Donnerstag, 29. Juli 2010

Ausgelutscht

Neulich habe ich eine E-Mail bekommen.
„Lieber Bachelor,
deine Probleme sind ja alle schön und gut. Aber Fernsehen, Zeitungen, Internet – alles berichtet über die Bolognareform. Und du redest jede Woche im Radio darüber. Meinst du nicht, das Thema wäre langsam ausgelutscht?
Liebe Grüße,
M. aus M.“
Ob ich das Thema nicht ausgelutscht finde?
Nein.
Ausgelutscht sind für mich Dinge, über die immer und immer wieder geredet wird, wir aber nicht ändern können, auch wenn wir es noch so sehr wollen. Das Wetter. Der Tod. Paris Hiltons Medienpräsenz. Und natürlich Lollistengel, an denen kein Lolli mehr dran ist. DAS ist ausgelutscht.
Dinge, die man ändern kann, wenn man darüber redet, können gar nicht ausgelutscht sein. Und an der Bolognareform kann man noch so einiges ändern. Auch wenn das der ein oder andere Politiker nicht wahrhaben will. (Hatte ich eigentlich Politiker in der Liste von Dingen, die man wohl niemals ändern kann, auch wenn man es noch so sehr will?)

Damit das Thema Bachelor ausgelutscht ist, müssen erst mal ne Menge Dinge passieren.
Wenn ich mal nicht mehr morgens in die Bibliothek komme und wegen all der tiefen Augenringe um mich herum meine, ich wäre auf einer Horst-Tappert-Revival-Veranstaltung.
Wenn ich mal eine Vorlesung erlebe, in der jemand eine Frage aus Interesse eine Frage stellt (und wenn es nur nach der Telefonnummer der Sexbomben-Dozentin ist) und nicht, weil er Angst wegen der Klausur hat.
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gibt es auf www.radioaktiv.org
Wenn mein Kumpel Bernie, B.A. Byzantinistik, mit seinen 35 Jahren endlich mal eine Frau findet – ok, ich geb’s zu, schlechtes Beispiel, denn daran trägt der Bachelor nun ausnahmsweise mal keine Schuld.
Wenn Angst, Verzweiflung und Lernstress mal nicht mehr den Uni-Alltag bestimmen.
DANN ist das Thema Bachelor wirklich ausgelutscht.

Bisher sind es nur die Sätze von Leuten, die immer noch steif und fest behaupten, an diesem super System gäbe es keine Verbesserungsmöglichkeiten.

Mittwoch, 21. Juli 2010

Reißverschluss

1891 erfand der US-Amerikaner Whitcomb Judson aus Chicago den Reißverschluss. Eine absolute Weltsensation. Hosen, die bisher nur mühsam mit Knöpfen, Schnüren oder Bändern zusammengehalten wurden, konnten von nun an in null-komma-nix geschlossen werden. Ein Fortschritt in der Menschheitsgeschichte, der in seinem Einfluss für ganze Generationen nur noch von der Mondlandung und der Erfindung von Nachmittags-Reality-Soaps übertroffen wurde .

Foto:  [ Tam Nguyen ] (CC-by-nc-sa-2.0)
Mit Erschrecken musste ich allerdings bei meiner letzten Shoppingtour feststellen, dass nahezu alle großen Modegeschäfte fast ausschließlich Hosen mit Knöpfen führen. Was soll dieser technische Rückschritt? Retrowahn vermutlich.
Aber hat irgendjemand die Kunden gefragt?
Nein. Natürlich nicht.

Es gibt nichts nervigeres als eine Hose, bei der man erst mal hunderte von Knöpfen schließen oder aufmachen muss – nicht nur, weil das, wenn es mal schnellgehen muss, im wahrsten Sinne in die Hose gehen kann (quasi die ganz persönliche Apollo-13-Mission.

Moment. Sie fragen sich jetzt sicher: „Warum erzählt der Typ nun schon seit ‘ner geschätzten Ewigkeit von Hosen?“
Gute Frage.
Vermutlich, weil ich mich selbst gerne das lese, was ich schreibe.

Hauptsächlich aber, weil H&M, Esprit und Co. wohl auf der Achse des Bösen direkt neben den Begründern des Bachelor/Master-Systems einzuordnen sind. Was die Tragweite betrifft, allerdings vermutlich weit in deren Schatten.

Das Grundprinzip ist aber dasselbe: wir haben ein super funktionierendes System – Hosen mit Reißverschluss oder eben Diplom- und Magisterstudiengänge – das wir einfach mal so über den Haufen werfen. Natürlich ohne die Leidtragenden zu fragen. Was rauskommt ist etwas, was vielleicht ganz hübsch aussieht, bei genauerem Betrachten aber eigentlich nur Probleme mit sich bringt.

Und warum das Ganze? Keine Ahnung.

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Wahrscheinlich, weil die Verantwortlichen einfach Sadisten sind.
Und zitternde, schwitzende, vor der fünften Klausur in drei Tagen nervös vor dem Vorlesungssaal herumlaufende Studenten genauso gerne sehen, wie die Hosenhersteller zitternde und schwitzende Kunden, die verzweifelt vor einer Klotür versuchen, die letzten sieben Knöpfe ihrer Hose aufzubekommen.

Mittwoch, 30. Juni 2010

Fernseher

Ich habe mir einen neuen Fernseher gekauft.
Jaaa…ich weiß, ich jammere hier jede Woche rum, wie hart das Leben als Bachelor ist und wie wenig Zeit für alles andere bleibt. Aber, aber….aber….es ist doch gerade Fußball-WM und außerdem – der alte Fernseher hat genug Weltmeisterschaften miterleben dürfen. Und gefühlt noch die Umstellung von Schwarz-Weiß auf Buntbild miterlebt. Ohne natürlich bei diesen neumodischen Mätzchen mitzumachen.

Nun bin ich allerdings kurz davor, von der Gesellschaft endgültig ausgegrenzt zu werden.

Aber der Reihe nach, sozusagen die Chronologie der Ereignisse:

Foto: gunnsteinlye (CC-by-nc-sa-2.0)
08:32 Uhr:
Ich schaue erschöpft unter einem Berg von Büchern für meine nächste Hausarbeit hervor. Wie lange habe ich geschlafen? Um 5 habe ich definitiv noch einen letzten Kaffee aufgebrüht, was den leicht verkokelten Geruch in der Wohnung erklären würde.

08:47 Uhr:
Ich KANN nicht weitermachen, brauche Abwechslung, ein Stündchen in die Stadt. (Schon hier schlägt das Bachelor-Gewissen knallhart zu, doch noch kann ich mich wehren. Muss wohl an der Überdosis Koffein liegen.)

09:17 Uhr:
Ich stehe in einem großen Elektronikfachmarkt und da steht er: ein wunderschöner flacher Bildschirm, nettes Bild und, wenn ich die Reste der letzten fünf Hiwi-Gehälter zusammenkratze, sogar erschwinglich – Wir sind im Geschäft.

09:45 Uhr:
Auf dem Rückweg zu meiner Wohnung begegne ich einer Bekannten. „DU HASST EINEN FERNSEHER?“, ruft sie erstaunt. Ein ähnlicher Ausdruck der Entrüstung wird in der Regel nur Kriegsverbrechern oder Kinderschändern entgegengebracht.

11:58 Uhr:
Nach einiger Ablenkung meldet sich mein Gewissen zurück. „Du bist Bachelor, schämst du dich nicht, überhaupt an Freizeit zu denken?“ Ich denke mir, dass sich die Stimme in meinem Kopf wohl wegen der Koffeinvergiftung so scheiße anhört.

15:37 Uhr:
Der erste Drohbrief liegt in meinem Briefkasten. Ist das Pulver, das beim Öffnen herausfällt, etwa Anthrax? Ausgeschnittener Zeitungsbuchstaben verkünden: „AUF ARMER DURCHSCHNITTSSTUDENT MACHEN UND DANN EINEN FERNSEHER KAUFEN!“ Mir geht es jetzt richtig schlecht.

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19:47 Uhr:
Ich kann nicht anders – kurz vor Geschäftsschluss bringe ich das Gerät zurück. Der südländisch aussehende Verkäufer schaut mich verdutzt an. Auf die Begründung, ich sei ein Opfer des Bildungssystems entgegnet er nur: „Alter, du bis escht Opfer“.

20:26 Uhr:
Erschöpft erreiche ich meine Wohnung. Vorher muss ich aber kurz das in den Lack meines Autos gekratzte „JUDAS“ begutachten. Gerade kommt meine Bekannte um die Ecke.
„WIE, DU HAST EIN AUTO?!“

Mittwoch, 23. Juni 2010

Giffäwäis

Jede Woche dasselbe Bild: Breit grinsende Damen (sie sind jung und brauchen das Geld) verteilen in der Mensa lustige Tüten, voll bis oben hin mit lustigen Präsenten – Neudeutsch: "Giffäwäis".

Diverse Firmen wollen damit studentische Neukunden locken, soweit schön und gut. Die Frage ist allerdings: Haben die überhaupt eine Ahnung von ihrer Zielgruppe?

Schauen wir uns doch den Tüteninhalt mal etwas genauer an – in diesem Fall das Modell für den Mann (die Frauenversion wollte man mir trotz diverser Überzeugungsversuche und Verkleidungen leider nicht aushändigen):

1. Jede Menge Stoff zum Lesen.
Liebe Studenten-, Männer- und Was-auch-immer-Magazinmacher: Ein Großteil der Leute, die diese Tüte abgreifen, sind Bachelor-Studenten. Und die haben schon so viel zu lesen, dass sie weder die Zeit, noch die Lust haben, sich auch noch mit euern journalistischen Ergüssen herumzuschlagen.

2. Ein WM-Spielplan.
Hübsch. Bräuchte der Bachelor neben Klausuren und Hausarbeiten nur noch Zeit, die WM auch gucken zu können.

3. Eine Flasche Bier.
Auch hier bräuchte der Bachelor Zeit, die er nicht hat. Weckt außerdem wehleidige Erinnerung, an die Zeit, als man sich noch mit Freunden auf ein Bier treffen konnte. Auch ungut.

4. Kondome.
Jetzt wird's ganz utopisch...

Fazit: Das Werbepotenzial all dieser Produkte ist bei der Zielgruppe Bachelor äußerst gering.

Darum der Vorschlag: Statt Männer- und Frauentüten, bitte einfach zwischen Nicht-Bachelor und Bachelor-Tüten unterscheiden. In die einen kommen all die schönen Sachen, in die anderen die Sachen, mit denen auch der Bachelor auch wirklich etwas anfangen kann.

Wie wäre es z.B. mit Kaffee extra stark, jede Menge Druckerpapier, tränensichere Taschentücher, Valium und Ritalin?

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Von den beiden Letztgenannten natürlich nur so viel, dass es gerade so süchtig macht - nicht aber mehr.

Giffäwäis sollen ja schließlich den Kunden zum Kauf anregen und nicht gleich schon alle Bedürfnisse befriedigen.

Sonntag, 6. Juni 2010

Sesamstraße

Deutsche Studenten jammern dieser Tage von früh bis spät: Zu viel Stress, zu viel Arbeit, vieeeeeel zu wenig Freizeit.

Foto: heraldpost (CC-by-nc-2.0)
Wenn es aber nun darum geht, dem Ärger über den Bachelor auf der Straße Luft zu machen – dann ist der deutsche Student auf einmal ganz ruhig.
Die da oben machen ja auch nur ihren Job. Und der Deutsche respektiert das nun mal voll und ganz. Enormer Leistungsdruck hin oder her.
Aber keine Angst liebe Studenten – ihr könnt nichts dafür!
Medien- und Erziehungswissenschaftler haben jetzt herausgefunden: Bereits in frühester Kindheit bekommen die Deutschen die Ansicht ins Gehirn implementiert, dass das Leistungsdrucksystem das einzig Wahre ist.
Das Instrument dieser Machenschaften:

Die Sesamstraße.

Hä?
Ja! Sie haben richtig gelesen.
Können Sie sich etwa nicht mehr an die Titelmelodie erinnern?
„Wieso, weshalb warum – wer nicht fragt bleibt dumm“
Genau! Wer nicht fragt bleibt dumm. Bekommt Hartz IV, landet unter der Brücke und irgendwann bei DSDS. Also immer schön fragen und lernen – am besten den Stoff von zehn Semestern in sechs.
Sollte der Deutsche dann aber doch mal einen Moment daran denken, was dieser ganze Leistungsdruck soll, schlägt sein jahrelang gewaschenes Gehirn gnadenlos zu:
„Wer nicht fragt bleibt dumm“
Wer sich einmal die Mühe macht, und die Titelmelodie des englischsprachigen Originals anschaut, dem wird sofort etwas auffallen:
„Come and play, Everything's A-OK, Friendly neighbors there, That's where we meet, Can you tell me how to get, How to get to Sesame Street”
Das Wetter ist toll, die Leute fröhlich, gehen wir raus und spielen – denn es gibt sowas wie Freizeit!
Was ist da mit dem:
„Wer nicht fragt bleibt dumm“?
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Also bitte…Leistungsdruck? Erst mal Leben und Freizeit genießen. Und wenn die ernsthaft Gefahr ist, gehen wir auch mal auf die Straße – vielleicht nicht in die von Ernie, Bert oder Elmo – sondern eher auf die der Leute, die uns dieses System eingebrockt haben.

Der deutsche Student kann das nicht – denn er hat gelernt, immer schön zu lernen. Und das bloß nicht zu hinterfragen. In diesem Sinne: Der, die, das, wer, wie was….

Mittwoch, 26. Mai 2010

Arbeitsverweigerung

Jedes Jahr, wenn andere aufgrund der ersten wirklich heißen Sommertage Quietscheentchen und Badehose ausgraben, ist es wieder so weit: Unter den Studenten macht sich die Angst breit.

Und damit meine ich nicht diese „Hilfe da fliegt meine Wespe um Eis, dass ich mir bei 30 Grad im Schatten in schönster Faulenzerpose in den Bauch haue“-Angst – nein – der gemeine Bachelor hat ganz andere Sorgen: die Klausurenphase beginnt.

Foto: fahrradfritze (CC-by-nc-2.0)
Auswahl gefällig?
„Wie bekomme ich innerhalb von zwei Wochen den Stoff für 7 Klausuren in den Kopf gehauen?“
„Wie kriege ich mein Motivationsproblem in den Griff?“
„Und wie das Zeitproblem, sollte ich das Motivationsproblem nicht in den Griff bekommen?“
Oder aber: „Hält die Decke meiner Wohnung ein Seil, an dem 75 Kilo baumeln?“

Da, wie wir bereits hinlänglich geklärt haben, die Lernbullimie seit Bologna groß in Mode ist und Wissen allgemein überschätzt wird, hilft nur noch eins:
Auswendiglernen bis zum Verrecken.

Das wiederum geht übrigens schneller, wenn das Seil an der Decke hält. Ob man‘s glaubt oder nicht, Auswendiglernen kann sehr effektiv sein.
Problem: richtig schön in den Kopp hauen kannst du dir den Stoff erst ein paar Tage vorher, sollte wirklich am Klausurtag was übrig sein.
Ein paar Tage vor den besagten paar Tagen kann das im Vorlesungssaal dann zu der ein oder anderen skurrilen Situation führen.
Der Professor stellt eine Beispielfrage, wie sie „genau so in der Klausur dran kommen könnte“, natürlich aber so gerade nicht drankommt weil sie viel zu leicht ist. Trotzdem meldet sich niemand.

„Das haben wir doch vor zwei Wochen besprochen“, ruft der Prof verzweifelt. Jaaaaaa haben wir, aber weiß das JETZT noch jemand? Der Bachelor auf jeden Fall erst wieder NACH der Auswendiglernorgie.

Nun bekommt der Professor wiederrum Angst.
„Sind meine Lehrfähigkeiten so bescheiden?“
„Bekomme ich einen neuen Job, wenn ich rausgeschmissen wurde, weil die Klausur grottenschlecht ausgefallen ist?“
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„Kann ich mit Hartz IV meinen Porsche halten?“
„Die Decke in meinem 300.Quadratmeter-Penthouse hält auf jeden Fall, aber habe ich ein Seil?“

Warum dieser Stress? Ohne sieben Klausuren in fünf Tagen ginge es doch allen besser. Ausgenommen vielleicht dem Berufsstand des Seilers, der – in wirtschaftlich ohnehin mauen Zeiten – dann noch größere Absatz-Probleme hätte.

Dienstag, 4. Mai 2010

Junggeselle

Ich gebe es ja zu: die Bezeichnung „Bachelor“ für einen ersten „berufsqualifizierenden“ Abschluss ist nun wirklich ein alter Hut und nicht erst mit Bologna in die Welt gekommen. In den USA erhalten die Studenten schon seit eh und je diesen akademischen Grad.

Nie hat die Bezeichnung „Bachelor“ allerdings besser gepasst als in der europäischen Hochschullandschaft nach Bologna. „Bachelor“ heißt übersetzt nämlich nichts anderes als „Junggeselle“. Gäbe es den „Bakkelarus“ nicht schon seit dem Mittelalter, die Etymologie wäre schnell geklärt:
Zeit für soziale Kontakte? Is‘ nich. Von engeren Beziehungen wollen wir erst gar nicht sprechen.

Einsame Studenten, die sechs Semester schuften, nur um sich dann auch offiziell „Junggeselle“ nennen zu dürfen – eine echte Marktlücke, auf welche das Internet natürlich längst aufmerksam geworden ist. Partnerbörsen „für Akademiker und Singles mit Niveau“ schießen aus der Erde wie auf der anderen Rheinseite der Spargel. Für ein paar lausige hundert Euro ist man dabei und wie man sich besieht, kann man sich vor „realen“ Angeboten nicht mehr retten. Bräuchte der Student nur noch Zeit, um auch PRIVAT im Internet surfen zu können. Und den ein oder anderen locker sitzenden Cent. Beides haben gerade Studenten ja bekanntlich reichlich.

Bernie, Byzantinistik-Bachelor im dritten Fachsemester schwört allerdings auf eine ganz neue Methode, um bei den Frauen zu landen – und nein, damit meine ich nicht seine Mutter, bei der ist er nämlich schon mit 34 ausgezogen.
Sein Geheimtipp: Bachelor-Speed-Dating, nagelneu und garantiert erfolgreich. Kennen Sie noch nicht?

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Ganz einfach: Bachelor-Singles der verschiedensten Fachrichtungen werden in einen Raum gesetzt, jeweils Männlein und Weiblein gegenüber. Anschließend hat jeder 30 Sekunden Zeit, dem Gegenüber möglichst viel über seine momentane Arbeitsbelastung zu erzählen…oder vorzujammern. Das ist gar nicht so einfach, dauert doch die Aufzählung der aktuellen To-Do-Liste eines Bachelors in der Regel schon über zwei Stunden. Haben sich zwei passende Überarbeitete gefunden, können sie sich schon mal überlegen, wie sie Weihnachten zusammen verbringen – früher werden sie sowieso keine Zeit für einander haben.

Gibt es aber eine Abfuhr – auch nicht schlimm.

Das ist schließlich die beste Abhärtung für die spätere Jobsuche mit Bachelorabschluss.

Mittwoch, 28. April 2010

Julius Cäsar

Kennen Sie Julius Cäsar? Die Geschichts-Bachelor werden nun sagen: „Kommt der nicht in den Asterix-Heftchen vor?“ Guuuut, wir haben die Person nun immerhin grob in einen historischen Kontext eingeordnet. Natürlich haben die Geschichts-Kollegen bereits in ihrer Einführungsvorlesung gelernt, wer Cäsar war. Aber hey – welcher Bachelor Student weiß bitte JETZT noch, was er im ersten Semester gelernt hat? Die Klausur ist doch längst rum.

Foto: euthman (CC-by-sa-2.0)
Dieser Gaius Iulius Caesar hatte es ziemlich drauf – klar, schließlich gab's damals ja auch noch kein Bachelor-Blitz-Studium. Caesar hat nämlich einen Kalender entwickelt, der unserem heutigen Kalender bis auf ein paar kleine Schwächen ziemlich ähnlich war. Unser heutiger Kalender stammt übrigens von Papst Gregor XIII. Aber das dürfte jetzt selbst für Geschichtsstudenten zu kompliziert werden – schließlich kommt der nicht in Asterix vor.

Auf jeden Fall haben beide Herren es geschafft, die Zeit, die die Erde braucht, um einmal die Sonne zu umkreisen, in einen Kalender zu packen. Unter anderem mit Tagen, die genau 24 Stunden zählen.
Was beide allerdings nicht wissen konnten ist, dass dieses System im Jahr 1999 nach Christus (über den gibt es übrigens eine Comicserie) auf eine harte Probe gestellt werden würde. Für den durchschnittlichen Bachelor-Studenten sind 24 Stunden am Tag nämlich schlicht und einfach zu wenig. Es wird sogar von Master-Studenten berichtet, die täglich mehr Texte zu lesen haben, als der Tag Stunden hat.

Klarer Fall von dumm gelaufen. Natürlich kann man den Stoff nicht kürzen, schließlich müssen sich die ECTS-Punkte ja verdient werden.

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Ein ECTS-Punkt soll übrigens 30 Stunden Arbeit entsprechen. Der durchschnittliche Bachelor-Student bekommt im Semester so um die 30 ECTS-Punkte, arbeitet während der knapp dreimonatigen Vorlesungszeit – wenn man großzügigerweise sechs Stunden Schlaf pro Tag miteinberechnet – aber rund 1600 Stunden, was knapp 54 ECTS-Punkten entspricht. Würden die tatsächlich anerkannt, hätte man schon nach drei Semestern die erforderlichen 180 Punkte zusammen und könnte „Lebwohl“ sagen. Aber ein berufsqualifizierender Abschluss nach drei Semestern? Da kann man ja nur lachen.

Hat man vor 15 Jahren über sechs Semester übrigens auch.

Mittwoch, 21. April 2010

Mager-Models

Man braucht nur, natürlich rein zufällig, über den Panorama-Teil einer beliebigen Tageszeitung zu stolpern (was nicht besonders schwer fällt, denn schließlich dürfte das inzwischen in nahezu allen deutschen Tageszeitungen der umfangreichste Teil sein) und schon liest man in regelmäßigen Abständen:
„Magermodel hungert sich zu Tode“
„Magermodel auf Laufsteg zusammengebrochen
 oder
„Magermodel fällt durch Gullideckel“
.
Dramatisch.

Foto: Reza Vaziri (CC-by-nc-2.0)
Aber die Modewelt hat längst reagiert. Laufstegsverbote für Mädchen mit weniger als 25 Kilogramm Körpergewicht – und Heidi Klum setzt in regelmäßigen Abständen Nachwuchs in die Welt. Denn schließlich bedeutet das für ganze neun Monate, nicht in die Mager-Sünder-Ecke gedrängt werden zu können. Die Modewelt scheint sich einig zu sein: Schluss mit abgemagerten Laufstegpuppen und Kotz-Fress-Sucht.

Ganz im Gegenteil zur Uniwelt. Keine Angst, Deutschlands Studentinnen und Studenten sind nicht zu dünn – höchstens der Wissenstand in ihren Hirnen nach sechs angeblich berufsqualifizierenden Semestern. Stattdessen macht sich dort eine ganz andere Art der Kotz-Fress-Sucht breit: Die Bachelor-Bulimie.
Jedes Jahr zur Prüfungszeit ist es das Gleiche: Unzählige Studenten fressen wenige Tage vor der Klausur – sofern sie nicht noch drei Referate und vier Essays vorzubereiten haben – Unmengen von Lernstoff in sich hinein. Nur um diesen wenig später wieder wohl strukturiert auszukotzen. Auf nimmer Wiedersehn versteht sich.

Zur Belohnung gibt es ein paar knackige ECTS-Punkte – und auf geht’s in die nächste Runde!
Wissen, was war das noch mal?
Wird aber ohnehin überschätzt.
Man kann auch ohne BWL-Kenntnisse eine Firma in den Ruin treiben – oder ohne Englischkenntnisse Außenminister werden.

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Es gibt aber auch Studenten, die bei der ganzen Sache profitieren. Wie Bernie, B.A. Byzantinistik im 3. Fachsemester. Wissen, dass er ohnehin niemals mehr brauchen wird, muss er sich erst gar nicht auf Dauer aneignen.

Bologna hat auch seine guten Seiten.

Donnerstag, 25. März 2010

Psychiater

Mein Psychiater hat sich ein neues Auto gekauft. Wen wundert's, kann er sich doch, seitdem er sich auf Bachelor-Studierende spezialisiert hat, vor neuen Patienten kaum retten.
Da ist dann schon mal so ein Ferrari drin – außerdem gab's ja die Abwrackprämie für seinen alten Opel Kadett. Hat dann auch nur noch schlappe 167.000 gekostet. Aber hey, er hat sich's verdient – denn sein Job ist echt hart.

Foto: ZeroOne (CC-by-sa-2.0)
Morgens „Ich kann nicht mehr“, mittags „Es wird alles zu viel“, abends „Ich springe“ – und mitten in der Nacht klingelt ihn regelmäßig Bernie, B.A.-Student Byzantinistik im 3. Fachsemester, aus dem Bett, denn – wollen Sie raten? – „er kann nicht mehr“. Wer würde sich da nicht die frustrierte Hausfrau, den ausgelaugten Karrieremenschen oder den guten alten psychopatischen Serienkiller zurück auf die Couch wünschen?
Aber zum Ausgleich hat er ja jetzt ein neues Auto. Also ab in den F430 – Gang rein, die Reifen quietschen, der Spritverbrauch schießt schlagartig auf 30 Liter die Stunde und schon geht's ab ins Grüne – weit weg von flennenden, sabbernden Fast-Noch-Teenagern, die aber schon in weniger als einem Jahr einen angeblich berufsqualifizierenden Abschluss in den Händen halten sollen – und natürlich Bernie.

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Ganz so weit weg ist mein Psychiater dann doch nicht gekommen – kaputte Elektronik. Immerhin hat er das Ortsausgangsschild Mannheim gesehen – wenn auch nur am Horizont. Und die langen Schatten des Bologna-Prozesses konnte er erst recht nicht abschütteln. War er doch, als er dem knallgelben Abschleppwagen hinterher blickte, der seine Nobelkarosse zur nächsten Werkstatt brachte, einmal mehr an den Bachelor erinnert:

Sieht von außen ganz toll aus, aber die technische Umsetzung hinter der Fassade lässt zu wünschen übrig.