Mittwoch, 8. Dezember 2010

Unbezahlbar?

Das Versprechen „Bildung für alle“ ist spätestens seit der Einführung von Studiengebühren eine äußerst fragwürdige Sache. Wer nun aber denkt, wenn er einmal pro Semester ein paar hundert Euro abdrückt, kommt er erfolgreich durchs Studium, irrt gewaltig.

Eine große internationale Kreditkartenorganisation lehrt uns schließlich in ihren Werbespots, dass man eigentlich alles kaufen kann. Außer ein paar unbedeutenden Dingen wie Freunde, Liebe oder Familie. Die sind angeblich unbezahlbar. Selbst das gilt es aber zu bezweifeln. Fragen Sie mal den ein oder anderen Thailand-Urlauber.

Fest steht jedenfalls, dass es diese Werbespots in allen möglichen Facetten gibt: Job, Party, Fußball. Warum eigentlich noch nicht speziell auf Studenten zugeschnitten? Weil Studenten kein Geld haben? Quatsch. Denn Geld scheint gerade für ein erfolgreiches Studium eine immer größere Rolle zu spielen. Könnte man zumindest meinen.

Der Spot würde sich dann wohl in etwa so anhören (Natürlich müsste das Ganze noch mit dem passenden Schöne-Heile-Welt-Gedudel unterlegt werden):

Verwaltungsgebühren: 100 Euro

Studiengebühren: 500 Euro

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Den Dozenten vor der Klausurenphase  ins Ferienhaus auf Sylt einladen: 1.000

Großzügige Spende an Universitätsbibliothek: 3.000 Euro

Prozesskosten für richterliche NC-Umgehung: 10.000 Euro 

Dumm wie Stroh und trotzdem einen Doktortitel: 30.000 Złoty.

Angeblich gibt es Dinge, die kann man nicht kaufen…für alles andere gibt es Mami und Papi. Und ihre Kreditkarte.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Weiße Schafe

Eine alte saarländische Lebensweise besagt: „Mer holles, damets net fortkummt“. Das heißt übersetzt: „Wir nehmens mit, damit es niemand klauen kann.“ Und das bedeutet: Wenn ich im Baumarkt arbeite, dann richte ich gefälligst auch mein Haus mit Baustoffen aus diesem Baumarkt aus – natürlich nach Feierabend und ohne dafür zu bezahlen. Ich arbeite ja da.
Trotzdem käme wohl niemand auf die Idee, deswegen jetzt zu sagen: „Alle Saarländer klauen“ - selbst ich als Rheinland-Pfälzer nicht.

 Ähnliches gilt für all diejenigen, die im Monat zehnmal wegen „Krankheit“ im Betrieb fehlen. Deswegen sind ja auch nicht gleich alle Arbeitnehmer  Blaumacher. Es gibt zwar schwarze Schafe...aber das sind Ausnahmen.

Bei Studenten ist das anders: da scheint es unter all den schwarzen Schafen nur ein paar weiße zu geben. Schenkt man zumindest gewissen Medien Glauben.

Nun habe ich weder was gegen schwarze Schafe, noch gegen Multikultiherden...aber: warum werden die schwarzen Schafe unter den Studenten gleich als Regel verschrien? Klar, natürlich gibt es Studenten, die nichts tun, nur das BAföG abgrasen und sich einen feuchten Dreck um ihre Zukunft kümmern – aber das sind Ausnahmen. Wieso reicht das, um von „Bachelorlüge“, „faulen Studenten“ und sonst was zu reden?

Der normale Student studiert nicht nur seine 15 bis 30 Stunden die Woche, er muss auch Sitzungen vor und nachbereiten und hat daneben noch einen Job. Denn das BAföG reicht ja hinten und vorne nicht. Dass ein Student dann ja immer noch fünf Monate Semesterferien habe, ist eine bloße Lüge. Diese „Ferien“ heißen sogar offiziell vorlesungsfreie Zeit – und sind nur für die schwarzen Schafe wirklich Ferien. Die weißen Schafe machen in dieser Zeit Praktika, um später eine Chance im Leben zu haben, oder  schreiben Hausarbeiten...oder...oder...oder…

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Nicht zu vergessen der psychische Druck: Selbst wenn der Student abends daheim auf der Couch liegt, schweben über ihm Abgabetermine, Zukunftsängste und drohende Klausuren.

Der 38-Stunden-Angestellte hat diesen Stress nicht.

Es sei denn, er nagelt abends noch die Bretter aus seinem Baumarkt daheim an die Wände.

Mittwoch, 24. November 2010

Realsatire

Warum soll man sich eigentlich jede Woche hinsetzen und sich irgendwelche kranken Verbindungen zwischen Alltagsphänomenen und dem Bachelor überlegen, wenn die Realität doch schon lustig genug ist. Oder traurig – je nach Ansichtsweise. Man muss sich nur mal umsehen.

Folgendes hat sich so tatsächlich an der TU Kaiserslautern abgespielt – und wird sich wahrscheinlich auch noch das ein oder andere Semester lang so abspielen:

Foto: Marius Grathwohl (CC-by-sa-2.5)
Ein Fachbereich – der genaue Fachbereich ist unwichtig, es könnte sich um jeden Fachbereich mit Bachelorstudium handeln – hat ein Büro, das einzig und allein für Prüfungsangelegenheiten zuständig ist. Ein oft gepriesener „Fortschritt“ des Bachelorstudiums in Kaiserslautern soll sein, dass Studenten nun schon Vorlesungen des Hauptstudiums in Grundstudium hören konnten (wohl wegen der Zeitknappheit).

Wer sich nun aber im Prüfungsbüro – das es eigentlich wissen müsste – anmelden will, bekommt nur ein "Nein tut uns Leid, das geht nicht" zu hören. Da es der gemeine Bachelor aber Gott sei Dank gewohnt ist, bei einem „Nein“ nicht gleich locker zu lassen, läuft er erst einmal zum Dekan. Und der kann ihm natürlich sagen, dass das mit der Anmeldung doch geht. Das Prüfungsamt – das es eigentlich hätte wissen müssen – sieht seinen Fehler ein, verlangt aber, dass die Studenten eine Vertiefungsrichtung fürs Hauptstudium angeben. Also wieder zurück zum Dekan, damit der den nötigen Wisch unterschreibt. Dann endlich ist das Prüfungsamt – das eigentlich nie etwas weiß - so gnädig, die gewünschte Klausur anzumelden.

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Das wäre ja alles noch schön und gut, wüsste das Prüfungsamt anscheinend nicht doch genau eine Sache: nämlich, dass es nur an einem Tag im Semester Prüfungsanmeldungen entgegen nimmt und – es ist schließlich ein Prüfungsamt – auch an diesem einen Tag nur fünf Stunden geöffnet ist. Wenn jetzt hunderte Studenten in Schlangen vor den Türen dreier Mitarbeiter stehen und sich die Hälfte aufgrund des Dauerlaufs zwischen Dekan und Büro auch noch mehrmals anstellen muss, kann man sich ungefähr vorstellen, wie viel Zeit an diesem Tag für die Vorlesungen bleiben – am besten noch für die, für dessen Prüfung man sich eigentlich hatte anmelden wollen.

Sowas kann sich kein Mensch als Fiktion ausdenken, egal wie viele Flaschen Rotwein er intus hat. Deswegen: Danke Bologna.

Mittwoch, 10. November 2010

Herumgetriebenenbund

Es vergeht aktuell fast keine Woche, in der der Bund der Vertriebenen keine Schlagzeilen macht. Bei allen Kontroversen, ein solcher Verein hat sicherlich irgendwo auch seine Daseinsberechtigung.
Doch warum gibt es nicht auch schon längst einen Bund der Herumgetriebenen?
Der Bildungs-Herumgetriebenen.
Was das ist?
Na, ganze Jahrgänge sind davon betroffen.

Mitte der Neunziger hat man den kleinem, naiven ABC-Schützen erzählt, dass man den Fluß mit scharfem S schreibt, den Bäcker mit k-k trennt – und niemals s und t. Denn das tat den beiden angeblich weh. Doch schon im zweiten Schuljahr schienen sich s und t zu Masochisten gewandelt zu haben – denn den beiden war es auf einmal piepegal, ob sie getrennt wurden oder nicht.
Rechtschreibreform, erzählte man dem Zweitklässler, der mal schnell gerade alles wieder von vorne lernen durfte. Und noch ein paar Mal hin und her. Mit jeder Reform der Reform. Herumgetrieben halt. Zwischen trennbarer Oma – nämlich nach dem O – und untrennbarer.

Der arme, inzwischen ehemalige ABC Schütze fühlte sich wie ein Versuchskaninchen und fragte sich, wie man das mit ihm machen kann. Schließlich erzählte man doch überall, Tierversuche seien böse. Doch Greenpeace hatte gerade etwas anderes zu tun. Sich an Öltanker ketten und so.

Doch damit nicht genug. Kam das arme Kaninchen zu allem Überl auch noch aus Rheinland-Pfalz, so wurde kurz vor dem Abitur auf einmal selbiges ein halbes Jahr vorgezogen. Auf Probe. Lassen wir einfach mal ganze Jahrgänge ins Messer laufen. Und ohne nachvollziehbaren Sinn. Übrigens heute noch nicht. Greenpeace? Irgendwo im Regenwald.

Die Versuchskaninchen, die das alles überlebt haben, wurden dann mal gleich mit dem neuen Bachelor-Master-System konfrontiert. Warum auch vorangegangene oder spätere Jahrgänge belasten? Verheizen wir doch unsere Versuchskaninchengeneration!

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Und weil Greenpeace gerade irgendwelche Castor-Transporte aufhalten oder Öl-Sardinen aus von explodierten Bohrplattformen verseuchten Gewässern angeln muss, nehmen wir das Ganze doch einfach selber in die Hand.

Gründen wir den Bund der Herumgetriebenen.

Donnerstag, 4. November 2010

Statistik


„Traue nur der Statistik, die du selber gefälscht hast.“
Wenn ich etwas in fast 13 Jahren Schule gelernt habe, dann das. Und ja, liebe G8-Schüler, ich gehöre noch zu der Generation, die fast 13 Jahre in die Schule gehen durfte. Aber macht euch nix draus, dafür hattet ihr schon früher keine Freizeit mehr und der Umstieg auf den Bachelor fällt euch viel leichter.

Foto: dkpto (CC-by-2.0)
Manchmal braucht man aber eine Statistik gar nicht erst zu fälschen. Es reicht dann schon, wenn man einfach nicht alles erwähnt. Klappt genauso.
„Der VfB Stuttgart hat in den letzten zehn Spielen nur eine deutliche Packung einstecken müssen.“ Klingt viel besser, als sagen zu müssen, dass der VfB neun der letzten zehn Partien mit 0:1 und die andere eben mit 0:5 verloren hat.

Bologna-Verfechter machen das ganz genauso.
Eine neue Studie belegt: Bachelor-Absolventen sind so gut wie nie arbeitslos.
Wow.
Bildungsministerium und Hochschulrektorenkonferenz jubeln, denn alles ist so toll. Noch besser: Der Anteil der Arbeitslosen unter den Bachelorstudenten ist nicht höher als der bei Diplom- oder Magisterabsolventen.

Die Sache hat nur einen Haken: Von den Bachelorabsolventen gehen auch nur 12 Prozent direkt in einen Job, rund zwei Drittel hängen den Master dran, weil sie glauben – und oftmals sogar aus eigener Erfahrung wissen –, dass sie mit dem Bachelor auf dem Arbeitsmarkt keine Chance haben. Und selbst wer keinen Masterplatz bekommt, legt oftmals einen längeren Auslandsaufenthalt ein, macht Praktika oder sonstige Dinge, um Zusatzqualifikationen zu sammeln. Davon sagen Bildungsministerium und Hochschulrektorenkonferenz natürlich nichts.

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„Mit dieser Studie wird den notorischen Kritikern an der Bologna-Reform der Wind aus den Segeln genommen“, jubelt Bildungsministerin Schavan.

Wenn man alle Zahlen kennt, klingt das dann ungefähr so glaubwürdig, wie wenn der Manager des VfB nach der elften Niederlage in Folge sagt: „Auch am Montag hat unser Trainer seinen Job noch.“

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Licht

Studenten geht im Mannheimer Schloss neuerdings ein Licht auf. Allein das klingt angesichts der unglaublich wissensvermittelnden Bachelorstudiengänge schon äußert unglaubwürdig. Richtig schräg wird es allerdings, wenn ich sage, dass das auch noch völlig automatisch und bisweilen willkürlich geschieht. Ok – ein Licht, dass einem völlig willkürlich aufgeht, passt dann wieder eher zum Bachelor. Aber mindestens genauso schnell folgt da auch wieder die Dunkelheit.

Foto: Freewill Photography+ (CC-by-nc-2.0)
Nicht so im Westflügel des Ehrenhofs. Bewegungssensoren erfassen im Treppenhaus jeden kleinsten Mucks und – schwups – ist das Licht an. Theoretisch zumindest.
Seit längerer Zeit beschleicht mich nämlich wie gesagt das Gefühl, dass die ganze Sache relativ willkürlich abläuft. Manchmal funktioniert es, manchmal nicht. Fairerweise muss festgehalten werden, dass es auch durchaus sein könnte, dass der Sensor Tageszeit abhängig ist. Nur leider geht das Licht am Tag an und bleibt in der Nacht dunkel. Und wenn es nachts angeht, dann meistens zu spät. Nämlich dann, wenn ich das Treppenhaus gerade verlasse.

Willkürlich, unlogisch und viel zu spät – klingt irgendwie verdächtig nach dem Bachelor. Willkürlich scheinen die Themen die auf dem Lehrplan landen und andere, die rausfliegen. Unlogisch das ganze System, dass Erfolg an Arbeitsstunden misst. Und viel zu spät geht einem das Licht auf – nämlich meist nach der Klausur, wenn man den Stoff nach Bachelorlogik schon lange nicht mehr braucht. Diese Parallelen können nur zufällig sein.

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Oder etwa nicht? Wenn nein, könnte man die Baumaßnahme sogar im Nachhinein mit Studiengebühren finanzieren – obwohl das sonst eigentlich strengstens verboten ist. Die Argumentation wäre auch klar:
Verbesserung der Lehrverhältnisse.

Wann sonst geht einem Studenten schon mal im Bachelorstudium ein Licht auf?

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Gruppendynamik

Samstag. Kurz nach halb 4. Westkurve, Fritz-Walter-Stadion Kaiserslautern.

Es ist schweinekalt, das Spiel ist grottenschlecht und ich stehe mir die Beine in den Bauch. Ich frage mich nicht nur, was ich hier eigentlich mache – als Frankfurt-Fan – sondern auch, wie es sein kann, dass viele junge Menschen so für Stimmung sorgen.

Foto: Der Toco (CC-by-nc-nd-2.0)
Als dann erneut lautstark gepfiffen und gebuht wird, als der gegnerische Spieler mal wieder Zeit schindet (während er mit dreifach gebrochenem Unterschenkel vom Platz getragen wird) frage ich mich: Warum klappt hier, was bei Studentenprotesten so kläglich scheitert?

Seit Bologna ist der Großteil der Studenten doch auch jung (es gibt ja keine 24.-Semester mehr) und mit dem Bachelor gibt es sogar ein Ziel, dass man noch sehr viel schöner ausbuhen und auspfeifen könnte, als den Zeitschinder. (Der übrigens gerade in den Krankenwagen verfrachtet wird.)

Warum klappt also im Stadion, was in der „realen“ Welt nicht klappt, obwohl dort nicht nur der Klassenerhalt auf dem Spiel steht sondern etwas niocht ganz Unbedeutendes wie, naja, die eigene Zukunft?

Jetzt könnte man sagen, das im Stadion sind gar keine Studenten. Stimmt so nicht. Da sind sogar sehr viele Studenten drunter, habe ich mir sagen lassen. Man könnte auch sagen, das ist ein Mannheimer Phänomen. Seit Waldhof Mannheim nicht mehr tiefer sinken kann, haben die Fußballfans unter den Studenten einfach das Pfeifen verlernt. Auch das stimmt nicht, da der gemeine Waldhoffan ohnehin schon seit Jahren heimlich nach Lautern, Karlsruhe oder Frankfurt fährt. Woran liegt es also, dass Studenten im Stadion gegen „Missstände“ protestieren auf der Straße aber nicht?

Vielleicht fehlt ja in Deutschland was Streiks betrifft einfach das, was der gemeine Fußballfan seit seiner Kindheit im Stadion erlebt – die richtige Sozialisierung.

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Darum mein Vorschlag: Wir versammeln alle überarbeiteten, aber bisher tatenlosen Studenten mit Fußballhintergrund in einem Stadion. Den Bologna-Verantwortlichen ziehen wir sexy Schiedsrichtertrikots an (am besten die rosafarbenen) und zeigen dann das Ganze auf Großleinwand. Public Viewing ist ja eh grade in.

Wenn dann der Funke immer noch nicht überspringt, weiß ich auch nicht mehr weiter.

Mittwoch, 6. Oktober 2010

Menschenrechte

Menschenrechte sind eine tolle Sache. Legen fest, dass alle Menschen gleich sind, was menschenwürdige Bedingungen sind usw. Zur aktuellen Menschenrechtscharta der UN bekennen sich alle Mitgliedsstaaten. Wer dagegen verstößt, wird geächtet. Diktatoren, Massenmörder, Kriegsverbrecher – und 29 europäische Bildungsminister. Letztere sollten zumindest geächtet werden. Theoretisch. Wenn man konsequent wäre.

Foto: brtsergio (CC-by-nc-sa-2.0)
Warum? Ganz einfach: Artikel 24 der Menschenrechtscharta.
"Everyone has the right to rest and leisure…"
Und weil schließlich auch Bachelorstudenten mit G8-Abitur zuhören könnten und die keine Zeit gehabt haben, um anständig Englisch lernen zu können, das Ganze auch noch mal auf Deutsch:
"Jeder hat das Recht auf Erholung und Freizeit…"
Jap…jeder hat das Recht auf Freizeit. So wie jeder laut der Charta auch das Recht auf sauberes Trinkwasser hat. Doch die Sache mit dem Trinkwasser beweist sehr schön, dass „das Recht auf etwas haben“ nicht gleichbedeutend mit „etwas wirklich haben“ ist. Denn was für den gemeinen Mittelafrikaner sauberes Trinkwasser ist, ist für den Bachelor Freizeit: Er hätte es gern, er könnte es theoretisch auch haben, würde das Ganze nicht an Systemversagen und unfähigen Politikern scheitern.

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Mein Freund Bernie, B.A. Byzantinistik im 4. Fachsemester, will übrigens gegen den Verstoß gegen den Freizeits-Teil die Menschenrechtscharta klagen – wäre da nicht dieses kleine Problem mit der Amtsimmunität von Bildungsministern. Der Bachelor als Verbrechen gegen die Menschlichkeit – dafür fehlt einfach die Lobby. Kein Wunder, denn wie sollen Studenten auch eine Lobby aufbauen, wenn sie vor lauter Studiererei gar keine Zeit dafür haben. Ein geschickter Schachzug der Bologna-Macher.

Irgendwie der einzige.

Mittwoch, 29. September 2010

Repräsentativität

Eine neue Studie beweist endlich: Studenten jammern zu viel und arbeiten zu wenig. Nur lediglich 26 Stunden wenden Studenten im Schnitt pro Woche für die Uni auf.

Aber dann noch jammern.

Die Politiker lachen sich ins Fäustchen: Wir haben es ja immer gewusst. Schuld sind nicht wir, sondern der deutsche Student, der nichts kann als jammern. Die Stimmung ist drastisch umgeschlagen, könnte man dieser Tage sogar meinen. Elf Jahre Proteste durch überarbeitete Studenten sind nichts mehr wert; wurden sie doch als Lüge entlarvt – durch eine einzige repräsentative Studie.

Die ist übrigens so repräsentativ wie die erste empirische Hausarbeit eines Politikerstsemesters: Befragt wurden 121 Studenten an vier Hochschulen – und aus sechs verschiedenen Studiengängen. Zum Vergleich: aktuell gibt es in Deutschland über zwei Millionen Studenten, 410 staatlich anerkannte Hochschulen – und inzwischen auch mehrere Dutzend Bachelorstudiengänge.

Entschuldigung, aber diese „repräsentative“ Studie klatscht dir jeder Methodenprofessor um die Ohren. Nur eben nicht jeder Politiker. Und erst recht nicht jeder Medienvertreter.

Das Ganze ist ungefähr so repräsentativ wie der IQ von Daniela Katzenberger für den Gesamt-IQ von Ludwigshafen. Ok, schlechtes Beispiel. Anderes ausgedrückt: Ich glaube selbst Bernie, B.A. Byzantinistik 4. Fachsemester, fände diese Studie zumindest etwas fragwürdig. Und Bernie kauft dir sonst eigentlich alles ab.

Und mal angenommen, diese Studie ist, entgegen allen Gesetzen der Wahrscheinlichkeitsrechnung, doch repräsentativ: Sind die Tausenden Burn-outs und anderen psychologischen Zusammenbrüche bei Studenten seit Bologna deswegen auf einmal nicht mehr repräsentativ? „Mooooooment!“, schreien jetzt die Bildungspolitiker. „Schuld daran ist nicht der Bachelor an sich, sondern das miserable Zeitmanagement der Studenten.“ Das belegt nämlich passenderweise auch die neue Studie.

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Und selbst wenn das wiederum alles stimmt: Sollte es uns selbst dann nicht immer noch zu denken geben, wenn Studenten aufgrund schlechten Zeitmanagements psychisch krank werden? Selbst mit dem schlechtesten Zeitmanagement wird aus einer 20-Stundenbelastung doch keine gefühlte 60-Stundenbelastung…

Es sei denn natürlich, die Studenten haben es auch in der Disziplin Zeitmanagement nur zum Bachelor gebracht.

Mittwoch, 15. September 2010

Meister

In Rheinland-Pfalz kann man ab sofort ohne Abitur an einer Hochschule studieren. Wenn man vor der Handwerkskammer die Meisterprüfung erfolgreich abgelegt hat.

Die Opposition schreit, dass sei eine Entwertung des Abiturs. Aber mal ehrlich: Ist das nicht eh schon nicht mehr weiter abwertbar, seit Leute wie Lena Meyer-Landrut die Prüfungen bestanden haben?

Aber eigentlich brauch niemand Angst zu haben, dass die Meister nun den Abiturienten die Studienplätze wegnehmen. Denn mal ehrlich: Welcher Mensch, der etwas Anständiges gelernt hat, will sich nochmal mit denselben Bezeichnungen rumschlagen?

Studiert der Meister nach den Regeln der Kunst – und das heißt in der Regel „Bologna“ – dann macht der Meister erstmal seinen Bachelor. Dann ist der Meister kein Meister mehr, sondern „Junggeselle“. Das ist dann angeblich mehr Wert als der „Meister“ vorher. Dabei hat der ehemalige Meister, der jetzt Junggeselle ist, doch das letzte Mal, als er ein „Geselle“ war, seinem Meister Kaffee kochen und die Zeitung vom Kiosk holen müssen. Ist er jetzt noch nicht komplett verunsichert und studiert weiter, dann wird der frühere Meister, der jetzt ein Bachelor ist, nach vier Semestern wieder zum Meister…äh Master.
Meister halt. Übersetzt.

Welcher ehemalige Junggeselle, der dann Meister wurde, nur um als Geselle seinem Master Kaffee…. Ach, da kommt man aber auch durcheinander. Also langsam: Ein Geselle, der durch eine Prüfung zum Meister wird, dann durch ein Studium aber wieder zum (Jung)gesellen, bis am Ende wieder ein Meister rauskommt. Wert tut sich freiwillig so eine Wortklauberei an?

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Es ist bestimmt irgendwie gerechtfertigt, dass Meister unbeschränkten Hochschulzugang bekommen – zumindest auf der anderen Rheinseite. Aber damit das System auch jeder versteht, sollten wir schnell noch europaweit die Bezeichnungen an das neue Studienenglisch anpassen. Journeyman und craftsman oder so. Und am besten, wenn wir eh schon dabei sind, auch die Ausbildungszeiten ein bisschen anpassen – was natürlich verkürzen heißt.

Und weil Rheinland-Pfalz das Ganze angestoßen hat, treffen wir uns am besten nicht in Bologna, sondern in Oggersheim. Da kennt man sich mit Englisch aus und hat schon früher bei Palzwoi un Saumage Weltpolitik gemacht.

Mittwoch, 1. September 2010

Fitnessstudio

 Jedes Mal, wenn ich dann doch mal die Zeit finde, ins Fitnessstudio zu gehen, bietet sich mir das gleiche Bild. Nein – leider keine sexy Sportmiezen, sondern eher ganz spezielle Fälle des eigenen Geschlechts.
„Ich bin ein Mann. Für was brauche ich einen Trainingsplan?“
Und für was soll ich am Gerät mit 9 Kilo anfangen wenn mir doch mein urzeitlicher, animalischer und zutiefst männlicher Instinkt sagt:
„Das geht mit 40 doch genauso!“

Ich bin kein Arzt, aber diese Form von physischer Überladung kann für den Körper nicht gut sein.

Foto: clumsy_jim (CC-by-nc-2.0)
Sagen Sie sich schon: „Na, und jetzt schlägt er gleich irgendwie die Kurve zum Bachelor“?
Wenn ja, Glückwunsch, Sie kennen mich gut.
Aber den Triumph gönne ich Ihnen nicht, deswegen erzähle ich jetzt erst mal einen Witz. Also. Ein Hase, ein Igel und ein Bär….ach lassen wir das.

Eitle Männer im Fitnessstudio – Überbelastung:
Ist ja eigentlich genau wie beim Bachelor.
In sechs Semestern muss man heutzutage einen „berufsqualifizierenden“ Abschluss haben. Dafür braucht man eine Menge Stoff. Wo man allerdings früher mit 9-Kilo-Hanteln anfing, bekommt man jetzt im ersten Semester gleich mal die volle 40-Kilo-Ladung.
Das ist weniger physische Belastung als vielmehr psychische.
Auch hier muss ich kein Arzt sein, um zu sagen, dass das glaube ich gar nicht mal so gut ist.

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Wer unter der Last zusammenbricht, hat Pech gehabt.
Wer es durchhält hat nachher zwar ein kaputtes Kreuz –kann sich jedoch über einen tollen berufsqualifizierenden Abschluss freuen.

Und weil der so berufsqualifizierend ist, darf man im Master gleich die 80-Kilo-Hantel auflegen.

Mittwoch, 25. August 2010

Schrumpfmond

NASA-Forscher haben herausgefunden: Der Mond ist geschrumpft. In der letzten Milliarde Jahre zwar „nur“ um 100 Meter im Radius – aber immerhin versucht es der Erdtrabant wenigstens, sich so gut es geht an aktuelle Trends anzupassen.

Foto: baerchen57 (CC-by-nc-sa-2.0)
Denn schließlich schrumpft ja alles heutzutage.
Das Bruttosozialprodukt, die Geldmenge in unseren Portmonees – und natürlich das Gesamtgehirnvolumen der Deutschen.

An letzterem ist übrigens nicht alleine der Bachelor schuld – sondern auch eine ganze Menge anderer aus den USA importierter Formate: „Mitten im Leben“, „Verdachtsfälle“ oder „We are Family“.

Fragt man sich eigentlich nur noch: Warum gibt es noch keine eigenen Bachelor TV-Formate? Die Voraussetzungen sind doch da:
Das Budget gewisser Privatsender schrumpft schneller als der Mond, genauso der Kontostand des gemeinen Studenten in Richtung Monatsende – wenn überhaupt noch was zum Schrumpfen da ist.

Warum also nicht ein paar ganz verzweifelte Bachelor aufsammeln und damit das Programm füllen?
Am Nachmittag läuft „Betrugsfälle – Überarbeitete Bachelorstudenten kaufen sich Hausarbeiten“.
Am Abend dann die große Show „Deutschland sucht den Super-Bachelor“, in der eine Gruppe von Bachelorstudenten darum kämpft, wer sich am schnellsten den Stoff von sechs Semestern in 180 Minuten Sendezeit in den Kopf hauen kann.
Und in der Nacht schließlich im Wechsel das „Bachelor Night Quiz“ mit kniffligen Fragen aus dem ersten Semester, die natürlich kein Auswendiglerner mehr beantworten kann und die „Sexy Bachelor Clips“, bei denen die Kleidermenge verzweifelter, geldknapper Bachelor-Studentinnen ständig schrumpft – natürlich schneller als der Mond.

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Der soll übrigens auch nicht zu kurz kommen: Wie wäre es mit einer Sendung, in der Bachelorstudenten alle Verantwortlichen der Bolognareform auf den Mond schießen dürfen? Müsste dann aber schon bald auf Sendung gehen, wenn auf dem Mond noch genug Platz für alle sein soll – denn der schrumpft ja.

Mittwoch, 11. August 2010

Unterschrift

Seit die Universitäten sämtliche Verwaltungsorgane mit webfähigen Computern ausgestattet haben, grassiert die Interneteritis. Jeder Angestellte, der den Kurs „Internet für Dummies“ bestanden hat, erledigt von nun an alle Aufgaben über das Internet. Die Folge: Die E-Mail-Postfächer der Studenten laufen über. Mit der weiteren Folge, dass besserer Spam (also alles, was Informationen zum Mensaessen, Bibliotheksöffnungszeiten, Asta-Veranstaltungen usw. betrifft) nicht mehr von wirklich wichtigen Dingen unterschieden werden kann.

Diese kommen nämlich seit neustem auch per Mail. Immatrikulationsbescheinigungen, Studiengebührenentscheide und sämtliche hochoffizielle Dokumente, die früher wahrscheinlich in Briefen mit Siegel und Stempel in doppelter Dreifachausführung versendet worden sind, landen jetzt im Postfach – vorausgesetzt, man hat nicht gleich für alle E-Mails mit der Formulierungen „Verwaltung@“ in der Absenderadresse eine Weiterleitung ins Spamfach eingerichtet.

Unter diesen Nachrichten prangert dann noch oft die Mitteillung „Diese Nachricht wurde automatisch erstellt und ist auch ohne Unterschrift gültig“. Klingt gut. So glaubwürdig. Kennt man außerdem noch von früher, als man ab und zu mal vom Amt, der Bundeswehr oder einer anderen unnötigen Institution eine allgemeine Mitteilung bekommen hat, die „maschninell erstellt und ohne Unterschrift gültig war“.

Im 21. Jahrhundert gibt es keine Schreibmaschinen mehr, deswegen heißt das jetzt „automatisch erstellt“. Zwei Worte, die in dieser Kombination beim Spamfilter übrigens Kammerflimmern auslösen. Und ein Grund, warum die ein oder andere Mitteilung dann auch mal einfach nicht ankommt.
Oder eine gute Ausrede, wenn man eine wichtige Mitteilung verschlampt oder nicht gelesen hat.

Das wirklich schöne ist aber, dass automatisch erstellte E-Mails noch leichter zu fälschen sind als früher maschinell erstellte Anschreiben. Säumnisgebühren, Exmatrikulation? Pff…da könnte ja jeder kommen und Geld von mir wollen, wenn er nur den berühmten Satz darunterschreibt.

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Besser noch: Wenn Mitteilungen einfach so gültig sind, kann das jeder ganz genauso. Ich hab das dann auch mal gleich ausprobiert. Eine Mail ans Studienbüro, dass ich bestimme, dass ich von nun an keine Studiengebühren mehr bezahle. Und eine Mail ans Finanzamt, dass das gleiche auch für meine Steuern gilt. Mit der magischen Floskel dürfte es ja eigentlich keine Probleme geben.

Bin mal gespannt auf die Antwort…

Mittwoch, 4. August 2010

Digitale Revolution

Seit der Umstellung auf das Bachelor/Master-System ist das Internet das wichtigste Kommunikationsmedium geworden. Prüfungsanmeldungen, Klausurnoten, Veranstaltungswahl – alles läuft heute elektronisch. Sogar die gute alte Mitschrift in Vorlesungen wird durch das online Stellen von Präsentationsfolien auf einige wenige Ergänzungen beschränkt.

Willkommen im Zeitalter der digitalen Revolution.

Und ihren katastrophalen Folgen.
Jedes Jahr zur Klausurenzeit laufen Arztpraxen und Krankenhausnotaufnahmen über: Handgelenksverstauchungen, -brüche und sonstigen Verletzungen, die entstehen, wenn man eine bestimmte Bewegung einfach nicht mehr gewöhnt ist – in diesem Fall das Schreiben mit einem Stift auf Papier.

Schlimmer noch: Es soll sogar Klausuren geben, in denen von den Studenten keine inhaltlichen Nachfragen mehr gestellt werden, sondern eher solche Dinge wie „Wie geht noch mal ein S in Schreibschrift?“ oder „Kann man die Antwort nicht einfach irgendwo vom Blatt copyen und dann mit Strg+V in die vorgegebenen Linien pasten?“ Wahrscheinlich stammen diese Überlieferungen aus dem BWL-Bereich. Oder von den Byzantinistikern? Muss mal Bernie fragen.

Das Katastrophale aber ist eigentlich, dass dem modernen Bachelor-Studenten durch den Internetboom eine Menge guter, alter Studententraditionen durch die Lappen gehen.
Wie toll war es, wenn man als kleiner Junge die älteren Geschwister von Schulkameraden davon reden hörte, sie müssten da und da noch einen „Schein“ machen. Das klang doch irgendwie…cool. Heute? Scheine bekommen nur noch die Lehrämtler – wahrscheinlich weil sie noch nicht gelernt haben, wie man einen Computer einschaltet und bedient.

Meinen ersten (und bis heute einzigen) Schein habe ich sage und schreibe in einer Germanistik-Veranstaltung im dritten Semester bekommen – war wohl ein Versehen. Ich war so überrascht, dass ich mir das „Nein danke, bitte keine Werbeflyer“ nur gerade noch so verkneifen konnte. Wahrscheinlich hätte der Professor ähnlich reagiert wie der Dozent neulich, als man sich doch tatsächlich für eine Veranstaltung per Hand (!) in einer Liste eintragen sollte. Und ich ihn fragte, ob er mir wirklich versichern könne, dass ich durch die Unterschrift nicht irgendwelche dämlichen Zeitschriften-Abos ins Haus bekommen würde. Nach dem dritten Mal hat er mir gedroht, mich durchfallen zu lassen.

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Hätte ich dann wahrscheinlich auch im Internet erfahren. Denn der Bachelor bekommt alle Noten übers Internet. Dank Systemfehlern nicht immer die richtigen – ok, wieder der ein oder andere unnötige Heulkrampf, Nervenzusammenbruch oder Suizidversuch mehr, aber wen interessieren denn die Einzelfälle irgendwelcher Immatrikulationsnummern in irgendeinem Computer?

Willkommen im Zeitalter der digitalen Revolution.