Mittwoch, 18. Januar 2012

Sitcom

Mit Humor geht Vieles leichter.
Hat sich wohl auch ein Uniprofessor gedacht, als er diesen Tipp neulich seinen Studenten gegeben hat. Nachdem das Uni-Portal mal ganz entspannt alle Studenten seines Kurses von der Prüfung abgemeldet hatte.

Nun ist an diesem Lebensmotto sicherlich was dran, aber es soll ja auch Studenten geben, die nicht gerade eine Rheinische Frohnatur sind oder sogar so desillusioniert, dass sie den Pannen, die ihnen Tag für Tag begegnen, vielleicht nicht mehr mit dem super Humor begegnen können.
Echt blöd.

Aber da müsste man doch was tun können, dass da wieder Stimmung in den Laden kommt. Grade mit den heutigen technischen Mitteln. Hat doch eh jeder ein Smartphone. Wieso dann nicht einfach eine Humor-App? Mit der kannst du dann ganz leicht unter jede Situation so ein Sitcom-Lachen legen. Man drückt drauf und schon – Gelächter.
Ob das Ganze nun lustig ist oder nicht.

Der Student fällt aufgrund der Tatsache, dass er drei Klausuren an einem Tag hat, zum dritten Mal durch eine Prüfung und wird exmatrikuliert – Gelächter.
Das Portal stürzt wieder mal genau zur Veranstaltungsanmeldung ab – Gelächter.
Der Beamer in der Vorlesung gibt mal wieder den Geist auf – Gelächter.

Gerade bei diesem Beispiel sieht man doch, wie viel Potenzial diese App hätte! Denn wenn der Professor dann versucht, einen lockeren Spruch zu machen, über den aus Übermüdung, Desillusion oder ganz einfach wegen Dämlichkeit kein Schwein gelacht hätte – so à la „Dem geht heute kein Licht mehr auf…“ – Gelächter.

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Und wenn dann der nette, aber doof dreinblickende Haustechniker nach dem verzweifelten Anruf des Profs den Raum betritt, drückt man einfach den „Beliebte-Nebenfigur-tritt-auf“-Button der App und schon – Applaus.

Und selbst, wenn die Regierung mal wieder entscheidet, dass der Professor, der so fröhlich Lebensweisheiten unter seine Studenten streut, mehr Steuern bezahlen muss oder sogar sein Gehalt kürzt – Natürlich, Gelächter.

Ja, mit Humor geht Vieles leichter.

Freitag, 13. Januar 2012

Kochen

Jetzt gehöre ich ja dieser Fraktion von Studenten an, die eigentlich keine Zeit haben, aber trotzdem gerne kochen. So selbst. Mit Arbeit. Und frischen Zutaten. Und deswegen hab ich mich auch grade wieder mit einer Monatsration Maggi Fix eingedeckt…naja gut, ja, frische Zutaten und Arbeit und so ist da jetzt nicht so...aber egal.

Foto: Mario Spann (CC-by-sa-2.0)
Was ich mich dann nur immer frage: Wie kommen die auf diese unglaublich abstruses Mengenangaben auf den Päckchen? Meistens übrigens „2-3 Portionen". Also bei mir reicht das wenn‘s hochkommt für eine. Und dann noch ein bisschen was über für den schnellen Mikrowellensnack am nächsten Tag. Wie, ich hab vorhin gesagt, ich koche immer frisch und selbst?
Pst!

An wem testen die diese Mengenangaben? An irgendwelchen Leuten aus der Sahelzone, deren Mägen schon so zusammengeschrumpelt sind, dass…nein, natürlich nicht, dass wäre ja auch politisch inkorrekt.
Ne, die Fleischprodukte werden wahrscheinlich an Vegetariern ausprobiert. „Königsberger Klopse? Aber ich ess' doch gar kein Fleisch…“ – „Klappe, deswegen reicht's ja auch noch für die anderen beiden da!“

Das ist doch wie mit diesen ECTS-Punkten, die an Veranstaltungen in Bachelormodulhandbüchern stehen. Nur, wo bei Maggi meistens weniger drin ist, ist‘s bei den ECTS-Punkten am Ende immer mehr. lch mein‘, wer kann vorher auch schon festlegen, dass dieser eine Kurs jetzt genau 6 ECTS-Punkte, also 6x30 Arbeitsstunden, also 180 Arbeitsstunden in Anspruch nehmen wird? Sitzen da irgendwelche gezüchteten Bachelorstudenten, in irgendwelchen sterilen Labors, hochgezogen, nur um in dubiosen Menschenversuchen die Anzahl von ECTS-Punkten herauszufinden, die man für einen Kurs braucht…bäah, das ist ja eklig.

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Fast so eklig übrigens wie die umgekehrte Unsitte: Wenn nämlich Dozenten anfangen, ihre Seminarinhalte auf die im Vorfeld festgelegte Anzahl ECTS-Punkte anzugleichen.

Und wo der Diplomer mit zwei Texten genug zu tun hatte, bekommt der Bachelor plötzlich zwei Texte mehr pro Sitzung – es fehlen ja noch ein paar Arbeitsstunden, damit der Aufwand letztlich auch den vorher festgelegten ECTS-Punkten gerecht wird.

Mittwoch, 4. Januar 2012

Bootcamp

Da können Sie zu jeder Zeit und an jedem Ort fragen: Die Deutschen sind gut im Jammern.
Die Crème de la Crème unter den deutschen Jammerern sind aber die Studenten.
Und auch unter denen trennt sich dann noch mal die Jammer-Spreu vom Jammer-Weizen.
Die mit Abstand erfolgreichsten Jammerer unter Studenten sind – Achtung, Trommelwirbel – die Lehramtsstudenten.

Foto: Stefan-Xp (CC-by-sa-3.0)
Klingt zugegebenermaßen im ersten Moment ein bisschen seltsam. Warum nicht die zukünftigen Spitzenmanager oder Fondspezialisten (sie verdienen ja später mal viel zu wenig für das, was sie leisten), warum nicht die Philologen oder Philosophen (Taxifahrer), oder gar die späteren Journalisten (Lebenserwartung)?

Nein, ausgerechnet diejenigen, die später einmal mindestens zwölf Wochen Urlaub im Jahr haben, absolut geregelte Arbeitszeiten und nach wie vor in überproportional hohem Verhältnis zu anderen Berufsgruppen ein durchaus passables Beamtengehalt?
Ja, das klingt definitiv ein bisschen seltsam.

Ich frag mich ja jedes Mal, wenn mir mal wieder ein zukünftiger Lehrer die Ohren volljault, dass sein späterer Job ja hochgradig unsicher ist, er mal nichts verdienen wird und – Achtung, Lieblingsargument – Kinder ja so schrecklich sind: Müssen Lehramtsstudenten eigentlich während ihres Studiums Kurse im Jammern belegen? So als Blockseminar in der ersten Vorlesungswoche zum Beispiel? „Jammer-Bootcamp für angehende Lehrerinnen und Lehrer“?

Wo dann der Ausbilder am Morgen reingepoltert kommt „Aufstehen, Sie Flaschen! 1, 2, 3…na los, wird’s bald? Na, warten Sie, aus Ihnen mache ich noch ‘ne Memme!“

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Und auf dem Lehrplan stehen dann so Dinge wie: „Ausgewogenes Jammern angesichts drohender Verbeamtung“, „Kreatives Heulen bei zu großer Belastung“, „Sich nicht von passablen Zukunftschancen aus dem Konzept bringen lassen“, „Geldsegen in der freien Wirtschaft – Armut im Staatsdienst“ oder natürlich der beliebte Klassiker „Erfolgreiches Simulieren aller erdenkbaren Infektionskrankheiten – so könnte es klappen.“

Anders kann man doch ein so ausgewogenes Jammern auf hohem Niveau gar nicht erreichen.

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Nachweihnachtszeit

Tja, Weihnachten auch schon wieder vorbei. Der Weg ist also frei für die Schokohasen.
Ging doch fix.
Ich hoffe natürlich, dass alle wunderschöne Weihnachtstage gehabt haben, die hässlichen Socken von Tante Herta und die scheußliche CD von Oma Elfriede inzwischen erfolgreich umgetauscht wurde und auch ansonsten keine größere Schäden zurückgeblieben sind – kurzum: wohlauf in die Zeit, die danach kommt!

Doch Moment mal, was genau ist das eigentlich, was da jetzt kommt? Gefühlt die Weihnachtsfeiertage drei bis  sechs – denn mal ehrlich. Kennen Sie mehr als fünf Personen aus ihrem engeren Bekanntenkreis, die gerade irgendwie arbeiten? Bei Lehramtsstudenten tendiert diese Zahl sogar gegen Null.

„Zwischen den Jahren“ – ja, eine verrückte Zeit. Man tut eigentlich nichts, außer das Weihnachtsessen verdauen, faul rumliegen, auf Silvester warten – zumindest in der Theorie. Studenten haben „zwischen den Jahren“ zwar in der Regel Weihnachts- oder gar schon Semesterferien, aber gerade das, so viel haben wir ja inzwischen gelernt, bedeutet Hausarbeiten schreiben, Kenntnisse auffrischen, lernen, lernen…achso und lernen.

Und sich Gedanken darüber machen, wo eigentlich diese Formulierung „Zwischen den Jahren“ herkommt. So als perfekte Ablenkung von der eigentlichen Arbeit.

„Zwischen den Jahren“… mh, eigentlich schwachsinnig. Könnte ein Bachelorabsolvent erfunden haben. „Zwischen den Jahren“, das macht doch eigentlich gar keinen Sinn. Zumindest in der heutigen Zeit. Denn auch diese seltsamen Tage vom 26. bis zum 30. Dezember liegen ja noch im alten Jahr. Dann kommt das neue. Also nix mit „zwischen irgendwelchen Jahren“. Blödsinn.

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War früher übrigens anders. Denn die Bezeichnung „zwischen den Jahren“ stammt aus Zeiten, als das christliche Jahr offiziell am 24. Dezember endete, das neue aber erst am 6. Januar anfing. Und dazwischen lagen halt einfach ein paar Tage, die man vergessen hatte. „Zwischen den Jahren“ quasi. Dumm gelaufen. Und weil es wahrscheinlich Schwachsinn wäre, an Tagen, die es eigentlich gar nicht zu geben hat, zu arbeiten, hat halt schon im Mittelalter wahrscheinlich – wie heute auch – an diesen Tagen niemand irgendetwas Produktives gemacht.

Außer wahrscheinlich auch damals schon die Studenten.

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Studis

Ich bin nicht putzig.

Nein echt nicht. Und ich will auch nicht, dass man mir ein unglaublich putziges Prädikat aufdrückt. Ich bin Student. Stu-dent. Kein Studi. Was ist das eigentlich, diese unglaublich schreckliche Wortschöpfung, die man leider heutzutage überall ertragen muss („Studiticket“, „Studitarif“…)? Eine Kurzform? Eine Koseform? Die Rache von Katja Burkhardt an der Menschheit? Sfüsf.

Foto: Deutsche Fotothek (CC-by-sa-3.0)
Mal ehrlich: Müssen wir heutzutage eigentlich für alles eine dämliche Verniedlichung haben? Ich will kein „Studi“ sein in dieser Welt, in die mich meine …nein, nicht meine „Ellis“ – meine Eltern mich gesetzt haben. Und ich fahre zur Uni auch immer noch mit den Öffentlichen und nicht mit den „Öffis“. Und so weiter.

Warum tut der Mensch sowas? Müssen wir uns von unserem trostlosen Leben ablenken, in dem wir uns einreden, in Wirklichkeit sei alles so klein, und putzig und niedlich und rosarot! Wir sind doch alle Kätzchen, Häschen und Mausis! Und bevor jetzt die Pragmatiker sagen, die i-Endung sei doch praktisch, weil es aus dem langen Wort Student den „Studi“ macht. Warum wird dann aus dem „Hans“ der „Hansi“ und aus dem „Sven“ der „Svenni“. Und haben Sie mal die Zeit gestoppt, die man braucht, um „Stu-dent“ und „Stu-di“ zu sagen?
Mordsabkürzung.

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Sind wir denn hier im Kindergarten?! Wo überall kleine niedliche Studis rumlaufen, die von ihren Ellis an die Unis geschickt werden und fröhlich mit ihren Tickets der Öffis rumwedeln? Hallo? Universitäten sind doch keine Kindergärten…ist die die Mehrzahl der Kurzform von Kindergarten = KiGa jetzt eigentlich KiGäs wegen Kindergärten oder doch eher KiGas? Ach, egal. Sind ja keine Kindergärten. Oder doch? Passen würde es ja irgendwie schon. Seit dem Bachelor sind die Studenten ja gut behütet und geleitet. Wenn man gut „behütet“ als „keine Wahlfreiheit und Freiräume mehr“ definiert natürlich. Deswegen bin ich aber doch noch lange kein „Studi“!

Argh.
Gleich lauf ich Amok. Oder heißt das jetzt Ami? Amoki? Egal. Denn auf eins können Sie Gift nehmen:

Ich bin nicht putzig!


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Mittwoch, 14. Dezember 2011

Klauen

Ein ganz normaler Morgen in einer Studenten-WG…

Sie geht zur Tür raus, er ruft ihr hinterher: „Schatzi, viel Spaß an der Uni! Und vergiss nicht Klopapier zu klauen!“
Bitte was?
Ja, richtig gehört.
Schockierend. Aber die Realität.

Studenten sind nun mal knapp bei Kasse. Und gerade die, die die Moral vielleicht nicht unbedingt mit Löffeln eingetrichtert bekommen haben, versuchen nun mal bei jeder Gelegenheit, dafür zu sorgen, dass diese knappe Kasse  durch den Einkauf lästiger, aber nun  mal nötiger Gebrauchsgegenstände, nicht weiter geschmälert wird. Die Uni hat‘s doch.

Die Rache am Bafög-Amt liegt quasi im Klopapier.

Um es mal mit dem Lieblingssatzanfang der meisten Studenten zu sagen: „Kennst du die Scrubs-Folge…“ in der alle die Joghurts und Klamotten im Krankenhaus klauen, weil‘s halt so praktisch ist und das Gehalt auch nicht so pralle? Ist an der Uni genauso. Gut, da gibt’s relativ selten Arztkittel zu klauen. Vielleicht mal ‘nen Laborkittel.

Jetzt sagen Sie nicht, sie hätten sich nie gefragt, warum an der Uni die Handtücher immer so neu sind.

Der Saarländer hat dafür sogar ein Sprichwort: „Mir hulles damit’s net fortkummt.“ Nicht, dass am Ende noch jemand was klaut. Was nicht heißt, dass es sowas nur im Saarland gibt. Die waren nur so schlau, ein Sprichwort daraus zu machen.

Wahrscheinlich machen die Unis in Deutschland gerade mit Klopapier, Seifenspenderfüllung und Lehrstuhl-Kaffeetassen jährlich Millionenverluste.
Und an wem bleibt das am Ende wieder über irgendwelche Studiengebühren oder Verwaltungsbeiträge hängen? Genau.  An den Studenten.

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Und die gehen dann wieder auf die Straße und jammern, sie stünden bis zum Hals in der Scheiße, weil irgendjemand da oben wieder unverständliche Regeln beschlossen hat.

Vielleicht ist die Sache ja viel einfacher.

Vielleicht liegt das mit der Scheiße bis zum Hals ja einfach daran, dass irgendjemand das ganze Klopapier geklaut hat.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Buddies

Sehe ich doch neulich an der Tür eines Hörsaals einen Zettel kleben: „Buddies gesucht“. Also frei übersetzt: „Freunde gesucht.“

Oh. Armes kleines Studentenpuh.
Foto: HerrKrueger (CC-by-sa-2.0)
Aber wen wundert’s, mag man denken. Wie soll der Student heutzutage auch noch zu Freunden kommen, wenn nicht über solche verzweifelten Aufrufe? Denn man hört ja immer wieder, im Bachelorstudium bliebe ja überhaupt keine Zeit mehr für Freizeit, geschweige denn soziale Kontakte.

Klar, der Zettel, der da an der Hörsaaltür hing, hat natürlich nur Leute gesucht, die für Austauschstudenten aus dem Ausland den „Buddy“ spielen, also die hier ein bisschen eingewöhnen und denen die Stadt näher bringen. Aber ein wirklicher, ausgeschriebener Hilfeschrei nach Freunden hätte mich jetzt auch nicht groß gewundert. Nicht etwa aus den oben genannten Gründen – denn hallo, ich kenne niemand, der nicht mal Zeit für ein Bier oder einen guten Freund gehabt hätte im Studium. Nein eher aus anderen Gründen.

Social Networks.
Unsereins lebt ja quasi nur noch in Facebook und Co. Ich nehm‘ mich da selbst auch gar nicht aus. Auch bei mir ist eine der zuerst geöffneten Seiten, wenn ich morgens den Computer hochfahre, dieses vermaledeite Gesichtsbuch. Aber: Ich hab mir bisher immer eingebildet, dieses „Social network“ halbwegs sinnvoll und in angemessenem Umfang zu nutzen. Wenn jemand gerade in den USA oder in Thailand sitzt ist es nun mal blöd, ihn mal eben schnell auf ein Bier einzuladen. Kann man prinzipiell schon, aber er wird nicht kommen.

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Aber was manche Leute – auch Studenten – da so schreiben...
„Grade aufgestanden. Gehe jetzt an die Uni.“
Jo, schön.
Hätte ich dann in zehn Minuten auch so gesehen. Und je nachdem, wer du bist, hätte es auch dann noch gereicht, mir damit den Tag zu versauen.
„Koche jetzt. Lecker.“
Glückwunsch.
Oder ganz super: XY hat an Zs Pinnwand geschrieben: „Sitze grade neben dir in der Bib.“ Woraufhin Z natürlich binnen 10 Sekunden antwortet: „Hihi.“
Das sind doch mal „soziale“ Kontakte. Und da würde sich wirklich noch jemand wundern, wenn jemand richtige Freunde per Ausschreibung sucht?

Moment, ich bin gleich wieder da. Ich muss grade mal auf Facebook posten, dass ich eine neue Folge fertig habe...

Mittwoch, 30. November 2011

Multifunktionalität

Bachelorstudenten sind Flaschen.
Naja, ganz so schlimm ist es auch wieder nicht. Was aber durchaus stimmen kann, ist, dass Bachelorstudenten oftmals lediglich an der Oberfläche kratzen. Wie soll das auch anders gehen, wenn man in nur sechs, je nach Organisation der Bachelorarbeit vielleicht sogar nur fünf Semestern, alle Themen, die so ein Studiengang hergibt, abgehandelt haben soll?

Also geht nach sechs Semestern im Prinzip eine Horde von Generalisten von der Uni ab, die sich zwar irgendwie überall auskennen, aber doch nirgendwo so richtig. Richtig lustig wird es dann, wenn der Psychologe, der Jurist und der Politikwissenschaftler auf der Bachelorabsolventenfeier feststellen, dass sie sich im Wissen eigentlich gar nicht so sehr voneinander unterscheiden. Nichts ist in jeder Fachrichtung gleichbleibend nichts.

Bitter.
Ich überlasse es jetzt Ihnen, ob sie das Prädikat „Flasche“ hier verteilen wollen. Und an wen. An den armen Studenten oder doch lieber an diejenigen, die sich dieses System ausgedacht haben?

Aber nutzen wird doch unsere Unwissenheit! Das geht.
Wirklich.
Sehe ich doch neulich im heute journal einen jungen Politologen, der als Experte für die Piratenpartei aufgetreten ist. Gut. Derselbe Typ wird dann aber in den Tagesthemen  eine halbe Stunde später plötzlich als Experte für Brandanschläge auf die Bahn verkauft. Und hätten sich auf RTL und Sat 1 um diese Zeit nicht schon seltsame Frauen ausgezogen oder Möchtegern-Nachwuchsmoderatoren einen auf Late-Night gemacht, der Typ hätte mir da bestimmt auch noch was über Rentenkürzung und Windkraft erzählt. Aus wenig, viel gemacht, würd ich sagen.

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Man darf von nix ‘ne Ahnung haben. Man muss nur wissen, wie man es gut verkauft. Und schon ist man zum selben Zeitpunkt Experte für Schopenhauer und Dosenpfand.

Oder Flaschen.

Mittwoch, 23. November 2011

Konstanz

Joa, zugegeben: Die Mensen an deutschen Universitäten sind weder für ihre kulinarischen Genüsse, noch für ihr kreatives oder gar abwechslungsreiches Angebot bekannt. Besonders, wenn man, aus welchen Gründen auch immer, immer nur an einem bestimmten Wochentag in die Mensa geht, wundert man sich doch, wie klein die Speisenpalette wirklich ist. Gut, manchmal wird es ganz gut getarnt, dann steht da zwar „Putenschnitzel mit Rahmsoße“, aber weder vom Anblick, von der Konsistenz und ich wette auch von den Inhaltsstoffen her unterscheidet sich dieses Menü nicht großartig vom „Hüftsteak in dunkler Soße“ aus der Vorwoche.

Halb so wild, man muss die Sache nur anders angehen und – wie so oft im Studium – aus der Not ganz einfach eine Tugend machen. So ein immer gleiches Mensaessen kann nämlich sehr schnell zum Ritual und damit zu einem großartigen Rückhalt im unsteten und schnelllebigen Studentenwahnsinn werden. Quasi eine Oase des geordneten Rückzugs.

In Mannheim funktioniert das mit Pfannkuchen ganz gut.
Freitags.

Normalerweise. Hat es doch tatsächlich am Freitag keine Pfannkuchen am Grill gegeben! Sondern nur gähnende Leere! Nichts. Nothing. Rien. Das kann man doch uns Einmal-die-Woche-und-das-auch-noch-an-einem-bestimmten-Tag-in-die-Mensa-Gehern nicht antun! Das ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit! Alles läuft durcheinander und total willkürlich ab, seitdem irgendwann mal jemand ein Blitzstudium eingeführt hat, ohne wirklich klare und allgemeinverbindliche Regeln dafür miteinzuführen.

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Wo bitte sonst soll man da noch ein kleines bisschen Konstanz als Ort der Ausgeglichenheit und kurzzeitigen Ruhe finden? Mensa-Pfannkuchen am Freitagmittag, das ist wie der seit Jahrzehnten immer gleiche Tatort-Vorspann, Angela Merkels gleichbleibend scheußliche Frisur nebst passendem Gesichtsausdruck oder die konstante „Stärke“ von englischen Mannschaften am Elfmeterpunkt. Wo soll der verzweifelte Student sonst noch Halt finden in seinem Leben, wenn nicht am Pfannkuchen?
Und der wird ihm einfach so brutalst genommen. Als hätte man Frau Merkel zum Frisör geschickt. Einfach so! Kein Pfannkuchen am Grill!

Nicht, dass ich Pfannkuchen mögen oder gar essen würde.

Aber ich hätte ihn prinzipiell auch an diesem Freitag mal wieder nehmen können und mich mal wieder dann gegen ihn entscheiden. So ein bisschen Konstanz ist in diesen schweren Zeiten nun doch wirklich nicht zu viel verlangt.

Mittwoch, 16. November 2011

Zwei Wochen

Ja, ich bin wieder da. Ich muss mich auch noch mal in aller Form entschuldigen, aber die letzten zwei Wochen war ich ganz einfach krank. Und damit meine ich jetzt nicht „krank“ im Sinne von „Ich hatte keinen Bock, mir irgendeinen neuen Blödsinn auszudenken“, sondern richtig krank. Flach gelegen im Bett. Rien ne vas plus. Ok, Ideen, um mich aufzurappeln und schon wieder eine Schnupfenfolge zu schreiben, hatte ich genau genommen auch nicht.
 
Foto: Fluff (CC-by-sa-3.0)
Jetzt werden Sie sicher sagen: „Zwei Wochen krank? Kann man sich das heutzutage überhaupt noch erlauben, wo doch alles so schnelllebig ist, vor allem im Studium?“ Sollte man ja meinen. Zumindest wird einem das doch immer wieder eingeredet. Und jaja – „Zwei Mal fehlen ist ja noch ok, aber wenn Sie dann die dritte Sitzung nicht besuchen – mhhh, also dann können Sie leider nicht mehr bestehen. Da haben Sie ja schon ein Vier-Komma-Periode-Sechstel des Semesters verpasst!“ Zwei Wochen! Was sind zwei Wochen gemessen am deutschen Durchschnittsleben von 79,8 Jahren? Oder anders ausgedrückt: 4149 Wochen und vier Tage, vier Stunden und 48 Minuten?
Zwei lächerliche Wochen sind da nichts!
Und selbst ein Bachelorstudium dauert ja immer noch drei Jahre. Mal ganz davon abgesehen, dass es ja tatsächlich auch in diesen besagten zwei Wochen Stoff geben könnte, den man gar nicht braucht. Oder den man nicht nicht nachholen könnte.
Zwei Wochen!
Das ist wahrscheinlich deutschlandweit gesehen gerade mal die durchschnittliche Bearbeitungsdauer für einen Antrag auf einen Bibliotheksausweis. Also wenn Sie die UB fragen: nichts!
Das längste Konklave, also die Versammlung von Bischöfen die sich in der Sixtinischen Kapelle einschließt, um den Papst zu wählen, hat sogar zwei Jahre, neun Monate und zwei Tage gedauert. 122 Wochen und ein paar zerquetschte! Wer also als gläubiger Katholik am ersten Tag schwer krank geworden ist und erst nach zwei Jahren, neun Monaten und einem Tag wieder etwas mitbekommen hätte, hätte er nichts verpasst.
 
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Pff. Zwei Wochen. Grade mal eine halbe Fußballweltmeisterschaft (wer braucht heutzutage noch die langweiligen Vorrundenspiele?). Zwei Wochen, das sind…das sind…
Um es kurz zu machen: Ich lebe noch. Und mein akademischer Abschluss ist nach zwei Wochen mit Grippe auch nicht in Gefahr.
Wäre doch auch schade.
Jetzt, wo ich zurückkomme und mein UB-Ausweis ist fertig.