Mittwoch, 20. Juli 2011

Meerschweinchen

Meerschweinchen sind schon putzige Tierchen, oder? Diese Knopfaugen und dieses fluffige Fell. Hach.

Foto: WOAW (CC-by-nc-2.0)
Dennoch fragt man sich bei Meerschweinchen: „Was hat sich Gott oder die Evolution oder sonst wer dabei nun wieder gedacht?“ Ich meine, welchen tieferen Sinn erfüllen Meerschweinchen im Großen und Ganzen? Im Reigen des Lebens? Nein, „sie sind süß“ und „sie quieken so putzig“ sind definitiv keine rationalen Argumente für eine Daseinsberechtigung. Ok, man muss dem Meerschweinchen zu Gute halten: Man kann es essen. In Peru ist Meerschweinchen sogar Nationalgericht. Aber um satt zu werden, muss man schon eine Menge von diesen munteren Gesellen verspeisen. Ungünstig konstruiert. Zu klein. Meerschweinchen sind ein Rätsel.

Meerschweinchen sind wie iPads. Denn mal ehrlich, bislang konnte mir noch kein iPad-Besitzer wirklich glaubhaft erklären, warum er sich so ein Teil gekauft hat. Wo liegt der tiefere Sinn?

Diese Frage gilt übrigens nicht nur für Bachelorstudiengänge, sondern auch für die akademischen Titel, die für das erfolgreiche Bestehen eines solchen Blitzstudiums verliehen werden. Wo liegt der Sinn, fragt man sich auf hier oftmals. Beim Titel „Bachelor of Arts“ zum Beispiel, kurz „B.A.“: Den bekommen graduierte Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaftler. Nun gut, jeder, der mal Germanistik, MKW oder Politikwissenschaft studiert hat, wird zugestehen, dass dafür die Bezeichnung „Bachelor of Science“, also Bachelor der Wissenschaft, etwas übertrieben wäre. Aber warum in aller Welt Bachelor der KUNST? Ich meine, dass ist doch Hohn und Spott für alle van Goghs, Beethovens oder Led Zeppelins dieser Welt.

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Zugegeben, die Abkürzung B.A. spricht sich deutlich besser aus als „B.Sc.“ beim Science-Bachelor. Und liest sich damit deutlich besser auf der Außentür von Taxis („Taxi Schneider, B.A.“ Wow.). Aber das allein kann doch nicht die ultimative Antwort auf dieses Rätsel der Menschheit sein? Man sollte solchen Fragen wirklich tiefgründiger nachgehen.

Aber warum sechs Semester dafür studieren und auch noch einen Haufen Geld ausgeben? Wenn man sich schon mit ungelösten Fragen der Menschheit beschäftigen will, kauft man sich von dem Geld doch lieber ein iPad.

Oder gleich ein Meerschweinchen.

Mittwoch, 13. Juli 2011

Sommer, Palmen...?

Es ist Sommer. Es ist heiß. Zu heiß. So heiß sogar, dass man nicht großartig viel arbeiten kann. Zumindest wenn‘s nicht grade mal wieder kalt ist. Und schüttet. Sommer in Deutschland eben. Irgendwie.

Foto: Visa1410 (CC-by-sa-3.0)
Wenn es dann aber mal so heiß ist, dass man nicht großartig viel arbeiten kann, ist das für Studenten natürlich schlecht. Nicht, dass die meisten Studenten körperlich arbeiten würden, wo denken Sie hin. Aber wie ein weiser alter Mann, seines Zeichens Fußballtrainer, neulich wieder zu mir sagte: „Auch geistige Arbeit ist Arbeit!“. Genau. Also nichts für den Sommer.

Die direkte Folge der Hitze ist dann die berühmte Sommersmüdigkeit. Tritt die ein, sind wir zu nichts mehr in der Lage – schon gar nicht fürs Studieren. Nichts geht mehr. Außer, dass man schnell in den Keller rennt, die Flasche Cachaça herauskramt, ein paar Limetten zerdrückt, daraus einen Caipirinha mixt, schnell noch ein Buch holt, die Sonnenbrille aus dem zweiten Stock nicht zu vergessen, dann noch schnell den tragbaren CD-Player suchen und ‘ne passende CD und sich dann in die Sonne legt. Sonst geht echt nix.

Moment, wenn ich mir‘s genau überlege: Gerade, als ich hier sitze, um mir wieder irgendeinen Blödsinn zum Bachelor aus den Fingern zu saugen, ist ja tatsächlich so ein heißer Tag. Gähn. Ich merks auch schon. Sommermüdigkeit. Und deswegen leg ich mich jetzt hier hin und mache gar nichts mehr.

Dann können auch die Sendeoberen endlich mal durchatmen. Denn während ich in der Sonne liege, sind sie auf der sicheren Seite. Keine Verleumdungsklagen von angepissten Bologna-Verantwortlichen, keine Regressforderungen…oder Klagen wegen Verletzung von Urheberrecht. Wegen falsch gesetzter Satzzeichen oder so.

Einfach Nichtstun, die Sonne genießen, vielleicht ein Zitroneneis...verdammt…war das nicht ein Song von den Ärzten? Urheberrecht...Andere Sorten wie Erdbeere, Aprikose, Melone oder Joghurt-Kirsch kommen natürlich auch in Betracht.
Nichtstun, Klappe halten.
Das ist des Pudels-Kern! Äh…hoffentlich melden sich die Goethe-Erben nicht gleich bei mir…

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Genug! Ich bechere jetzt einfach meinen Caipi und schalte ab. Bitte? Bechern! Nicht Bachelor. Ich hab definitiv nichts von Bachelor gesagt. Und auch nichts von inkompetenten Politikern, Verwaltungsangestellten, die Tag für Tag nichts auf die Reihe bekommen. Keine Chance für Verleumdungsklagen. Ruhe jetzt!

Ich leg‘ mich jetzt endlich in die Sonne und strecke die Beine von mir, wie der….nein, nicht wie der Studentenprinz! In Heidelberg sind die nämlich, was Urheberrecht betrifft, noch viel vorsichtiger…hab ich mir zumindest sagen lassen.

Mittwoch, 6. Juli 2011

? (Fragezeichen)

Wenn man das Ganze mal ganz nüchtern betrachtet: Wem haben wir Bologna, Bachelor und Master und das ganze leidige Drumherum eigentlich wirklich zu verdanken? Irgendwelchen EU-Bildungsministern, Hochschulkommissionen oder sonstigen Welt“verbesserern“? Nein, die können eigentlich nur für die Umsetzung was. Den Auslöser muss man ganz woanders suchen: Bei den Langzeitstudenten.

Langzeitstudenten.
Boah. Der Abschaum der Menschheit. Könnte man zumindest denken, wenn man den Tenor in den meisten Medien so hört. Studieren jahrzehntelang Philosophie und Germanistik, liegen dem Staat auf der Tasche…und geben am Ende doch nur einen mittelmäßigen Taxifahrer ab. Da müssen ein paar Schlau-Beschränkte zwangsläufig irgendwann auf die Idee kommen, ein Turbostudium einzuführen.

Aber bevor hier jetzt eine regelrechte Hexenjagd auf Manni, den freundlichen, 39-jährigen Politik- und Philosophiestudenten von nebenan ausbricht: Er kann nichts dafür. Genau wie alle anderen. Er hat es nie anders gelernt.

Wie? Naja, auch hier müssen wir uns für die Grundlagenforschung wieder einmal weit in die Kindheit begeben. Genauer gesagt nach Rocky Beach.

Da gibt es nämlich drei Jungs, die Generationen von späteren Studenten das Langzeitgelerne quasi vorgemacht haben. Ich meine, hallo? Da ermitteln diese Kerle nun schon seit fast 50 Jahren und in inzwischen weit mehr als 150 Fällen – und trotzdem haben sie die High School nie verlassen. Seit 50 Jahren! So schlecht kann das doch gar nicht sein, denkt sich zwangsläufig jeder Schüler und Student.

Stellen wir uns das doch mal vor. Der Leser/Hörer wird eingeschult – Justus, Peter und Bob gehen zur Schule. Die Grundschule ist vorbei, die weiterführende Schule steht an – Justus, Peter, Bob? Immer noch Schule. Abitur bestanden – In Rocky Beach nichts Neues. Der spätere Langzeitstudent hat sich immerhin dazu durchgerungen, die Schule zugunsten eines Studiums einzutauschen – als er sieht, dass die drei Jungs aber immer noch zur High School gehen, entscheidet er sich jedoch endgültig, es ihnen gleich zu tun. Einfach dableiben

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Warum auch nicht? Justus hat es zwar in 50 Jahren nie zum High-School-Abschluss gebracht, weiß dafür aber so coole Sachen wie, dass Saturn eine so geringe Dichte besitzt, dass, würde man ihn in eine Badewanne werfen, er wie ein Stück Seife oben schwämme. Und über die Runden kommt er auch locker. Ohne Gehalt zu verlangen! Klingt doch gar nicht so übel, so ein Leben, denkt sich der spätere Langzeitstudent. Und verlässt die Uni so schnell nicht – vielleicht für die nächsten 50 Jahre.

Sucht die Schuld also nicht bei den armen Langzeitstudenten, sie können nichts dafür. Wendet euch mit euren Hasstiraden lieber an die drei Detektive.

Denn die übernehmen ja bekanntlich jeden Fall.

Donnerstag, 30. Juni 2011

Frauenfußball

Die Welt ist wieder mal zu Gast bei Freunden. Diesmal sind die Freunde deutlich femininer, haben weniger Bierbauch und saufen und gröhlen auch weniger, wenn sie mal ein Spiel gewinnen. Dennoch gibt es auch Anno 2011 wieder richtig guten Fußball in Deutschland zu sehen. Und das meine ich ernst!

Foto: beefy_n1 (CC-by-nc-2.0)
Man muss nur Frauen- und Männerfußball als zwei verschiedene Sportarten betrachten. Und nein, das ist jetzt kein Machogerede – diese ständige Vergleicherei geht einem doch einfach nur noch auf die Nerven. Wer spielt jetzt letztendlich besser, Männer oder Frauen? Na klar würde die kleine Lira Bajramaj, wenn sie gegen Thorsten Frings laufen würde, kaputt gehen – das ist rein anatomisch einfach so. Deswegen ist aber Frauenfußball doch nicht schlechter oder weniger physisch? Und dann immer dieses: Wer sieht besser aus? Die Männer- oder die Frauennationalspieler? Und wer sieht männlicher aus? Der Mittelstürmer bei den Herren oder der Mittelstürmer bei den Damen? Schluss mit der Vergleicherei.
Das gilt übrigens auch umgekehrt. Ich sage nur „Wer ist der amtierende Weltmeister und wer nur Dritter?“

Freuen wir uns doch einfach in beiden Sportarten über die Erfolge unserer Mannschaft.

Andererseits ist diese elende Vergleicherei ja auch ein Phänomen unserer Zeit. Was ist jetzt besser? Der Bachelor oder der Diplom?
Bringt doch alles nichts!
Der Bachelor ist ein Ergebnis unserer Zeit, quasi der akademische Frauenfußball. Ein Bachelor muss vielleicht auch gar nicht die Details seines Faches vom Hundertsten ins Tausende wissen, wenn er dafür perfekt aufs Berufsleben vorbereitet wird.

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Wenn ich als Bachelor akademische Volltreffer lande wie Birgit Prinz, dann will ich gefälligst nicht mit dem ollen Diplomer Gerd Müller verglichen werden. Nein! Ich hab auch so das Zeug zum akademischen Weltmeister. Dann halt nur im Frauenfußball. Also metaphorisch ausgedrückt.
Sonst dürfen Sie mich natürlich jederzeit mit Gerd Müller verglichen werden.

Und wer weiß. Vielleicht regieren Bachelor tatsächlich mal die ganze Welt und werden auch von den jetzigen Kritikern geliebt. Denn wenn man zuhört, wie die DFB-Funktionäre die Leistungen der Damen heute in den Himmel loben, kann man sich kaum vorstellen, dass der Verband den Sport in seiner Anfangszeit sogar mal verboten hatte.

Mittwoch, 22. Juni 2011

Absolventenfeier

Wenn die sechs Semester Bachelor irgendwann wie im Flug vergangen sind – Moment mal, „Wie im Flug vergehen“ ist doch eigentlich eine Metapher dafür, dass augenscheinlich lange Zeiträume schneller rum sind, als man dachte – aber bei einem Abschluss nach sechs Semestern? Also: Wenn die sechs Semester Bachelor wie erwartet schnell vergangen sind, steht die Absolventenfeier an.

Foto: pennstatelive (CC-by-nc-2.0)
Also bei manchen. Bei anderen auch gar nicht. Und an höchst unterschiedlichen Plätzen. Die einen müssen sich inklusive feierwütigem Anhang in einen Hörsaal quetschen, die anderen bekommen Fest- und Cateringzelt aufgebaut. Je nach Ruf und Studiengang eben.

Und auf diesen Absolventenfeiern gibt es dann…ja was gibt es eigentlich? Außer einer Menge heiße Luft? Die Bachelorzeugnisse? Natürlich nicht! So ein wichtiges Dokument kann man doch nicht einfach so aushändigen. Diese lustigen Studentenumhänge und –hüte, die man aus dem Fernsehen kennt? Nein. Diese Zeiten sind spätestens mit der Abschaffung von Diplom- und Magisterstudiengängen vorbei. Da gab‘s das noch. Dumm gelaufen.

Wenn ich meiner Fantasie mal freien Lauf lasse: Was ist, wenn jemand nur studiert hat, um einmal in seinem Leben diesen eckigen Hut tragen zu können? Und auf einmal auf der Absolventenfeier zu jaulen anfängt? Am besten an einer Universität, die einen internationalen Ruf zu verlieren hat? Ich stell mir das grad so vor. Springt dann der Rektor persönlich aus der ersten Reihe auf, kämpft sich heldenhaft erst durch die Horde gaffender und dämlich grinsender Verwandter und anschließend durch sämtliche Abstellkammern und Kellerräume der Universität, bis er schließlich in irgendeiner dunklen Ecke einen verstaubten und abgetragenen Studentenhut findet, den er dann, nachdem er sich zurückgekämpft hat, höchstpersönlich dem Absolventen überreicht?

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Wie? Achso, dafür müsste der Rektor bei der Absolventenfeier erst einmal anwesend sein. Doch ganz rational betrachtet: Warum sollte er das auch, wenn ein Horde Spätpubertierender wie eine Horde Kälber vor der Keulung das billige Schmuckzeugnis eines zumindest fragwürdigen Originals in die Hand gedrückt bekommt?

Mittwoch, 15. Juni 2011

Goethe

„Da steh‘ ich nun, ich armer Tor, / Und bin so klug als wie zuvor!“

Nein, das ist nicht etwa der Ausruf eines Bachelorabsolventen nach Abgabe seiner Abschlussarbeit – obwohl das durchaus passen könnte. Das ist Goethe. Faust. Genauer gesagt Faust I.

Foto: Elinore (GNU)
Goethe war gut. Nicht nur, weil er so toll reimen konnte. Nein, Goethe war auch richtig sozialkritisch. Auch im Faust. Da beschwert sich nämlich gleichnamiger Protagonist gleich am Anfang: „Habe nun, ach! Philosophie, / Juristerei und Medizin, / und leider auch Theologie / Durchaus studiert, mit heißem Bemühen. […] Heiße Magister, heiße Doktor gar, / Und ziehe schon an die zehen Jahr‘ / Meine Schüler an der Nase herum – / Und sehe, daß wir nichts wissen können!“ Jetzt will ich über die Lehrfähigkeiten eines Herrn Fausts genauso wie über die heutiger Dozenten gar nicht urteilen, das steht mir nicht zu – viel wichtiger ist das Grundproblem: Der Mensch lernt und lernt und lernt – und weiß doch nichts.

Wenn das mal nicht topaktueller Stoff ist. Ja, liebe Schüler, die ihr noch heute jedes Mal eure Lehrerin verflucht, wenn es im Unterricht an den Faust geht, so ist auch das echte Leben. So ist der Bachelor. Denn all die Buchgelehrtheit bringt nichts, wenn das Leben daneben zu kurz kommt, wenn keine Zeit bleibt, um in Auerbachs Keller oder auch ganz einfach nur in der Kneipe um die Ecke einen drauf zu machen und danach vom Gretchen im nächstbesten Garten aber mal sowas von…gefragt zu werden, wie man‘s denn mit der Religion hält.

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Hätte der olle Faust seine Nase mal nicht nur in Bücher gesteckt, dann hätte er sich auch nicht der dunklen Chemie zuwenden müssen. Auch das – ich bin ja sowieso ein Fan der freien Interpretation – auch das kann man 1:1 auf den Bachelor übertragen: Auch der Student, der über seiner Buchgelehrtheit und dem fehlenden sozialen Leben verzweifelt, greift dann gerne mal zur Chemie. Heute sind das dann nicht mehr irgendwelche Ampullen und Zauberbücher, sondern sauberes Pulver oder lustige bunte Pillen. Und auch dem Studenten erscheint dann irgendwann der Teufel…oder Elvis…oder auch nur ein rosa Kaninchen. Und dann geht’s raus auf die Wiese, splitternackt obwohl’s, ja grad erst Frühling geworden ist – „Hier bin ich Mensch, hier darf ich‘s sein!“

Das pure Leben? Hätte man auch einfacher bekommen können. Einfach mal früher die Nase aus den Büchern nehmen. Goethe hat das schon vor über 200 Jahren gewusst.

Denn Goethe war gut.

Mittwoch, 8. Juni 2011

Öffnungszeiten

Öffnungszeiten an deutschen Universitäten sind eine Sache für sich. Zunächst einmal haben viele Büros nur am Morgen auf – was auf doppelte Weise ungünstig ist. Die paar übrig gebliebenen Magister oder Diplomer liegen zu der Zeit nämlich noch im Bett und schlafen ihren Rausch vom Vorabend aus – die Bachelor und Masterstudenten hingegen sitzen da ja schon wieder an der Uni – die erste von fünf Veranstaltungen an diesem Tag steht ja an.

Foto: pizzodisevo (CC-by-sa-2.0)
Klar, bei vier oder fünf Tagem die Woche, welche die meisten Büros ja immer noch aufhaben, wird sich mal eine freie Stunde finden, die in die Öffnungszeiten fällt – gäbe es da ja nicht auch noch den Urlaub. Das ist dann noch mal ein ganz besonderes Phänomen. Nicht nur, dass man sich als Normalsterblicher ständig fragt, wie man als Halbtagskraft auf gefühlte 80 Arbeitstage Urlaub im Jahr kommen kann – nein, diese gefühlten 80 Tage werden von vielen Mitarbeitern auch noch genau in die End- und Klausurenphase der Vorlesungszeit gelegt. Es ist ja schließlich nicht so, dass es viereinhalb Monate vorlesungsfreie Zeit im Jahr gäbe, wo der Andrang seitens Studenten und anderer Leute, die auf Sekretariate und sonstige offizielle Stellen angewiesen ist, nur halb so groß ist. Wo bliebe denn da der Nervenkitzel?

So auch bei mir, als ich vor kurzem für ein Formular leider Gottes drei Unterschriften beziehungsweise Stempel von drei verschiedenen Stellen brauchte – und die Odysee begann. An der ersten Bürotür begrüßte mich ein freundlicher Zettel, die Fachkraft sei für die nächsten sieben Tage im Urlaub, aber ja schon bald wieder da. Das hat mich nicht allzusehr abgeschreckt, rechnet man doch als erfahrener Student schon mit sowas. Die zweite Bürotür verkündete dann eine krankheitsbedingten Ausfall – zu großer Verzehr von Gurken und Sprossen in den letzten Tagen vermutlich – passiert. Leicht angesäuert machte ich mich auf durch die halbe Stadt zur nächsten Dienstelle und ja – da brannte sogar Licht. Doch in dem Moment, als ich freundlich anklopfen wollte, öffnete sich die Tür bereits, eine uuuunglaublich beschäftigt aussehende Mitvierzigerin verließ das Büro – und mich verließen die Nerven. Nicht, als diese nette Dame mir erklärte, ich müsse leider warten, sie hätte jetzt eine wichtige Besprechung. Auch noch nicht, als sich die nette Dame in Richtung Kaffeemaschine aufmachte. Nein, erst als ich aus der Ferne hörte, wie diese nette Dame mit der noch netteren Dame zwei Türen weiter über die neusten Gerüchte aus Europas Königshäusern diskutierte, platzte mir der Kragen.

Ich will doch nur dieses scheiß Formular unterschrieben haben“, rutschte mir heraus. Worauf ich mir einen Vortrag darüber anhören dürfte, dass ich keine Sonderbehandlung zu erwarten hätte, schließlich sei man, wie ich sehen könnte, dieser Tage nun mal sehr beschäftigt.

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Wahrscheinlich hat sich der nette Kollege aus Zimmer 1 wegen genau dieser Beschäftigung in den Urlaub verzogen und Kollege aus Anlaufstelle 2 freiwillig tonnenweise Gurken gefressen.

Warum verbeamten wir nicht einfach alle Hochschul-Sekretärinnen? Warum? Na, dann hätte man wenigstens eine ganze Palette von Witzen, die man in einer solchen Situation zum Besten geben könnte.

Mittwoch, 1. Juni 2011

Dozenten

Dozenten haben viele Aufgaben. Von denen sie die einen eher lieber, die anderen eher nicht so gerne erledigen. Die Lehre gehört bei vielen leider zu letzterem. Kein Wunder. Haben doch die meisten Dozenten ursprünglich kein Lehramt studiert und da gelernt, wie man lehrt, sondern viel eher VWL oder Politikwissenschaft, weil ihnen einfach nichts Besseres eingefallen ist. Und dann sind sie irgendwann später auf diese schiefe Bahn mit der Lehre gekommen. Gott sei Dank, nimmt die ja seit Bologna an der Uni immer mehr ab. Denn kompaktere, oberflächlichere und vor allem weniger Kurse aufgrund der Studienzeit auf sechs Semester = weniger Lehraufwand. 

Aber diese Art von Dozenten macht natürlich auch wieder nur einen Teil des akademischen Personals aus. Denn auch hier gilt: Evolution ist überall. Und Evolution führt auch im Gattungsgebiet des Dozenten zu den unterschiedlichsten Arten. Die gängigsten möchte ich hier vorstellen.

       1. Der auf die schiefe Bahn Geratene
Der auf die schiefe Bahn Geratene hat sich, wie oben beschrieben, nie vorgenommen, in der Lehre zu enden und ist doch genau dort gelandet. Denn der Weg zur Besoldungsklasse W3 ist steinig – und gepflastert mit Studenten, die alle die Unverfrorenheit besitzen, etwas beigebracht bekommen zu wollen. Für den Studenten bedeuten Seminare mit dem auf die schiefe Bahn Geratenen: Null Input, langweilige Sitzungen nach Schema F und viel Eigenregie.

2. Das Alphatierchen
Das Alphatierchen tut alles, um nach vorne zu kommen – und gibt sich deshalb auch in der Lehre ordentlich Mühe. Das Ergebnis sind dann oftmals Sitzungen, die an eine Lehrprobe für Schulreferendare oder aber den Ausflug zur Erlebnispädagogik erinnern. Für den Studenten ist das Alphatierchen aber an sich gutartig.

3. Der Kumpeltyp
Der Kumpeltyp ist der perfekte Dozent: Noch halbwegs in der Altersklasse der Studenten, angemessener Unterricht und das wohlige Gefühl vermittelnd, mit dem würde ich auch einen Trinken gehen – was der Kumpeltyp auch gerne macht. Vorausgesetzt, er bekommt einen ausgegeben.

4. Der Pedant
Unter allen Dozentengattungen ist der Pedant mit Abstand die heimtückischste. Der Pedant hat jede Folie perfekt geprobt, lässt sich nicht durch störende Zwischenfragen aus dem Konzept bringen und ist zu allem Übel nicht ganz so schlecht in Mathe. Obwohl er das ja eigentlich auch nicht studiert hat. Auffälligstes Merkmal: Der Pedant rechnet gerne ECTS-Punkte in Arbeitsstunden um. „Lassen Sie mich überlegen, sie bekommen für diesen Kurs 6 ECTS Punkte, das bedeutet 180 Stunden Arbeitsaufwand. Bei 14 Semesterwochen sind das also genau 12,857 Stunden, die sie wöchentlich für diesen Kurs aufbringen können. Sie haben zwei Texte gelesen und hier eineinhalb Stunden gesessen…es ist also noch Platz für diese drei Aufgaben und ein kleines Essay.“

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Durch dieses Verhalten gehört der Pedant zum bevorzugten Fotoabdruck auf den heimischen Darttafeln der Studenten. Vorausgesetzt diese haben Zeit, überhaupt Dart zu spielen. Haben sie das Pech, in einem Semester ausschließlich an Pedanten geraten zu sein, sind nämlich die 30 ECTS-Punkte, die es durchschnittlich in einem Semester gibt, auch wirklich 900 Arbeitsstunden.

Was einer schlanken 64-Stunden-Woche entspricht.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Schlüsselqualifikationen

Das Zentrum für Schlüsselqualifikationen, kurz ZfS, bietet jedes Semester eine Menge Kurse an. Nein, nicht etwa, wie der Name vermuten ließe, Kurse zum Kopieren von Haustürschlüsseln oder dem Öffnen der selbigen ohne einen solchen. Wobei dies in Anbetracht der Zukunftsaussichten eines Bachelorabsolventen sicherlich sehr hilfreiche Qualifikationen wären.

Vielmehr geht es in den ZfS –Kursen darum, neben fachlichem Wissen abseits des Studiums auch die Soft Skills der Studenten zu fördern. Und das hat jetzt wiederum nichts mit Soft-Eis oder Soft-Pornos zu tun – wobei das Drehen von solchen jeder Bachelor auch auf die Liste möglicher späterer Geldquellen setzen sollte – nein, bei den Soft-Skills geht es um soziale Fähigkeiten, die man ja auch später im Berufsleben braucht.

Das sind dann so Dinge wie Teamgeist, Mobilität oder Flexibilität. Klingt gut. Das ZfS bietet dafür dann Kurse an wie, Achtung, Small Talk. Das braucht bekanntlich jeder spätere Arbeitnehmer. Hauptsächlich für die Kaffeepausen vermutlich. Ja, damit retten wir die Zukunft Deutschlands. Das da vor 30 Jahren noch keiner drauf kam. Ach ja, vor dreißig Jahren gab’s ja auch noch Diplom- und Magisterstudiengänge. Und die Studenten hatten genügend Zeit, sich ihre sozialen Fähigkeiten neben dem Studium anzueignen. Mein Fehler.

Erfreulicherweise gibt es aber nach wie vor Bachelorstudenten, die sich die Zeit für das Erlernen wirklich wichtiger Fähigkeiten einfach noch nehmen. Auch wenn schon wieder die Klausurenphase bedrohlich am Horizont auf einen siebenköpfigen Drachen daher reitet. Und trotzdem treten die Studenten in Scharen furchtlos an. Zum Marathon nämlich.
Denn der fand bekanntlich am Wochenende in Mannheim und Ludwigshafen statt. Inklusive jeder Menge Studenten, denen man eigentlich eingetrichtert hatte, sie müssten zu dieser Zeit in der Bib sitzen, ein Referat vorbereiten – oder einen ZfS-Kurs besuchen. Irgendwas ist da in der Erziehung schief gelaufen.

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Oder etwa doch nicht? Ein Großteil der Studenten ist nämlich im Teammarathon angetreten und die Strecke gemeinsam gelaufen. So eine  Staffelübergabe stärkt den Teamgeist, Laufen ist der Inbegriff von Mobilität, ganz zu schweigen von den Odysseen zu den Wechselpunkten – die gleichzeitig ein hohes Maß an Flexibilität abverlangen. Drei entscheidende Schlüsselkompetenzen – und das alles an nur einem Abend.

Ich frage mich, welcher ZfS-Kurs das könnte.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Haute Cuisine

In der Mannheimer Mensa am Schloss kocht in dieser Woche ein Sternekoch. Auf dem Programm stehen so verlockende Gerichte wie „Schweinerücken-Steak mit Rosmarin, Kartoffel-Knoblauchpüree & Rucola-Orangenpesto“ oder „Entenbrust-Tranchen in Johannisbeer-Birnen-Sauce“. Das hat dann selbst mich als Mensa-Muffel einmal dazu gebracht, in die Mensa speisen zu gehen und siehe da: Man wird an dieser Uni, in dieser Stadt, ja in diesem Leben auch mal noch positiv überrascht.

Foto: Mario Spann (CC-by-sa-2.0)
Zugegeben, man sollte vielleicht nicht gerade ein Fan des Sprichworts „Das Auge isst mit“ sein. Denn diese undefinierbare Konsistenz, die mir da als „Putengeschnetzeltes in Bananen-Ingwer-Milch auf Minz-Couscous“ von der netten Mensa-Essensausgabens-Fachverkäuferin hinter der Theke auf den Teller – nein, nicht garniert – geklatscht wurde, war durchaus gewöhnungsbedürftig. Also nicht für die Diplomer, die noch jeden zweiten Tag Zeit haben, um anständig feiern zu gehen und dabei mal gerne übertreiben. Die kennen solche Arten Konsistenz dann doch ganz gut.

Aber nein, ich als Bachelor war wirklich positiv überrascht. Nachdem ich mich durch die Horden von Hilfskräften eines großen deutschen Mobilfunkunternehmens gekämpft hatte, die mir allesamt ein Gewinnspiel nach dem nächsten andrehen wollten, hatte ich dann auch endlich mein eigenes Häufchen Elend auf dem Teller. Und siehe da: Man konnte es essen. Eher zumindest als das normale Mensa-Menü.

Und das macht mir als Bachelorstudent dann doch wieder Hoffnung: Nicht alles, was vielleicht auf den ersten Blick aussieht wie hingekotzt, muss auch wirklich schlecht sein. Und schon sind wir beim Bachelor. Vielleicht merken wir ja alle erst viel später, was wir an unserm Studiensystem haben. Nämlich genau dann, wenn wir in der Chefetage das piekfeine Essen unseres privaten Cateringservices dinieren und uns eben genau nicht mehr an der Mensatheken herumschlagen und uns Gedanken über Optik und Geschmack irgendwelcher Konsistenzen machen müssen.

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Vielleicht waren aber auch gerade deswegen alle so voll des Lobes, weil das Sternekoch-Essen trotz nahezu gleicher optischer Erscheinungsform gegenüber Standardmensafra...essen geschmacklich einfach mal was anderes war. Aber selbst das wäre ja im immer gleichen Bachelorbrei mit festen Modulen, Seminarabläufen und Multiple-Choice-Klausuren schon eine echte Verbesserung. Einfach mal was anderes.

Mittwoch, 11. Mai 2011

Schwerwiegende Argumente

Es wird Sommer. Zeit für ein kühles Eis, Schwimmbad, Badespaß, nervig schreiende Kinder - und Fußpilz. Da das verlockend klingt, mache ich mich auf zum nächsten Schwimmbad, mache mich auf der Liegewiese breit und schlage erst mal was zu lesen auf. Denn Schwimmen ist nass und kalt und so.

Foto: hailippe (CC-by-2.0)
Ich blättere also so durch die Seiten eines Nachrichtenmagazins, weiche dabei geschickt einigen auf mich zu fliegenden Volleybällen aus und ignoriere dabei auch noch gekonnt das Geplärre des dreijährigen Jungens drei Badehandtücher weiter, der von seiner Mami nicht auch noch ein drittes Eis geholt bekommt, weil sie sich grade die zehnte Zigarette anzündet und dabei noch die Jüngste stillt – ein ganz normaler Nachmittag im Freibad also.

Dann stolpere ich in meinem Magazin jedoch über einen kleinen Artikel, der verkündet, dass jeder zweite Deutsche Übergewicht hat. Jetzt muss ich doch mal hinter der Zeitung hervorschauen. Mein Glück, kann ich doch deswegen gerade noch so dem Eis des Dreijährigen nebenan ausweichen, dass er zwar jetzt endlich bekommen hat, aber nun nicht mehr will, weil er von Mama keine Kippe bekommt.

Ich schaue mich also um und wie erwartet: nicht mal jeder fünfte hier hat Übergewicht. „Pff...was schreiben die da für einen Blödsinn?“, denke ich, fange aber noch im gleichen Moment innerlich genauso an zu heulen, wie der kleine Junge, der aus Protest inzwischen die Wiese aufisst.

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Gerade habe ich mich nämlich auf das gleiche Niveau begeben, wie die Leute, die mit aller Gewalt alles am Bachelor verteidigen wollen. Die fragen schließlich auch mal gerne Studenten in Kneipen, ob sie überlastet sind. Ohne irgendwie auch nur in Betracht zu ziehen, dass die wirklich überlasteten Studenten da wahrscheinlich gar nicht aufzufinden sind. Den Vergleich, dass das mit Dicken und Schwimmbädern wohl so ähnlich ist, kann ich allerdings nicht mehr ganz zu Ende führen, da ich für einen Moment die Deckung aufgegeben habe und mich etwas hartes am Hinterkopf trifft.

Ich habe keine Zeit mehr, darüber nachzudenken, warum in aller Welt jemand nun offensichtlich von Volleybällen auf Golfbälle umgestiegen ist, sondern falle in Ohnmacht.

Mittwoch, 4. Mai 2011

Hitparade

Hach, die gute alte Zeit. Vor allem die gute alte Fernsehzeit. So viel hübsche Formate, die viel zu selten wiederholt werden. Oder warum nicht besser noch: gleich wiederbelebt. Einige könnte man sogar nahezu perfekt dem Zeitgeist anpassen und bachelortauglich machen. Zum Beispiel die gute, alte Hitparade. Das Ergebnis würde dann wohl ungefähr so aussehen:

Samstagabend. 19 Uhr 30 Minuten und 46 Sekunden. Guten Abend meine Damen und Herren aus dem Studio 3 des Mannheimer radioaktiv-Rundfunks. Hier ist dieeee
BACHELOR-HITPARADE!

Und hier sind im Schnelldurchlauf die Titel unseres heutigen Abends:
Unsere Startnummer 1: The Rolling Heads after you’ve forgotten the deadline for your seminar paper for the second time mit ihrer Ode an die Bachelorarbeit: „Let’s spend the night together“.

Zum dritten Mal dabei, bitte nicht mehr wählen: Die „Suicidal Bachelors“ mit ihrem Van-Halen Cover Hit „Jump“ im „Out of the window“-Remix.

Unser deutscher Starter auf der Nummer 3: Die „Singenden Hochschulabsolventen“ mit „Am Tag, als unsre Hoffnung starb.“

Auf Platz 4 die „Freizeitfanatiker“ mit „Verdammt lang her“.

Und ganz frisch unsere Neuvorstellung, die Lokalmatadoren der Mannheimer BWL-Fakultät mit „Money for Nothing“

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So meine Damen und Herren das war‘s auch schon wieder. Zum 375. Mal in nur drei Jahren sahen sie die Bachelor-Hitparade. Wir wünschen Ihnen noch weiterhin viel Spaß an diesem Abend, ob beim Hausarbeit schreiben, Referat vorbereiten, Nervenzusammenbruch bekommen und vielem mehr. Und auch zum 375. Mal in nur drei Jahren hörten Sie eine Sendung ihres

Rundfunks radioaktiv.

Donnerstag, 21. April 2011

Todsterbenskrank

Vergessen sie mein ständiges Gejammere über Bachelor und Bologna. Ob man es glaubt oder nicht: Es gibt Schlimmeres. Schnupfen zum Beispiel. Warum also aufregen über nörgelnde Bachelorstudenten, die aus ihrem Genörgel auch noch eine eigene Serie machen, über Daniela Katzenberger, DSDS oder Osama Bin Laden? Es gibt deutlich nervigere Dinge. Sie können sich’s denken?
Genau: Schnupfen.

Da mir durchaus bewusst ist, dass ein Großteil der Leser wohl Studenten sind – und sogar immer mehr Bachelorstudenten (Ja, liebe Wirtschaft, selbst mit diesem Abschluss kann man inzwischen sogar einen Computer oder ein Radio bedienen!), muss ich das vielleicht genauer erklären. Denn durch den ganzen Leistungsdruck dürfte der studentische Körper inzwischen so funktionieren, dass er Schnupfen ganz einfach gekonnt ignoriert. Nur anscheinend meiner nicht.

Also Schnupfen…das ist ungefähr so…wie, wenn man plötzlich ein Discussion Paper in einem Seminar schreiben muss, obwohl im Seminarplan davon nie auch nur beiläufig die Rede war. Total unnötig und nervig.

Und bevor ich mir wieder die Seele aus dem Leib huste und nicht weiterschreiben kann: Husten gibt es auch noch. Aber Husten, das ist nicht weiter schlimm. Husten, das ist im Prinzip so wie diese latente Arbeitsbelastung, die jeder Student hat. Texte lesen, Sitzungen vorbereiten, Vorlesungsfolien ausdrucken. Es ist zwar da und man kann sich besseres vorstellen, aber irgendwie gefährlich wird es erst, wenn es chronisch wird.

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Jaja, diese jammernden Studenten. Genau! Ich bin Student. Und außerdem ein Mann. Dann werde ich ja bei einer Grippe noch anständig jammern dürfen! Oder etwa nicht? Denn man muss das mal so sehen: Klar, an einem Schnupfen stirbt man nicht. Aber in Zeiten, wo man teilweise selbst mit Attest nur noch einmal pro Semester in einer Veranstaltung fehlen darf und ganz obendrein vielleicht besseres zu tun hat, als eine Woche lang im Bett zu liegen – eine Bachelorarbeit fertig schreiben zum Beispiel – kann auch ein Schnupfen mal ganz schnell todernst werden.

Mittwoch, 13. April 2011

Zufallsprinzip

Aufnahmekriterien für Studienbewerber sind undurchsichtig. Hat sich auch die Heidelberg International Business Academy gedacht – und verlost kurzerhand Studienplätze. Ok, genau genommen nur einen. Als Preis beim Informationstag.

Böse Zungen werden jetzt sagen: Wo sind wir denn? Die Wirtschaft fordert topqualifizierte Leute und die verlosen Studienplätze?! Da kann ja jeder x-beliebige Hansel kommen und den wirklich qualifizierten Menschen den tollen Schicki-Micki-Studienplatz wergnehmen! Naja, Abitur wird schon eine Voraussetzung für die Gewinnspielteilnahme gewesen sein. Und außerdem: Wir reden hier von einer privaten Hochschule. Seit wann zählen da Noten?

Und außerdem II: Selbst wenn es sich nicht um eine private Hochschule handeln würde: Bei einem Gewinnspiel gewinnt der, der Glück hat – die Chancen sind also für alle gleich. Bei der regulären Bewerbung gewinnt dann auch schon mal derjenige mit den schlechteren Noten, aber den besseren Photoshop-Kenntnissen. Oder der mit den besten Beziehungen, weil er jemanden kennt, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der lustige Ehrenamtsbescheinigungen und solches Zeugs unterschreiben kann. Ist das etwa fairer?

Es wird sowieso viel zu wenig wahllos gelost in Deutschland. Nicht mal die Schulnoten. Die werden meistens gewürfelt. Aber mal im Ernst: In den griechischen Stadtstaaten der Antike wurden sogar zeitweise die Inhaber der wichtigsten Ämter ausgelost. Und? Auch wenn die Gefahr bestand, dass der größte Vollpfosten für ein paar Jährchen an der Macht war – die Akropolis steht immer noch, oder?

Diese Folge zum Nachhören 
gibt es auf www.radioaktiv.org
Losen wir doch auch einfach wieder. Nicht nur bei der Studienplatzvergabe. Am besten gleich bei allem. Es ist doch letztlich wie in jedem Dorfgesangsverein: Die wirklich Intelligenten sind nicht so blöd, sich den Job als Vorsitzenden anzutun – also wird einfach der Erstbeste gewählt, der nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Losen wir! Keiner drückt sich, keine Bescheißereien, kein Lobbyismus. Die Chancen auf Kompetenz würden schlagartig steigen. Bundeskanzler, Aufsichtsräte, Hochschulrektoren, Studenten, ja sogar Spieler von Fußballvereinen (denn: die Chance auf einen guten Transfer ist beim Losen sicherlich höher, als wenn irgendwelche „Fachmänner“ die Ailtons, Metzelders oder Gomez' dieser Welt kaufen).

Zu riskant? Fangen wir mit dem Losen doch einfach da an, wo man eh nicht mehr viel kaputt machen kann. Zum Beispiel bei den Verantwortlichen des Bologna-Prozesses.

Mittwoch, 6. April 2011

Wahltag

…und die Deutschen sind doch gute Demokraten. Denn mal ehrlich: Ganz unabhängig vom letztlichen Wahlausgang – das wirklich Erfreuliche an den  vergangenen Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg ist doch die Wahlbeteiligung. Denn die ist zum ersten Mal seit Jahren wieder angestiegen.
Politikverdrossenheit war gestern.
Ok, die Quote derer, die zur Wahl gehen, liegt auch jetzt nur bei rund zwei Dritteln und wie immer bedurfte es dafür mal wieder ein Hochwasser oder die ein oder andere kleine Havarie – aber immerhin. Die Menschen haben endlich mal wieder das Bedürfnis, wählen zu gehen.

Foto: Rama (CC-by-sa-2.0)
An der Universität kann man davon allerdings nur träumen. In gut einer Woche stehen in Mannheim die Uniwahlen an. Wasndas? Naja, da werden so „unbedeutende“ Dinge wie Senat, Fakultätsrat oder AStA gewählt.  Wie dem auch sei – zufrieden wäre man hier wohl schon, wenn in Sachen Wahlbeteiligung an der 15-Prozent-Marke gekratzt werden könnte. So traurig das auch ist. Dabei ist die Stimmung was Wahlen betrifft doch so gut wie selten in unserm Land. Man muss es nur geschickt anstellen.

Freibier und Live-Musik sollen ja angeblich immer ziehen, um Leute zu locken, aber warum so kompliziert? Die Landtagswahlen haben doch gezeigt, dass man mit ganz einfachen Schlagworten die Massen mobilisieren kann – wie wär’s mit ein paar knackigen Slogans?

„Bei der Uniwahl Stuttgart 21 den Rest geben.“
Ist zwar absolut sinnfrei, aber „Stuttgart 21“ und „Rest geben“ klingt immer gut – und bringt die Leute an die Urne wie Angehörige ganz bestimmter Gesellschaftsschichten zum nächsten DSDS-Casting im Mannheimer Schloss.

„Uniwahl: Atomausstieg jetzt!“
Ja! Das ist prägnant, das rüttelt die Massen wach! Auch sinnfrei? Naja…also der Strom, den die Uni bezieht, kommt ja bestimmt zu ´nem gewissen Anteil aus AKWs und wenn man dann den AStA wählt und der da dagegen ist…und so.

Diese Folge zum Nachhören 
gibt es auf www.radioaktiv.org
Nächster Versuch: Da vor allem die CDU-Anhänger in Baden-Württemberg ja nun der festen Überzeugung sind, dass das Land aufgrund zukünftiger grüner Misswirtschaft bald Geld aus dem Soli herausholen statt hineinzahlen muss – wie wär‘s mit
„Bananen für Baden-Württemberg!“?

Das muss die Massen doch locken. Die grundlegendste Form studentisch-demokratischer Partizipation hätte es zumindest verdient.