lack meines Autos gekratzte „JUDAS“ begutachten. Gerade kommt meine Bekannte um die Ecke.
„WIE, DU HAST EIN AUTO?!“

Mittwoch, 23. Juni 2010

Giffäwäis

Jede Woche dasselbe Bild: Breit grinsende Damen (sie sind jung und brauchen das Geld) verteilen in der Mensa lustige Tüten, voll bis oben hin mit lustigen Präsenten – Neudeutsch: "Giffäwäis".

Diverse Firmen wollen damit studentische Neukunden locken, soweit schön und gut. Die Frage ist allerdings: Haben die überhaupt eine Ahnung von ihrer Zielgruppe?

Schauen wir uns doch den Tüteninhalt mal etwas genauer an – in diesem Fall das Modell für den Mann (die Frauenversion wollte man mir trotz diverser Überzeugungsversuche und Verkleidungen leider nicht aushändigen):

1. Jede Menge Stoff zum Lesen.
Liebe Studenten-, Männer- und Was-auch-immer-Magazinmacher: Ein Großteil der Leute, die diese Tüte abgreifen, sind Bachelor-Studenten. Und die haben schon so viel zu lesen, dass sie weder die Zeit, noch die Lust haben, sich auch noch mit euern journalistischen Ergüssen herumzuschlagen.

2. Ein WM-Spielplan.
Hübsch. Bräuchte der Bachelor neben Klausuren und Hausarbeiten nur noch Zeit, die WM auch gucken zu können.

3. Eine Flasche Bier.
Auch hier bräuchte der Bachelor Zeit, die er nicht hat. Weckt außerdem wehleidige Erinnerung, an die Zeit, als man sich noch mit Freunden auf ein Bier treffen konnte. Auch ungut.

4. Kondome.
Jetzt wird's ganz utopisch...

Fazit: Das Werbepotenzial all dieser Produkte ist bei der Zielgruppe Bachelor äußerst gering.

Darum der Vorschlag: Statt Männer- und Frauentüten, bitte einfach zwischen Nicht-Bachelor und Bachelor-Tüten unterscheiden. In die einen kommen all die schönen Sachen, in die anderen die Sachen, mit denen auch der Bachelor auch wirklich etwas anfangen kann.

Wie wäre es z.B. mit Kaffee extra stark, jede Menge Druckerpapier, tränensichere Taschentücher, Valium und Ritalin?

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Von den beiden Letztgenannten natürlich nur so viel, dass es gerade so süchtig macht - nicht aber mehr.

Giffäwäis sollen ja schließlich den Kunden zum Kauf anregen und nicht gleich schon alle Bedürfnisse befriedigen.

Sonntag, 6. Juni 2010

Sesamstraße

Deutsche Studenten jammern dieser Tage von früh bis spät: Zu viel Stress, zu viel Arbeit, vieeeeeel zu wenig Freizeit.

Foto: heraldpost (CC-by-nc-2.0)
Wenn es aber nun darum geht, dem Ärger über den Bachelor auf der Straße Luft zu machen – dann ist der deutsche Student auf einmal ganz ruhig.
Die da oben machen ja auch nur ihren Job. Und der Deutsche respektiert das nun mal voll und ganz. Enormer Leistungsdruck hin oder her.
Aber keine Angst liebe Studenten – ihr könnt nichts dafür!
Medien- und Erziehungswissenschaftler haben jetzt herausgefunden: Bereits in frühester Kindheit bekommen die Deutschen die Ansicht ins Gehirn implementiert, dass das Leistungsdrucksystem das einzig Wahre ist.
Das Instrument dieser Machenschaften:

Die Sesamstraße.

Hä?
Ja! Sie haben richtig gelesen.
Können Sie sich etwa nicht mehr an die Titelmelodie erinnern?
„Wieso, weshalb warum – wer nicht fragt bleibt dumm“
Genau! Wer nicht fragt bleibt dumm. Bekommt Hartz IV, landet unter der Brücke und irgendwann bei DSDS. Also immer schön fragen und lernen – am besten den Stoff von zehn Semestern in sechs.
Sollte der Deutsche dann aber doch mal einen Moment daran denken, was dieser ganze Leistungsdruck soll, schlägt sein jahrelang gewaschenes Gehirn gnadenlos zu:
„Wer nicht fragt bleibt dumm“
Wer sich einmal die Mühe macht, und die Titelmelodie des englischsprachigen Originals anschaut, dem wird sofort etwas auffallen:
„Come and play, Everything's A-OK, Friendly neighbors there, That's where we meet, Can you tell me how to get, How to get to Sesame Street”
Das Wetter ist toll, die Leute fröhlich, gehen wir raus und spielen – denn es gibt sowas wie Freizeit!
Was ist da mit dem:
„Wer nicht fragt bleibt dumm“?
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Also bitte…Leistungsdruck? Erst mal Leben und Freizeit genießen. Und wenn die ernsthaft Gefahr ist, gehen wir auch mal auf die Straße – vielleicht nicht in die von Ernie, Bert oder Elmo – sondern eher auf die der Leute, die uns dieses System eingebrockt haben.

Der deutsche Student kann das nicht – denn er hat gelernt, immer schön zu lernen. Und das bloß nicht zu hinterfragen. In diesem Sinne: Der, die, das, wer, wie was….

Mittwoch, 26. Mai 2010

Arbeitsverweigerung

Jedes Jahr, wenn andere aufgrund der ersten wirklich heißen Sommertage Quietscheentchen und Badehose ausgraben, ist es wieder so weit: Unter den Studenten macht sich die Angst breit.

Und damit meine ich nicht diese „Hilfe da fliegt meine Wespe um Eis, dass ich mir bei 30 Grad im Schatten in schönster Faulenzerpose in den Bauch haue“-Angst – nein – der gemeine Bachelor hat ganz andere Sorgen: die Klausurenphase beginnt.

Foto: fahrradfritze (CC-by-nc-2.0)
Auswahl gefällig?
„Wie bekomme ich innerhalb von zwei Wochen den Stoff für 7 Klausuren in den Kopf gehauen?“
„Wie kriege ich mein Motivationsproblem in den Griff?“
„Und wie das Zeitproblem, sollte ich das Motivationsproblem nicht in den Griff bekommen?“
Oder aber: „Hält die Decke meiner Wohnung ein Seil, an dem 75 Kilo baumeln?“

Da, wie wir bereits hinlänglich geklärt haben, die Lernbullimie seit Bologna groß in Mode ist und Wissen allgemein überschätzt wird, hilft nur noch eins:
Auswendiglernen bis zum Verrecken.

Das wiederum geht übrigens schneller, wenn das Seil an der Decke hält. Ob man‘s glaubt oder nicht, Auswendiglernen kann sehr effektiv sein.
Problem: richtig schön in den Kopp hauen kannst du dir den Stoff erst ein paar Tage vorher, sollte wirklich am Klausurtag was übrig sein.
Ein paar Tage vor den besagten paar Tagen kann das im Vorlesungssaal dann zu der ein oder anderen skurrilen Situation führen.
Der Professor stellt eine Beispielfrage, wie sie „genau so in der Klausur dran kommen könnte“, natürlich aber so gerade nicht drankommt weil sie viel zu leicht ist. Trotzdem meldet sich niemand.

„Das haben wir doch vor zwei Wochen besprochen“, ruft der Prof verzweifelt. Jaaaaaa haben wir, aber weiß das JETZT noch jemand? Der Bachelor auf jeden Fall erst wieder NACH der Auswendiglernorgie.

Nun bekommt der Professor wiederrum Angst.
„Sind meine Lehrfähigkeiten so bescheiden?“
„Bekomme ich einen neuen Job, wenn ich rausgeschmissen wurde, weil die Klausur grottenschlecht ausgefallen ist?“
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„Kann ich mit Hartz IV meinen Porsche halten?“
„Die Decke in meinem 300.Quadratmeter-Penthouse hält auf jeden Fall, aber habe ich ein Seil?“

Warum dieser Stress? Ohne sieben Klausuren in fünf Tagen ginge es doch allen besser. Ausgenommen vielleicht dem Berufsstand des Seilers, der – in wirtschaftlich ohnehin mauen Zeiten – dann noch größere Absatz-Probleme hätte.

Dienstag, 4. Mai 2010

Junggeselle

Ich gebe es ja zu: die Bezeichnung „Bachelor“ für einen ersten „berufsqualifizierenden“ Abschluss ist nun wirklich ein alter Hut und nicht erst mit Bologna in die Welt gekommen. In den USA erhalten die Studenten schon seit eh und je diesen akademischen Grad.

Nie hat die Bezeichnung „Bachelor“ allerdings besser gepasst als in der europäischen Hochschullandschaft nach Bologna. „Bachelor“ heißt übersetzt nämlich nichts anderes als „Junggeselle“. Gäbe es den „Bakkelarus“ nicht schon seit dem Mittelalter, die Etymologie wäre schnell geklärt:
Zeit für soziale Kontakte? Is‘ nich. Von engeren Beziehungen wollen wir erst gar nicht sprechen.

Einsame Studenten, die sechs Semester schuften, nur um sich dann auch offiziell „Junggeselle“ nennen zu dürfen – eine echte Marktlücke, auf welche das Internet natürlich längst aufmerksam geworden ist. Partnerbörsen „für Akademiker und Singles mit Niveau“ schießen aus der Erde wie auf der anderen Rheinseite der Spargel. Für ein paar lausige hundert Euro ist man dabei und wie man sich besieht, kann man sich vor „realen“ Angeboten nicht mehr retten. Bräuchte der Student nur noch Zeit, um auch PRIVAT im Internet surfen zu können. Und den ein oder anderen locker sitzenden Cent. Beides haben gerade Studenten ja bekanntlich reichlich.

Bernie, Byzantinistik-Bachelor im dritten Fachsemester schwört allerdings auf eine ganz neue Methode, um bei den Frauen zu landen – und nein, damit meine ich nicht seine Mutter, bei der ist er nämlich schon mit 34 ausgezogen.
Sein Geheimtipp: Bachelor-Speed-Dating, nagelneu und garantiert erfolgreich. Kennen Sie noch nicht?

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gibt es auf www.radioaktiv.org
Ganz einfach: Bachelor-Singles der verschiedensten Fachrichtungen werden in einen Raum gesetzt, jeweils Männlein und Weiblein gegenüber. Anschließend hat jeder 30 Sekunden Zeit, dem Gegenüber möglichst viel über seine momentane Arbeitsbelastung zu erzählen…oder vorzujammern. Das ist gar nicht so einfach, dauert doch die Aufzählung der aktuellen To-Do-Liste eines Bachelors in der Regel schon über zwei Stunden. Haben sich zwei passende Überarbeitete gefunden, können sie sich schon mal überlegen, wie sie Weihnachten zusammen verbringen – früher werden sie sowieso keine Zeit für einander haben.

Gibt es aber eine Abfuhr – auch nicht schlimm.

Das ist schließlich die beste Abhärtung für die spätere Jobsuche mit Bachelorabschluss.