Mittwoch, 23. November 2011

Konstanz

Joa, zugegeben: Die Mensen an deutschen Universitäten sind weder für ihre kulinarischen Genüsse, noch für ihr kreatives oder gar abwechslungsreiches Angebot bekannt. Besonders, wenn man, aus welchen Gründen auch immer, immer nur an einem bestimmten Wochentag in die Mensa geht, wundert man sich doch, wie klein die Speisenpalette wirklich ist. Gut, manchmal wird es ganz gut getarnt, dann steht da zwar „Putenschnitzel mit Rahmsoße“, aber weder vom Anblick, von der Konsistenz und ich wette auch von den Inhaltsstoffen her unterscheidet sich dieses Menü nicht großartig vom „Hüftsteak in dunkler Soße“ aus der Vorwoche.

Halb so wild, man muss die Sache nur anders angehen und – wie so oft im Studium – aus der Not ganz einfach eine Tugend machen. So ein immer gleiches Mensaessen kann nämlich sehr schnell zum Ritual und damit zu einem großartigen Rückhalt im unsteten und schnelllebigen Studentenwahnsinn werden. Quasi eine Oase des geordneten Rückzugs.

In Mannheim funktioniert das mit Pfannkuchen ganz gut.
Freitags.

Normalerweise. Hat es doch tatsächlich am Freitag keine Pfannkuchen am Grill gegeben! Sondern nur gähnende Leere! Nichts. Nothing. Rien. Das kann man doch uns Einmal-die-Woche-und-das-auch-noch-an-einem-bestimmten-Tag-in-die-Mensa-Gehern nicht antun! Das ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit! Alles läuft durcheinander und total willkürlich ab, seitdem irgendwann mal jemand ein Blitzstudium eingeführt hat, ohne wirklich klare und allgemeinverbindliche Regeln dafür miteinzuführen.

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Wo bitte sonst soll man da noch ein kleines bisschen Konstanz als Ort der Ausgeglichenheit und kurzzeitigen Ruhe finden? Mensa-Pfannkuchen am Freitagmittag, das ist wie der seit Jahrzehnten immer gleiche Tatort-Vorspann, Angela Merkels gleichbleibend scheußliche Frisur nebst passendem Gesichtsausdruck oder die konstante „Stärke“ von englischen Mannschaften am Elfmeterpunkt. Wo soll der verzweifelte Student sonst noch Halt finden in seinem Leben, wenn nicht am Pfannkuchen?
Und der wird ihm einfach so brutalst genommen. Als hätte man Frau Merkel zum Frisör geschickt. Einfach so! Kein Pfannkuchen am Grill!

Nicht, dass ich Pfannkuchen mögen oder gar essen würde.

Aber ich hätte ihn prinzipiell auch an diesem Freitag mal wieder nehmen können und mich mal wieder dann gegen ihn entscheiden. So ein bisschen Konstanz ist in diesen schweren Zeiten nun doch wirklich nicht zu viel verlangt.

Mittwoch, 16. November 2011

Zwei Wochen

Ja, ich bin wieder da. Ich muss mich auch noch mal in aller Form entschuldigen, aber die letzten zwei Wochen war ich ganz einfach krank. Und damit meine ich jetzt nicht „krank“ im Sinne von „Ich hatte keinen Bock, mir irgendeinen neuen Blödsinn auszudenken“, sondern richtig krank. Flach gelegen im Bett. Rien ne vas plus. Ok, Ideen, um mich aufzurappeln und schon wieder eine Schnupfenfolge zu schreiben, hatte ich genau genommen auch nicht.
 
Foto: Fluff (CC-by-sa-3.0)
Jetzt werden Sie sicher sagen: „Zwei Wochen krank? Kann man sich das heutzutage überhaupt noch erlauben, wo doch alles so schnelllebig ist, vor allem im Studium?“ Sollte man ja meinen. Zumindest wird einem das doch immer wieder eingeredet. Und jaja – „Zwei Mal fehlen ist ja noch ok, aber wenn Sie dann die dritte Sitzung nicht besuchen – mhhh, also dann können Sie leider nicht mehr bestehen. Da haben Sie ja schon ein Vier-Komma-Periode-Sechstel des Semesters verpasst!“ Zwei Wochen! Was sind zwei Wochen gemessen am deutschen Durchschnittsleben von 79,8 Jahren? Oder anders ausgedrückt: 4149 Wochen und vier Tage, vier Stunden und 48 Minuten?
Zwei lächerliche Wochen sind da nichts!
Und selbst ein Bachelorstudium dauert ja immer noch drei Jahre. Mal ganz davon abgesehen, dass es ja tatsächlich auch in diesen besagten zwei Wochen Stoff geben könnte, den man gar nicht braucht. Oder den man nicht nicht nachholen könnte.
Zwei Wochen!
Das ist wahrscheinlich deutschlandweit gesehen gerade mal die durchschnittliche Bearbeitungsdauer für einen Antrag auf einen Bibliotheksausweis. Also wenn Sie die UB fragen: nichts!
Das längste Konklave, also die Versammlung von Bischöfen die sich in der Sixtinischen Kapelle einschließt, um den Papst zu wählen, hat sogar zwei Jahre, neun Monate und zwei Tage gedauert. 122 Wochen und ein paar zerquetschte! Wer also als gläubiger Katholik am ersten Tag schwer krank geworden ist und erst nach zwei Jahren, neun Monaten und einem Tag wieder etwas mitbekommen hätte, hätte er nichts verpasst.
 
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Pff. Zwei Wochen. Grade mal eine halbe Fußballweltmeisterschaft (wer braucht heutzutage noch die langweiligen Vorrundenspiele?). Zwei Wochen, das sind…das sind…
Um es kurz zu machen: Ich lebe noch. Und mein akademischer Abschluss ist nach zwei Wochen mit Grippe auch nicht in Gefahr.
Wäre doch auch schade.
Jetzt, wo ich zurückkomme und mein UB-Ausweis ist fertig.

Mittwoch, 26. Oktober 2011

Sicherheit

Sicherheit ist eine tolle Sache. Am Flughafen, im Internet – und auch an der Uni. Nur, wenn man es mit der Sicherheit übertreibt, kann's schnell nervig werden. Wie an der Uni Mainz zum Beispiel.

Die hat inzwischen – obwohl in Rheinland-Pfalz gelegen – schon ein eigenes Internetportal, hab ich mir sagen lassen. Und dafür braucht jeder Student natürlich einen Benutzernamen und ein Passwort. Soweit so gut. Nur dann geht’s los: Um seinen Benutzernamen freizuschalten und ein Passwort festzulegen, braucht jeder Student erstmal einen PUK, also einen Zahlen-/Buchstabencode. Den kriegt jeder normal jeder Ersti mit der Post zugeschickt. Aber natürlich nicht mit den Unterlagen, die jeder nach der Einschreibung bekommt. Sicherheit und so. Sondern separat zugeschickt.

Außer den Erstis, die ihn nicht mit der Post zugeschickt bekommen. Weil die Uni es trotz rechtzeitiger Rückmeldung nicht geschafft hat, die Studenten rechtzeitig einzuschreiben. Und die darüber natürlich nicht informiert wurden. Und sich in der Veranstaltungsanmeldungsphase wundern, warum sie eigentlich immer noch keinen Zugang haben. Gut.

Wer von diesen Studenten sich die Mühe macht und sich bei der zuständigen Stelle durch die Telefonschleife kämpft, der darf sich seinen PUK dann irgendwann auf dem Campus abholen. Und dann geht’s endlich los? Ähm, nein. Denn wichtige Sachen, wie Prüfungsanmeldungen, brauchen – genau – Sicherheit. Und die kann man deswegen im Portal nur tätigen, wenn man einen TAN, also wieder einen Sicherheitscode, eingibt. Die TANS gibt’s auch auf dem Campus. Natürlich in einer ganz anderen Ecke, aber hey.

Also es kann ja sein, dass das sicherheitstechnisch grob fahrlässig ist, aber an anderen Unis bekommt jeder seinen Benutzernamen und sein Passwort einfach mit dem Studentenausweis und dem ganzen Kram zugeschickt. In Mannheim zum Beispiel.

Ok, in Mannheim könnte die Erklärung, warum sich keiner um Sicherheit und Datenschutz kümmert, einfach daran liegen, dass in diesem Feld die meisten Absolventen da später mal ihre Kohle machen. Datenschutz und Marketing passen jetzt bekanntlich ja nicht sooo gut zusammen.

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Einen Vorteil hat das hochmoderne Holen-Sie-da-einen-Code-und-da-eine-Liste-machen-Sie-beim-Einloggen-alle-Rolladen-zu-und-durchsuchen-Sie-vorher-ihre-Wohung-auf-Wanzen-System in Mainz ja schon, so zumindest meine Theorie: Ein Ersti hat schon nach der Einführungswoche den ganzen Campus und die halbe Stadt kennen gelernt.

Und sein Account ist auch noch ab-so-lut sicher.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Sitzen

Zu den netten Sachen, die es früher mal an der Uni gegeben hat und die langsam aussterben, gehören auch Sitzscheine.
Foto: mkorsakov (CC-by-nc-sa-2.0)

Sitzscheine.
Man setzt sich irgendwo hin und wird dafür belohnt. Undenkbar in Zeiten, in denen alles an der Uni irgendwie mit irgendwelchen Credits belohnt werden muss und man am besten schon nach der Begrüßungsrede des Rektors die erste Prüfungsleistung abliefert.
Sitzscheine! Ohne Prüfung!

Wie hat es mal ein netter holländischer Professor von mir ausgedrückt: „In Deutschland kann man sogar dafür belohnt werden, dass man irgendwo rumsitzt. Das kennen wir Holländer gar nicht.“
Naja, darüber kann man jetzt streiten. Das wird jeder bestätigen können, der schon mal hinter einem holländischen Wohnwagen hergezuckelt ist. Der Fahrer sitzt im Prinzip auch nur auf der Straße rum, bewegt sich zumindest nicht merklich. Und wird dafür belohnt: Mit einer mautfreien deutschen Autobahn statt in Frankreich gen Süden zu…zuckeln.
Dann aber keine Sitzscheine an der Uni haben.

Aber die Deutschen lieben nun mal das Rumsitzen. Nicht nur an der Uni. Viele meiner ehemaligen Klassenkameraden, die meisten davon werden heute Lehrer – also quasi die Grundpfeiler der deutschen Bildung von morgen – waren schon während ihrer Schulzeit ein wahrer Meister im Sitzen….bleiben.

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Die Deutschen lieben das Rumsitzen.
Außer natürlich beim Fußball. Da ist Sitzen für den Arsch. Und das nicht nur auf den Stehplätzen. Nein, wenn’s mal richtig abgeht im Stadion, sitzt niemand mehr. Egal wie scheißteuer die Plätze sind und obwohl die Eintrittspreise obendrein auch noch immer weiter steigen.

Und genau da haben die Unis sich das Ganze wohl auch abgeguckt: Die haben die Eintrittspreise nämlich vielerorts auch erhöht – gleich mal so um die 500 Euro im Semester – aber dazu auch gleich das Sitzen abgeschafft.
Is‘ ja eh für‘n Arsch.

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Innovationen

Im Hunsrück finden aktuell die „Hochwälder Kartoffeltage“ statt. Das ist nun höchstens für den Auswärtigen etwas Verwunderliches, schließlich würde der Rheinland-Pfälzer für seine geliebten „Grumbiere“ alles tun – wenns sein muss, sogar einen Feiertag einführen.

Foto: Rasbak (CC-by-sa-3.0)
Viel interessanter ist jedoch das Programm dieser Kartoffeltage: „Kinder-Kartoffelernte“ wird da als großes Higlight angekündigt.
Mhjoa. Früher nannte man das glaub ich – ja, Kinderarbeit.
Heute macht man ein Event daraus.
Ist ja eigentlich nur richtig bei den ganzen verwöhnten, fettleibigen Göhren, die den ganzen Tag nur vorm Computer und der Glotze liegen und denken, dass Kühe lila sind und Frühstückseier an Bäumen wachsen. Raus auf den Acker.

Neue Zeiten bringen neue Geschäftsideen. Ist doch auch im Bachelor so. Seit es das schnelle Studium, den unglaublichen Leistungsdruck und Bullämie-Lernen gibt, kriechen die gewitzten Geschäftsmänner nur so aus ihren Löchern. Die sind ja auch nicht blöd. Haben ja schließlich noch auf Diplom oder Magister studiert.

Da gibt es zum Beispiel Plattformen im Internet, auf denen Studenten die Exzerpte, Vorlesungsmitschriften oder Notizen anderer Studenten herunterladen können – natürlich gegen Bares. Oder natürlich der beliebte Singlemarkt für „Akademiker und Leute mit Niveau“. Bachelorstudenten sind einsam.

Dennoch – ganz ausgeschöpft sind die Möglichkeiten, die der neue Bachelor-Markt bietet, noch lange nicht. Ich hätte da noch jede Menge Ideen.
Man sollte doch zum Beispiel mal endlich die Kaffee-Infusion patentieren lassen und großräumig vermarkten. Schon zu Weihnachten könnten die Läden voll sein. Wenn man es nur richtig anpackt.
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Oder wie ist es mit dem praktischen Augenaufhalter? Man müsste nie mehr harmlose Streichhölzer missbrauchen! Der vollautomatische Unterschriftenfälscher für Anwesenheitslisten? Tabletten gegen Magenbeschwerden nach dem Essen in der Mensa? Plüschbesetzte ECTS-Punkte-Sammel-Täschchen?

So schwer kann das doch nicht sein. Wenn selbst die Hunsrücker Kartoffelbauern auf innovative Ideen kommen.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

Erwartungshaltung

Die moderne Popkultur hat einen großen Einfluss auf unser tägliches Leben. Auch auf die Uni.

Foto: Alesa Dam (CC-by-nc-sa-2.0)
Da bekomme ich doch letztens tatsächlich mit, wie sich zwei Studentinnen, augenscheinlich Erstis, miteinander über ihre Professoren unterhalten. Und die Erwartungen, die sie vorher hatten. Die Erwartungen, die sie aus Harry Potter hatten. Mhja.

Ich hab dann leider nur die Augen verdreht und bin weitergegangen – ein Fehler, den ich inzwischen doch sehr bereue. Ich hätte viel lieber fragen sollen: „Wie habt ihr euch denn eure Professoren vorher vorgestellt? Wie der fiese Professor Snape oder wie die gutmütige Professor McGonagall? Oder doch eher wie die total bekloppte Professor Trelawney?“ Also die mit der riesen Brille, dem Struwwelkopf und den Kristallkugeln. Und dem Schuss halt.

Aber keine Sorge: egal, wie sich die beiden Studentinnen ihre Professoren, gründend auf ihren empirischen Beobachtungen aus Harry Potter, auch vorgestellt haben mögen – für alle drei oben genannten fällt mir ohne große Probleme sofort ein Pendant an der Uni im echten Leben ein. Also fies, gutmütig oder total bekloppt. Schön, dass sich Erwartungen im Leben so oft erfüllen.

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Hoffen wir nur, dass die beiden Erstis – müsste das bei der ganzen Political Correctness von „Studierendenwerk“ bis „Bachelorette“ nicht eigentlich „Erstinnen“ oder so heißen? Also, hoffen wir, dass diese beiden Mädels nicht noch mehr Erwartungen aus ihren TV- und Filmerfahrungen an die Uni mitgebracht haben.
Wäre doch traurig, wenn sich der Hausmeister im Wohnheim plötzlich als der Hausmeister aus „Scrubs“ entpuppt.
Oder die Computer im Methodenlabor als „HAL 9000“ aus „Odyssee im Weltraum“.
Oder der nette Onkel Vermieter als „Norman Bates“ aus „Psycho“.
Dann aber gute Nacht beim Duschen.

Muss doch nicht sein.
Professoren mit Kristallkugeln sind doch wohl nun wirklich schon genug.

Mittwoch, 28. September 2011

Misstrauen

Es herrscht einfach so viel Misstrauen in der Welt. Hier, gestern: Ich wollte mir nur ein Nasenspray kaufen. Also gehe ich in die Apotheke und sage: „Ich hätt‘ gern ein Nasenspray.“ Woraufhin die nette Apothekenverkäuferin doch tatsächlich mit prüfendem Blick fragte: „Haben Sie Schnupfen?“

Foto: joho345 (PD)
Ne,  Knieschmerzen. Die sprüh ich dann mit dem Zeug ein. Und gut is‘. Natürlich hab ich Schnupfen. Weswegen sollte ich sonst Nasenspray kaufen?!
Ok, ich war in der Bahnhofsapotheke. Ich hätte auch ein gefährlicher Otriven-Junkie auf der Suche nach dem nächsten Schuss sein können. Klar. Und auch möglich, dass ich, wenn ich Schnupfen habe, ein bisschen wie Christoph Daum aussehe. Aber warum denn immer gleich dieses Misstrauen?

Ist ja fast wie an der Uni.
Da findet sich ja inzwischen fast keine Vorlesung mehr, bei der es nicht irgendwie Anwesenheitslisten geben würde. Ok, als es – damals, zu Großvatters Zeiten oder so – noch Sitzscheine gab, da musste man auch mal die Anwesenheit kontrollieren. Denn wenn man in Deutschland schon nur fürs Rumsitzen belohnt wird, sollte man dafür wenigstens am richtigen Platz nur rumgesessen haben. (Gibt es eigentlich Anwesenheitslisten in öffentlichen Verwaltungen?)

Naja, aber nun gibt es ja eigentlich in keinem vernünftigen Bachelorstudiengang mehr Sitzscheine – dennoch werden fröhlich Unterschriften gesammelt. Wieder dieses Misstrauen. Und selbst wenn mal jemand wirklich nicht anwesend sein sollte: Und? Ich dachte, an der Uni will man Menschen zur Selbstständigkeit erziehen? Muss doch jeder für sich entscheiden, ob er da jetzt rumsitzt oder nicht. Und ob er die Klausur auch ohne das Rumsitzen besteht.

Ok, ich gebe es zu: So ein bisschen Misstrauen gibt es bei diesen Anwesenheitslisten auch bei mir immer. Aber das ist dann auch meistens weg, wenn ich die Liste nach Kleingedrucktem abgesucht und nichts gefunden hab. Ja nicht, dass man da irgendwelche Prospekte und so’n Kram zugeschickt bekommt, weil man irgendwo unbedacht seine Unterschrift hingesetzt hat.

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Apropos Unterschrift setzen: Das wird ja jetzt dank G8 und Aussetzung der Wehrpflicht ganz lustig. Denn nun ist es ja möglich, dass minderjährige Studenten regulär an die Uni kommen. Und die brauchen ja bekanntlich zur Einschreibung usw. die Unterschrift der Eltern. Wie das wohl mit Anwesenheitslisten ist?

„Ja? Mama? Ich bin‘s. Komm schnell her. Ich brauch gaaaanz dringend ‘ne Unterschrift. Nein, ich kann nicht lauter sprechen. Ich sitz in der Vorlesung…“

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Mittwoch, 21. September 2011

Effizienz

Um heutzutage ein Studium erfolgreich abschließen zu können, brauchen Studenten verschiedene Fähigkeiten: Flexibilität, gutes Zeitmanagement und vor allem Effizienz. Männer haben es da einfacher.  

Foto: Bergius (CC-by-nc-sa-2.0)
Warum? Na, man braucht sich doch nur eine Facette des Lebens anzuschauen und versteht alles: Telefongespräche. Wenn Frauen miteinander telefonieren, brechen die Dämme. Und die Männerwelt in Tränen aus. Ehrlich, selbst wenn ich es ernsthaft versuchen würde, zwei Stunden am Stück zu telefonieren – es würde nicht funktionieren. Weil mir irgendwann die Themen ausgingen, mir die Stimme versagen würde. Oder weil mein Gegenüber sich irgendwann wohl an seiner Decke aufgeknöpft hätte. Denn der müsste ja – damit das Experiment auch valide wäre –auch ein Mann sein. Eine Frau würde mich zwar zwei Stunden vollquatschen, damit wäre aber nicht bewiesen, dass Männer zwei Stunden am Telefon reden können.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich bewundere Frauen für ihre Fähigkeit so lange am Stück reden zu können. Würd ich auch gerne. Und was wären wir Männer ohne Frauen? Nur auf lange Telefongespräche können wir verzichten. Was ich nun mal nicht verstehe ist, warum zum Beispiel meine Mutter – ja Mama, du bist gemeint – wenn sie mich nur fragen will, ob ich noch schnell was aus der großen Stadt besorgen kann, erstmal geschlagene 30 Minuten die neusten Geschichten von Gott und der Welt erzählt, ungefähr hundertmal betont, dass ich mich mal wieder daheim blicken lassen könnte und und und…
„Und Oma hat übrigens gefragt…Papa hat gesagt…ach, und weißt du was? blabla…aso, warum ich eigentlich anrufe: …“ – Ineffizient. Denn zu diesem Zeitpunkt ist der männliche Gegenüber entweder eingeschlafen oder beschäftigt sich längst mit anderen Dingen. Die Schlinge zu knoten oder so. Der männliche Gegenüber wohlgemerkt – für Frauen sind solche Anrufe kein Problem. Im Gegenteil: Sie können dem Gespräch noch locker ihre eigene Note schenken. Wenn Mama nicht grade bei Grey’s Anatomy anruft. Bewundernswert.

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Nur nicht so ganz effizient. Männer sind da – wie so oft im Leben – einfacher gestrickt. Ruft mein Vater an, läuft das Gespräch ungefähr so ab (aus Gründen der Verdeutlichung beschränke ich mich auf meine Seite des Gesprächs): „Hallo?...Joa, gut…Ja?...Ah…Mh…Ja...Joa…Mh…Ja…Ok. Tschö.“

Und trotzdem alles ist gesagt.

Mittwoch, 14. September 2011

Schuhwerk

Ich brauche neue Schuhe.
Nein, das ist kein Satz von meiner Freundin. Der ist von mir.
Jaja, ich weiß, ich bin a) ein Mann und b) Student. Also eher pragmatisch angelegt. Bin ich doch! Ich habe für den Alltag ein schwarzes Paar Schuhe und ein braunes Paar Schuhe. Und genau letzteres ist jetzt kaputt. Loch in der Sohle. Ungut, wenn irgendwo Scherben rumliegen.

Also hab ich mich auf den Weg gemacht in die einschlägigen Schuhläden um neue braune Schuhe zu kaufen. Eigentlich eine Sache von fünf Minuten. Nur nicht in diesem Jahr. „Ja, braun ist diesen Sommer einfach nicht so in“, meint die Verkäuferin. Ja toll. Ich hab aber schon ein Paar schwarze Schuhe. Und es kann doch nicht sein, dass alle braunen Sneakers, die hier im Geschäft rumstehen, aussehen, als wären sie direkt auf der Müllhalde zusammengeschustert worden. Mal im Ernst: sowas würd ich nicht mal meinem Hund anziehen – wenn ich einen hätte – geschweige denn meinen Füßen. Am Ende kriegen meine Hühneraugen noch Augenkrebs oder so. Ne.

Ich mein, hallo? Wer verbricht solche „Designs“? Anderswo ist es ja nicht anders, hier, Autos: Fiat Multipla, Chrysler PT Cruiser, Porsche Panamera. Wer in aller Welt will sowas fahren?
Anscheinend viele. Sonst würde ich die Dinger ja nicht im Verkehr sehen. Und mich darüber ärgern bis ich so schwarz werde, wie das paar Schuhe, das mir noch geblieben ist,  Hühneraugen bekomme oder mit Löcher in die Sohlen stampfe.

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Aber genau das ist der Punkt: Geschmäcker sind verschieden, hab ich mir sagen lassen. Das könnte tatsächlich die Erklärung für viele Dinge sein. Warum Leute Modern Talking gut finden. Oder Sushi. Oder morgens früh aufstehen. Bayern München. Den Papst. Diese kleinen Abreißlaschen an Reispackungen. Oder bis ins letzte Detail vorgegebene, unvariable Stundenpläne und ein durchmoduliertes Durchschleppstudium.

Geschmäcker sind verschieden.  

Und deswegen trag ich jetzt weiter Loch in der Sohle. Oder einfach meine schwarzen Schuhe.

Mittwoch, 7. September 2011

Studentenleben

Zwischen dem Bild, das die Menschen anscheinend immer noch von Studenten haben und dem tatsächlichen Leben von Studenten gibt es wohl eine ziemlich große Diskrepanz.

„Diskrepanz“ ist übrigens auch so'n super Wort fürs Radio. „Hö, wassen das?“, denkt sich der Hörer, während der auf der anderen Seite schon längst weiter im Text ist. Während der Hörer erst mal nachschlägt. Aber diese Serie hier ist ja für Studenten gedacht. Da wird man doch erwarten können, dass die Hörer oder Leser was mit dem Wort „Diskrepanz“ anfangen können. Na, nachgeschlagen? Gut.

Also diese Diskrepanz ist ziemlich groß. Die Studenten jammern, dass sie unter dem enormen Druck zerbrechen würden, der Rest spricht immer noch vom netten „Studentenleben“, in dem man morgens bis in die Puppen schlafen kann, den Rest des Tages in der Wiese rumliegen und abends dann feiern gehen. Tatsächlich sollte der Student genau das mal wieder öfter machen. Das beruhigt. Klar, in der Wiese gibt’s natürlich jede Menge Viecher, die einen bekrabbeln können, aber die Sonne genießen kann ganz gut für Herz und Psyche sein.

Man muss nicht gleich wehleidig werden, wenn Papa oder sonst wer erzählt, dass er damals, als er noch Student war, Hannes Wader, als der noch jung und gar nicht bekannt war, schon live in einer verrauchten Studentenkneipe in Landau gesehen hat. Ok, vielleicht nicht das beste Beispiel, wenn man heute dem Studenten was von „Studentenleben“ erzählen will. Erstens, weil Hannes Wader heute nicht mehr wirklich jung ist und zweitens weil die einstige kulturelle Studentenhochburg Landau...naja, das wird jeder verstehen, der heutzutage mal in Landau war. Aber es soll ja noch andere coole Studentenstädte geben. Und andere Leute die Gitarre spielen.

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Und da soll man jetzt ein schlechtes Gewissen haben, wenn man sich die anhört? Warum? Studenten jammern so gerne, dass der Druck, der auf ihnen lastet, so groß ist, weil sie unbedingt alle Erwartungen der Gesellschaft an sie erfüllen möchten. Na bitte: Wenn die Gesellschaft anscheinend von den Studenten will, dass sie morgens bis in die Puppen schlafen, faul auf der Wiese rumliegen und auch sonst nichts tun, dann sollten die Studenten doch einfach mal damit anfangen, diese Erwartungen zu erfüllen.

Und wenn man sich einfach nur mal einen Nachmittag in die Wiese legt. Oder sich einen Abend lang in irgendeinen linken Laden setzt und einem Typen mit Gitarre zuhört.

Mittwoch, 31. August 2011

Schlagende Argumente

Als Student begegnen einem schon mal recht skurrile Situationen. Und damit meine ich jetzt nicht das Chaos in meinem Kleiderschrank, sondern...so andere halt.

Foto: chadmiller (CC-by-sa-2.0)
Begegnet mir doch vergangene Woche in meinem Hausflur tatsächlich ein Typ mit Degen in der Hand. Ja, also so richtig wie im Fernsehen. „Vier Musketiere“ und so. Nur, dass er alleine war. Und offensichtlich Student. Interessant ist auch, dass ich mir gar nichts dabei gedacht habe, dass da ein Typ mit Degen durch meinen Flur stolpert. Man ist wohl abgehärtet mit der Zeit. Obwohl man ja nicht jeden Tag D'Artagnon in Jeans und T-Shirt in seinem Hausflur trifft. Ihm war‘s anscheinend nicht ganz so egal, denn er hat das Ding nett hinter seinem Rücken versteckt. Ich hab ihn aber trotzdem gesehen. Höhö.

Wahrscheinlich hat der Kerl den Degen ja auch nur versteckt, dass ich mich nicht erschrecke. Denn wenn er was anderes damit vorgehabt und jemand in der Nachbarwohnung niedergemetzelt hätte oder so, hätte man das sicher mitbekommen. Es sei denn, in einer meiner Nachbarwohnung verwest jetzt irgendwo eine zerstückelte Leiche, die früher mal mein Nachbar war. Das würde zumindest den etwas strengen Geruch manchmal erklären. Ich hab mir immer eingeredet es läge am Altbau.

Nein, Spaß beiseite: Ich wohne in einer Studentenstadt. Und wo es Studenten gibt, da gibt’s auch Studentenverbindungen. Und wo’s Verbindungen gibt, da gibt’s auch nicht schlagende und schlagende Verbindungen. Was im Prinzip genau das ist, wonach es klingt. Die einen schlagen sich. Mit Degen.
Ha, Rätsel gelöst! Wahrscheinlich hat der Typ mit dem Degen mit irgendeinem anderen in meinem Haus gefochten. Und dabei höchstwahrscheinlich niemanden zerstückelt. Also zumindest nicht in größerem Umfang.

Wie, das ist grausam? Ach Quatsch...in seinem Haus darf doch jeder machen, was er will! Auch fechten. Ich sing’ ja auch unter der Dusche. Das ist mindestens genauso grausam.

Und es wird mal Zeit, dass diese negative Stimmung, die immer wieder gegen diese Burschenschaftstypen gemacht wird, endlich mal aufhört. Die meisten Verbindungen sind doch ganz normale Zusammenschlüsse von Studenten…wie die Hochschulgruppe der Ökos.
Ok, vielleicht nicht ganz wie die Hochschulgruppe der Ökos.
Aber Sie wissen, worauf ich hinaus will. Man muss doch nicht noch Salz in die Wunde streuen. Und diese paar verbliebenen traditionalistischen schlagenden Grüppchen, die ab und zu mal ein paar Nazi-Problemchen haben – selbst die wandeln sich doch immer mehr zu stinklangweiligen Organisationen der politischen Mitte.

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Wie Blödsinn? Na, schauen Sie mal: Heutzutage kann man nicht mal mehr jemand aus einer Verbindung rauswerfen, weil er asiatische Gesichtszüge hat. Damit hätte man denen mal noch vor ein paar Jahrzehnten kommen müssen...

Also, wenn das mal kein Wandel ist.

Mittwoch, 24. August 2011

Alterserscheinungen

„Boah, diese Klausur hat mich wieder einmal Jahre meines Lebens gekostet.“
Dieser Satz kommt vielen Studenten mal hin und wieder über die Lippen. Besondere Belastungszustände sind nicht gerade gut für den Körper, das weiß man und ist auch wissenschaftlich längst bewiesen. Großer Stress ist nicht nur nicht gut fürs Herz, er macht auch graue Haare. Je größer also der Stress im Studium, desto schneller altern wir tatsächlich. Na Prost Mahlzeit liebe Bachelor-Studenten. Wenn das mit der immer größeren Verdichtung von Studiumsinhalten so weiter geht, wird auf den Absolventenfeiern wohl bald über Rheuma und Arthritis diskutiert, Bingo gespielt – und Jopi Heesters tritt auf. Als Youngstar des Abends.

Foto: rosmary (CC-by-2.0)
Horrorszenarien? Äh, ja. Genau. genau darauf will ich ja hinaus. Alles Blödsinn.

Alles Blödsinn? Und das aus meinem Munde? Nein, ich bin noch nicht alterssenil. Ich habe empirische Beweise.

Neulich im Supermarkt. Der Sommer ist zurück, die Tage sind immer noch relativ lang – also kauft man zum Grillen oder zum gemütlichen Balkonabend mal einen Sixpack Bier. Alternativ Mischgetränke. Mischgetränke.
Der kauft Mädchenbier?
Japp. Bekommt mir in meinem Alter einfach besser.

Ich stehe also mit meinen sechs Flaschen an der Kasse und der Blick der Kassiererin fällt auf dieses unglaubliche Gemisch auf dem Kassenband. Dieses gefährliche Gebräu, die übelste Mischung, die Hunderttausende in die Abhängigkeit führt und ganzen Generationen Minderjähriger den sicheren Alkoholtod beschert. Dieses gefährliche Gebräu, die übelste Mischung, die Hunderttausende in die Abhängigkeit führt und ganzen Generationen Minderjähriger den sicheren Alkoholtod beschert.
Bier Limette. Drei Prozent Alkohol die Flasche.

Die Kassiererin schaut mich an, das Bier, dann wieder mich. Ich weiß, was jetzt kommt, auch wenn ich es nicht wirklich glauben will.

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„Ausweis dabei?“
„Hab ich mich wirklich so gut gehalten?“, ist der einzige halbwegs lockere Spruch, der mir angesichts der Unterstellung, ich sei 15 oder so, noch einfällt.
“Äh ja. Seien sie doch froh!“
„Ja in 15 Jahren vielleicht.“
„Aber Sie verstehen doch, dass wir fragen müssen…?“
Jaja, klar, die Frau macht auch nur ihren Job. Und ich geb’s zu, ich war relativ frisch rasiert, meine Frisur verdeckte gekonnt den zurückgehenden Haaransatz – und ich bin ja auch höchstens 10 Jahre zu alt.
Die Frau hatte praktisch gar keine Chance.

Als ich den Supermarkt verlasse, kann ich mir ein Lächeln dann doch nicht verkneifen. Der Bachelor lässt Studenten alt aussehen? Möglich. Der Bachelor lässt Studenten alt werden? Eher nicht.

Mittwoch, 17. August 2011

Neugier

Warum haben wir eigentlich als Kinder so gerne Löwenzahn oder die Maus geguckt? Ja, auch weil Peter Lustig so eine geile Latzhose hatte. Aber doch hauptsächlich, weil man irgendwie auf eine ganz nette und unterhaltsame Art und Weise was über Dinge gelernt hat, mit denen man sich alleine wohl nicht unbedingt beschäftigt hätte. Die dann aber doch irgendwie die Neugier geweckt haben.

Foto: Roberto Verzo (CC-by-2.0)
Diese Neugier scheint allerdings bei vielen leider über die Jahre hinweg verloren gegangen zu sein. Schlimmer noch – sie scheint sogar regelrecht uncool geworden zu sein.

So kann sich ein Schüler doch sicher sein, dass er, wenn er es gut findet, dass der Klassenlehrer eine Fahrt ins Museum angesetzt hat, für die nächsten paar Wochen die lustige Rolle des Mobbingopfers übernommen hat. Dabei würde der Museumsbesuch doch der Allgemeinbildung aller Schüler gar nicht schaden. Denn fragen Sie die gleichen Schüler doch mal nach Erdkunde: da kann Ihnen jeder was über Reisanbau in Indochina oder über die längsten Flüsse Südamerikas erzählen. Bei den deutschen Bundesländern hakt‘s  dann aber schon. Klar, vor allem eine Folge vollkommen verplanter Lehrpläne – aber auch von mangelnder Neugier.

Die sich übrigens übergangslos auch unter Studenten auszubreiten droht. Kein Wunder bei Bachelorstudiengängen, die gar keine Zeit für Neugier lassen. Da muss doch jeder, der seltsamerweise dann doch noch Zeit und Motivation für Allgemeinbildung und Neugierde hat, schief angeguckt werden.

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Also, ich find‘s geil, wenn jemand schon vor dem Start den Sitzcomputer im Flugzeug durch zu viel neugieriges Drücken zum Absturz gebracht hat. Und Museen sind auch ganz nett. So mein kleiner, zur Schule gehender Leidensgenosse, wo muss ich mich anstellen, um mit Papierkügelchen beschossen zu werden?
Ein Jammer.

Vielleicht sollten wir einfach Peter Lustig aus dem Ruhestand zurückholen. Die Zeiten würden schlagartig wieder besser werden für die Neugier.

Der hatte aber auch wirklich ‘ne geile Latzhose.

Freitag, 12. August 2011

¡Viva la revolución!

Woran erkennt man im Sommer im Park die Studenten? Nein, leider nicht an der spärlichen Bekleidung und der prallen Oberweite – wir sind ja hier schließlich im echten Leben und nicht bei American Pie. Und außerdem: Wenn wir in Deutschland von „Sommer“ sprechen, dann meinen wir in der Regel Temperaturen, die an der 20-Grad-Marke kratzen und (im besten Fall) bewölkten Himmel ohne Regen. Keine Bikinis.

Foto: lilli2de (CC-by-sa-2.0)
Nein, Studenten im Park erkennt man natürlich – wie könnte es anders sein – an Bücher- oder Papierstapeln und Laptops, die bei schönem Wetter (also den 20 Grad ohne Regen) kurzerhand von der Bib auf die nächste Grünfläche verlagert werden.

Haha, hier blitzt es dann doch auf: das deutsche studentische Revoluzzertum. Die Fortführung einer langen, glorreichen Geschichte, beginnend in den Zeiten der Aufklärung, gepflastert von Helden wie Schiller, Goethe, Dutschke; das System bis ins Mark erschütternd…– ja, wir sprechen immer noch vom Wetter. Und Studenten im Park.

Wer wird denn gleich zu viel erwarten. Großangelegte Bildungsstreiks und so zum Beispiel. Nein, wenn der deutsche Student sich der Tradition besinnt, in der er steht, sich das Che Guevara T-Shirt überstreift und laut ausruft: „Sch…. doch auf die Bib! Heute lerne ich im Freien!“ – dann ist das doch dieser Tage ein wahrhaft zu würdigender Mut. Denn der Student hat damit seine mentale Grenze überwunden, eine vom System auferlegte Knechtschaft, die Tag für Tag zum Lernen und Arbeiten in die Bib drängt.

Wenn man so will, die Fortführung großer deutscher Studentenrevolutionen – zwischen Hundescheiße und nervigen Kindern, die die Bücherstapel im Park immerhin als Torpfosten fürs Bolzen benutzen können.

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Bei so viel Revolutionsstimmung ist es doch geradezu gut, dass die Temperaturen diesen Sommer so niedrig sind. Sonst würde der Student womöglich noch übermütig werden, seine Revolution tatsächlich mit Demos und diesem ganzen anstrengenden Kram fortführen – und damit womöglich noch seine Gesundheit gefährden. Herzinfarkte oder Kreislaufkollaps durch übernatürlich hohe geistige und körperliche Belastung. Solls ja schon gegeben haben.

Beim Lernen im Park bei strömendem Regen kommt Gott sei Dank maximal ein Schnupfen bei raus.

Donnerstag, 4. August 2011

Alternativen

„Boah, eigentlich hätte ich ja gerade echt Besseres zu tun.“ Wie oft kommt uns dieser Satz über die Lippen? Ziemlich oft. Als Student noch öfter. Zum Beispiel in der total sinnlosen Vorlesung, dem absolut langweiligen Seminar oder jeder anderen abwegigen Situation an der Uni.

Liebe Studenten: Total falsche Herangehensweise.

Denn sind wir mal ehrlich: Natürlich hätte man gerade Besseres zu tun. Das gehört quasi zur Definition von Studieren. Sollte man zumindest meinen, wenn man sich so manchen Studiengang  oder so manchen Kurs ansieht. Theorie-Vorlesungen zum Beispiel, bei denen man irgendwie genau weiß, dass man das, was man dort Woche für Woche macht, nie mehr im Leben brauchen wird. Ok, mal ausgenommen vom Aufbau der privaten Papierschiffchenflotte.
Die kann man schließlich immer mal wieder gebrauchen.

Oder auch so tolle Social-Skills-Kurse wie „Small Talk“.
Da lernt man sicher was.
„Boah, eigentlich hätte ich ja gerade echt Besseres zu tun.“
Ja, den Abwasch zum Beispiel. Oder endlich mal das verkorkste Leben auf die Reihe kriegen. Oder sich mit der hochphilosophischen Frage beschäftigen, wohin in aller Welt in der Wohnheimswaschmaschine immer die zweite Socke verschwindet. Fällt in der Regel immer unter „Besseres zu tun“.

Diese Folge zum Nachhören 
gibt es auf www.radioaktiv.org
Aber wir studieren ja nicht des Studierens Willen. Wir lernen ja fürs Leben. „Es kommt nicht darauf an, was sie studiert haben, sondern dass sie studiert haben“, hört man dann immer wieder gerne von Personalern. Jaha…und Byzantinistik-Absolventen werden beim Vorstellungsgespräch auch gar nicht schief angeguckt. Und der Weihnachtsmann bringt die Ostereier. Wobei, das Drüberstehen, wenn Leute wie mein Kumpel Bernie, B.A. Byzantinistik im 5. Fachsemester, schief angeguckt werden, ist sicherlich eine dieser oft zitierten Schlüsselqualifikationen, die man durch „das Studieren“ fürs Leben lernt. Genauso, wie sich damit abfinden, dass man „eigentlich grade Besseres zu tun hätte“.

Das ist schließlich in vielen Jobs, die man mit einem Bachelorabschluss angeboten bekommt, später auch mal die meiste Zeit nicht anders.