Mittwoch, 14. September 2011

Schuhwerk

Ich brauche neue Schuhe.
Nein, das ist kein Satz von meiner Freundin. Der ist von mir.
Jaja, ich weiß, ich bin a) ein Mann und b) Student. Also eher pragmatisch angelegt. Bin ich doch! Ich habe für den Alltag ein schwarzes Paar Schuhe und ein braunes Paar Schuhe. Und genau letzteres ist jetzt kaputt. Loch in der Sohle. Ungut, wenn irgendwo Scherben rumliegen.

Also hab ich mich auf den Weg gemacht in die einschlägigen Schuhläden um neue braune Schuhe zu kaufen. Eigentlich eine Sache von fünf Minuten. Nur nicht in diesem Jahr. „Ja, braun ist diesen Sommer einfach nicht so in“, meint die Verkäuferin. Ja toll. Ich hab aber schon ein Paar schwarze Schuhe. Und es kann doch nicht sein, dass alle braunen Sneakers, die hier im Geschäft rumstehen, aussehen, als wären sie direkt auf der Müllhalde zusammengeschustert worden. Mal im Ernst: sowas würd ich nicht mal meinem Hund anziehen – wenn ich einen hätte – geschweige denn meinen Füßen. Am Ende kriegen meine Hühneraugen noch Augenkrebs oder so. Ne.

Ich mein, hallo? Wer verbricht solche „Designs“? Anderswo ist es ja nicht anders, hier, Autos: Fiat Multipla, Chrysler PT Cruiser, Porsche Panamera. Wer in aller Welt will sowas fahren?
Anscheinend viele. Sonst würde ich die Dinger ja nicht im Verkehr sehen. Und mich darüber ärgern bis ich so schwarz werde, wie das paar Schuhe, das mir noch geblieben ist,  Hühneraugen bekomme oder mit Löcher in die Sohlen stampfe.

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Aber genau das ist der Punkt: Geschmäcker sind verschieden, hab ich mir sagen lassen. Das könnte tatsächlich die Erklärung für viele Dinge sein. Warum Leute Modern Talking gut finden. Oder Sushi. Oder morgens früh aufstehen. Bayern München. Den Papst. Diese kleinen Abreißlaschen an Reispackungen. Oder bis ins letzte Detail vorgegebene, unvariable Stundenpläne und ein durchmoduliertes Durchschleppstudium.

Geschmäcker sind verschieden.  

Und deswegen trag ich jetzt weiter Loch in der Sohle. Oder einfach meine schwarzen Schuhe.

Mittwoch, 7. September 2011

Studentenleben

Zwischen dem Bild, das die Menschen anscheinend immer noch von Studenten haben und dem tatsächlichen Leben von Studenten gibt es wohl eine ziemlich große Diskrepanz.

„Diskrepanz“ ist übrigens auch so'n super Wort fürs Radio. „Hö, wassen das?“, denkt sich der Hörer, während der auf der anderen Seite schon längst weiter im Text ist. Während der Hörer erst mal nachschlägt. Aber diese Serie hier ist ja für Studenten gedacht. Da wird man doch erwarten können, dass die Hörer oder Leser was mit dem Wort „Diskrepanz“ anfangen können. Na, nachgeschlagen? Gut.

Also diese Diskrepanz ist ziemlich groß. Die Studenten jammern, dass sie unter dem enormen Druck zerbrechen würden, der Rest spricht immer noch vom netten „Studentenleben“, in dem man morgens bis in die Puppen schlafen kann, den Rest des Tages in der Wiese rumliegen und abends dann feiern gehen. Tatsächlich sollte der Student genau das mal wieder öfter machen. Das beruhigt. Klar, in der Wiese gibt’s natürlich jede Menge Viecher, die einen bekrabbeln können, aber die Sonne genießen kann ganz gut für Herz und Psyche sein.

Man muss nicht gleich wehleidig werden, wenn Papa oder sonst wer erzählt, dass er damals, als er noch Student war, Hannes Wader, als der noch jung und gar nicht bekannt war, schon live in einer verrauchten Studentenkneipe in Landau gesehen hat. Ok, vielleicht nicht das beste Beispiel, wenn man heute dem Studenten was von „Studentenleben“ erzählen will. Erstens, weil Hannes Wader heute nicht mehr wirklich jung ist und zweitens weil die einstige kulturelle Studentenhochburg Landau...naja, das wird jeder verstehen, der heutzutage mal in Landau war. Aber es soll ja noch andere coole Studentenstädte geben. Und andere Leute die Gitarre spielen.

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Und da soll man jetzt ein schlechtes Gewissen haben, wenn man sich die anhört? Warum? Studenten jammern so gerne, dass der Druck, der auf ihnen lastet, so groß ist, weil sie unbedingt alle Erwartungen der Gesellschaft an sie erfüllen möchten. Na bitte: Wenn die Gesellschaft anscheinend von den Studenten will, dass sie morgens bis in die Puppen schlafen, faul auf der Wiese rumliegen und auch sonst nichts tun, dann sollten die Studenten doch einfach mal damit anfangen, diese Erwartungen zu erfüllen.

Und wenn man sich einfach nur mal einen Nachmittag in die Wiese legt. Oder sich einen Abend lang in irgendeinen linken Laden setzt und einem Typen mit Gitarre zuhört.

Mittwoch, 31. August 2011

Schlagende Argumente

Als Student begegnen einem schon mal recht skurrile Situationen. Und damit meine ich jetzt nicht das Chaos in meinem Kleiderschrank, sondern...so andere halt.

Foto: chadmiller (CC-by-sa-2.0)
Begegnet mir doch vergangene Woche in meinem Hausflur tatsächlich ein Typ mit Degen in der Hand. Ja, also so richtig wie im Fernsehen. „Vier Musketiere“ und so. Nur, dass er alleine war. Und offensichtlich Student. Interessant ist auch, dass ich mir gar nichts dabei gedacht habe, dass da ein Typ mit Degen durch meinen Flur stolpert. Man ist wohl abgehärtet mit der Zeit. Obwohl man ja nicht jeden Tag D'Artagnon in Jeans und T-Shirt in seinem Hausflur trifft. Ihm war‘s anscheinend nicht ganz so egal, denn er hat das Ding nett hinter seinem Rücken versteckt. Ich hab ihn aber trotzdem gesehen. Höhö.

Wahrscheinlich hat der Kerl den Degen ja auch nur versteckt, dass ich mich nicht erschrecke. Denn wenn er was anderes damit vorgehabt und jemand in der Nachbarwohnung niedergemetzelt hätte oder so, hätte man das sicher mitbekommen. Es sei denn, in einer meiner Nachbarwohnung verwest jetzt irgendwo eine zerstückelte Leiche, die früher mal mein Nachbar war. Das würde zumindest den etwas strengen Geruch manchmal erklären. Ich hab mir immer eingeredet es läge am Altbau.

Nein, Spaß beiseite: Ich wohne in einer Studentenstadt. Und wo es Studenten gibt, da gibt’s auch Studentenverbindungen. Und wo’s Verbindungen gibt, da gibt’s auch nicht schlagende und schlagende Verbindungen. Was im Prinzip genau das ist, wonach es klingt. Die einen schlagen sich. Mit Degen.
Ha, Rätsel gelöst! Wahrscheinlich hat der Typ mit dem Degen mit irgendeinem anderen in meinem Haus gefochten. Und dabei höchstwahrscheinlich niemanden zerstückelt. Also zumindest nicht in größerem Umfang.

Wie, das ist grausam? Ach Quatsch...in seinem Haus darf doch jeder machen, was er will! Auch fechten. Ich sing’ ja auch unter der Dusche. Das ist mindestens genauso grausam.

Und es wird mal Zeit, dass diese negative Stimmung, die immer wieder gegen diese Burschenschaftstypen gemacht wird, endlich mal aufhört. Die meisten Verbindungen sind doch ganz normale Zusammenschlüsse von Studenten…wie die Hochschulgruppe der Ökos.
Ok, vielleicht nicht ganz wie die Hochschulgruppe der Ökos.
Aber Sie wissen, worauf ich hinaus will. Man muss doch nicht noch Salz in die Wunde streuen. Und diese paar verbliebenen traditionalistischen schlagenden Grüppchen, die ab und zu mal ein paar Nazi-Problemchen haben – selbst die wandeln sich doch immer mehr zu stinklangweiligen Organisationen der politischen Mitte.

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Wie Blödsinn? Na, schauen Sie mal: Heutzutage kann man nicht mal mehr jemand aus einer Verbindung rauswerfen, weil er asiatische Gesichtszüge hat. Damit hätte man denen mal noch vor ein paar Jahrzehnten kommen müssen...

Also, wenn das mal kein Wandel ist.

Mittwoch, 24. August 2011

Alterserscheinungen

„Boah, diese Klausur hat mich wieder einmal Jahre meines Lebens gekostet.“
Dieser Satz kommt vielen Studenten mal hin und wieder über die Lippen. Besondere Belastungszustände sind nicht gerade gut für den Körper, das weiß man und ist auch wissenschaftlich längst bewiesen. Großer Stress ist nicht nur nicht gut fürs Herz, er macht auch graue Haare. Je größer also der Stress im Studium, desto schneller altern wir tatsächlich. Na Prost Mahlzeit liebe Bachelor-Studenten. Wenn das mit der immer größeren Verdichtung von Studiumsinhalten so weiter geht, wird auf den Absolventenfeiern wohl bald über Rheuma und Arthritis diskutiert, Bingo gespielt – und Jopi Heesters tritt auf. Als Youngstar des Abends.

Foto: rosmary (CC-by-2.0)
Horrorszenarien? Äh, ja. Genau. genau darauf will ich ja hinaus. Alles Blödsinn.

Alles Blödsinn? Und das aus meinem Munde? Nein, ich bin noch nicht alterssenil. Ich habe empirische Beweise.

Neulich im Supermarkt. Der Sommer ist zurück, die Tage sind immer noch relativ lang – also kauft man zum Grillen oder zum gemütlichen Balkonabend mal einen Sixpack Bier. Alternativ Mischgetränke. Mischgetränke.
Der kauft Mädchenbier?
Japp. Bekommt mir in meinem Alter einfach besser.

Ich stehe also mit meinen sechs Flaschen an der Kasse und der Blick der Kassiererin fällt auf dieses unglaubliche Gemisch auf dem Kassenband. Dieses gefährliche Gebräu, die übelste Mischung, die Hunderttausende in die Abhängigkeit führt und ganzen Generationen Minderjähriger den sicheren Alkoholtod beschert. Dieses gefährliche Gebräu, die übelste Mischung, die Hunderttausende in die Abhängigkeit führt und ganzen Generationen Minderjähriger den sicheren Alkoholtod beschert.
Bier Limette. Drei Prozent Alkohol die Flasche.

Die Kassiererin schaut mich an, das Bier, dann wieder mich. Ich weiß, was jetzt kommt, auch wenn ich es nicht wirklich glauben will.

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„Ausweis dabei?“
„Hab ich mich wirklich so gut gehalten?“, ist der einzige halbwegs lockere Spruch, der mir angesichts der Unterstellung, ich sei 15 oder so, noch einfällt.
“Äh ja. Seien sie doch froh!“
„Ja in 15 Jahren vielleicht.“
„Aber Sie verstehen doch, dass wir fragen müssen…?“
Jaja, klar, die Frau macht auch nur ihren Job. Und ich geb’s zu, ich war relativ frisch rasiert, meine Frisur verdeckte gekonnt den zurückgehenden Haaransatz – und ich bin ja auch höchstens 10 Jahre zu alt.
Die Frau hatte praktisch gar keine Chance.

Als ich den Supermarkt verlasse, kann ich mir ein Lächeln dann doch nicht verkneifen. Der Bachelor lässt Studenten alt aussehen? Möglich. Der Bachelor lässt Studenten alt werden? Eher nicht.

Mittwoch, 17. August 2011

Neugier

Warum haben wir eigentlich als Kinder so gerne Löwenzahn oder die Maus geguckt? Ja, auch weil Peter Lustig so eine geile Latzhose hatte. Aber doch hauptsächlich, weil man irgendwie auf eine ganz nette und unterhaltsame Art und Weise was über Dinge gelernt hat, mit denen man sich alleine wohl nicht unbedingt beschäftigt hätte. Die dann aber doch irgendwie die Neugier geweckt haben.

Foto: Roberto Verzo (CC-by-2.0)
Diese Neugier scheint allerdings bei vielen leider über die Jahre hinweg verloren gegangen zu sein. Schlimmer noch – sie scheint sogar regelrecht uncool geworden zu sein.

So kann sich ein Schüler doch sicher sein, dass er, wenn er es gut findet, dass der Klassenlehrer eine Fahrt ins Museum angesetzt hat, für die nächsten paar Wochen die lustige Rolle des Mobbingopfers übernommen hat. Dabei würde der Museumsbesuch doch der Allgemeinbildung aller Schüler gar nicht schaden. Denn fragen Sie die gleichen Schüler doch mal nach Erdkunde: da kann Ihnen jeder was über Reisanbau in Indochina oder über die längsten Flüsse Südamerikas erzählen. Bei den deutschen Bundesländern hakt‘s  dann aber schon. Klar, vor allem eine Folge vollkommen verplanter Lehrpläne – aber auch von mangelnder Neugier.

Die sich übrigens übergangslos auch unter Studenten auszubreiten droht. Kein Wunder bei Bachelorstudiengängen, die gar keine Zeit für Neugier lassen. Da muss doch jeder, der seltsamerweise dann doch noch Zeit und Motivation für Allgemeinbildung und Neugierde hat, schief angeguckt werden.

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Also, ich find‘s geil, wenn jemand schon vor dem Start den Sitzcomputer im Flugzeug durch zu viel neugieriges Drücken zum Absturz gebracht hat. Und Museen sind auch ganz nett. So mein kleiner, zur Schule gehender Leidensgenosse, wo muss ich mich anstellen, um mit Papierkügelchen beschossen zu werden?
Ein Jammer.

Vielleicht sollten wir einfach Peter Lustig aus dem Ruhestand zurückholen. Die Zeiten würden schlagartig wieder besser werden für die Neugier.

Der hatte aber auch wirklich ‘ne geile Latzhose.

Freitag, 12. August 2011

¡Viva la revolución!

Woran erkennt man im Sommer im Park die Studenten? Nein, leider nicht an der spärlichen Bekleidung und der prallen Oberweite – wir sind ja hier schließlich im echten Leben und nicht bei American Pie. Und außerdem: Wenn wir in Deutschland von „Sommer“ sprechen, dann meinen wir in der Regel Temperaturen, die an der 20-Grad-Marke kratzen und (im besten Fall) bewölkten Himmel ohne Regen. Keine Bikinis.

Foto: lilli2de (CC-by-sa-2.0)
Nein, Studenten im Park erkennt man natürlich – wie könnte es anders sein – an Bücher- oder Papierstapeln und Laptops, die bei schönem Wetter (also den 20 Grad ohne Regen) kurzerhand von der Bib auf die nächste Grünfläche verlagert werden.

Haha, hier blitzt es dann doch auf: das deutsche studentische Revoluzzertum. Die Fortführung einer langen, glorreichen Geschichte, beginnend in den Zeiten der Aufklärung, gepflastert von Helden wie Schiller, Goethe, Dutschke; das System bis ins Mark erschütternd…– ja, wir sprechen immer noch vom Wetter. Und Studenten im Park.

Wer wird denn gleich zu viel erwarten. Großangelegte Bildungsstreiks und so zum Beispiel. Nein, wenn der deutsche Student sich der Tradition besinnt, in der er steht, sich das Che Guevara T-Shirt überstreift und laut ausruft: „Sch…. doch auf die Bib! Heute lerne ich im Freien!“ – dann ist das doch dieser Tage ein wahrhaft zu würdigender Mut. Denn der Student hat damit seine mentale Grenze überwunden, eine vom System auferlegte Knechtschaft, die Tag für Tag zum Lernen und Arbeiten in die Bib drängt.

Wenn man so will, die Fortführung großer deutscher Studentenrevolutionen – zwischen Hundescheiße und nervigen Kindern, die die Bücherstapel im Park immerhin als Torpfosten fürs Bolzen benutzen können.

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Bei so viel Revolutionsstimmung ist es doch geradezu gut, dass die Temperaturen diesen Sommer so niedrig sind. Sonst würde der Student womöglich noch übermütig werden, seine Revolution tatsächlich mit Demos und diesem ganzen anstrengenden Kram fortführen – und damit womöglich noch seine Gesundheit gefährden. Herzinfarkte oder Kreislaufkollaps durch übernatürlich hohe geistige und körperliche Belastung. Solls ja schon gegeben haben.

Beim Lernen im Park bei strömendem Regen kommt Gott sei Dank maximal ein Schnupfen bei raus.

Donnerstag, 4. August 2011

Alternativen

„Boah, eigentlich hätte ich ja gerade echt Besseres zu tun.“ Wie oft kommt uns dieser Satz über die Lippen? Ziemlich oft. Als Student noch öfter. Zum Beispiel in der total sinnlosen Vorlesung, dem absolut langweiligen Seminar oder jeder anderen abwegigen Situation an der Uni.

Liebe Studenten: Total falsche Herangehensweise.

Denn sind wir mal ehrlich: Natürlich hätte man gerade Besseres zu tun. Das gehört quasi zur Definition von Studieren. Sollte man zumindest meinen, wenn man sich so manchen Studiengang  oder so manchen Kurs ansieht. Theorie-Vorlesungen zum Beispiel, bei denen man irgendwie genau weiß, dass man das, was man dort Woche für Woche macht, nie mehr im Leben brauchen wird. Ok, mal ausgenommen vom Aufbau der privaten Papierschiffchenflotte.
Die kann man schließlich immer mal wieder gebrauchen.

Oder auch so tolle Social-Skills-Kurse wie „Small Talk“.
Da lernt man sicher was.
„Boah, eigentlich hätte ich ja gerade echt Besseres zu tun.“
Ja, den Abwasch zum Beispiel. Oder endlich mal das verkorkste Leben auf die Reihe kriegen. Oder sich mit der hochphilosophischen Frage beschäftigen, wohin in aller Welt in der Wohnheimswaschmaschine immer die zweite Socke verschwindet. Fällt in der Regel immer unter „Besseres zu tun“.

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Aber wir studieren ja nicht des Studierens Willen. Wir lernen ja fürs Leben. „Es kommt nicht darauf an, was sie studiert haben, sondern dass sie studiert haben“, hört man dann immer wieder gerne von Personalern. Jaha…und Byzantinistik-Absolventen werden beim Vorstellungsgespräch auch gar nicht schief angeguckt. Und der Weihnachtsmann bringt die Ostereier. Wobei, das Drüberstehen, wenn Leute wie mein Kumpel Bernie, B.A. Byzantinistik im 5. Fachsemester, schief angeguckt werden, ist sicherlich eine dieser oft zitierten Schlüsselqualifikationen, die man durch „das Studieren“ fürs Leben lernt. Genauso, wie sich damit abfinden, dass man „eigentlich grade Besseres zu tun hätte“.

Das ist schließlich in vielen Jobs, die man mit einem Bachelorabschluss angeboten bekommt, später auch mal die meiste Zeit nicht anders.

Freitag, 29. Juli 2011

Sonntagsfahrer

Was ist das größte Übel in der Welt nach Kriegen, Hungersnöten und Justin Bieber? Genau: Sonntagsfahrer. Vor allem freitags. Da möchte der autorisierte Student – also der Student mit Auto – nämlich, wie übrigens alle anderen Pendler und Wochenendeheimfahrer auch, nach getanem Wochenwerk möglichst schnell nach Hause.

Foto: hamburgerjung (CC-by-nc-sa-2.0)
Und genau dann schlagen sie eiskalt zu: Die Sonntagsfahrer. Früher nur am Wochenende aktiv, scheinen diese munteren Zeitgenossen des Straßenverkehrs ihr Tätigkeitsfeld inzwischen längst zum Montags-, Mittwochs- oder Freitagsfahrer ausgebaut zu haben. Steigende Altersvitalität und Doppelherz machen’s möglich.

Eine stark frequentierte, aber leider nur zweispurige Autobahn an einem ganz normalen Freitagnachmittag in Deutschland: Die komplette rechte Fahrspur ist dicht mit LKW, auf links schlängelt sich der Rest mehr schlecht als recht durch den Verkehr – aber immerhin nicht langsamer als 120 Stundenkilometer. Doch dann sehe ich ihn –  rund 400 Meter vor mir: den Klassiker, den ultimativen Schrecken aller in angemessener Zeit heim Wollender. Mercedes A-Klasse, am Steuer entweder Er, 60+, gemütliche Figur, schütteres Haar (wenn überhaupt noch vorhanden), oder aber Sie, ebenfalls 60+, obwohl nach eigenem Selbstverständnis natürlich höchstens 50+. Rein äußerlich aber irgendwie eher 70+.

Ich möchte noch schreien: „Tu’s nicht!“ – doch zu spät. Mit einer unglaublichen Ruhe und Selbstbeherrschung reiht sich das Auto so circa sechs Wagen vor mir  langsam vom rechten auf den linken Fahrstreifen ein. Auf diesem angekommen, wird dann schnell alibimäßig der Blinker links angetippt, während vor mir schon ein fröhlich funkelndes Meer aus Bremslichtern aufleuchtet.

Und schon wir sind bei Tempo 90 angekommen. So schnell fahren die LKW auf rechts übrigens schon die ganze Zeit. So viel zur Überholdauer. 

Mein Puls ist nun höher als die Geschwindigkeit. Und wie wahrscheinlich alle anderen Fahrer vor mir, stimme ich den Klagegesang an. Jaja, „freie Fahrt für freie Bürger“, klar, aber doch nicht mit 90 auf dem linken Fahrstreifen. Und erst recht nicht Freitagsnachmittags.

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Bis mir einfällt: Eigentlich bewundernswert. In unserer schnelllebigen, durch Bachelorstudium und Blitz-Karriereplanung verseuchten Zeit. Früher ging ja angeblich alles gemütlicher zu – aber muss man denn heute wirklich der Generation 60+ (alternativ 60+, die wie 70+ aussieht, aber sich für 50+ ausgibt) angehören, um mal buchstäblich einen Gang zurückzuschalten? Nein! Ich setze ein Zeichen. Und fahre, auch nachdem sich die A-Klasse wieder brav rechts eingeordnet hat, konsequent mit 90 weiter.

Zumindest bis der Fahrer im Wagen hinter mir seinerseits den Klagegesang anstimmt. Und das Ganze auch noch wunderhübsch mit seiner Lichthupe choreographiert.

Mittwoch, 20. Juli 2011

Meerschweinchen

Meerschweinchen sind schon putzige Tierchen, oder? Diese Knopfaugen und dieses fluffige Fell. Hach.

Foto: WOAW (CC-by-nc-2.0)
Dennoch fragt man sich bei Meerschweinchen: „Was hat sich Gott oder die Evolution oder sonst wer dabei nun wieder gedacht?“ Ich meine, welchen tieferen Sinn erfüllen Meerschweinchen im Großen und Ganzen? Im Reigen des Lebens? Nein, „sie sind süß“ und „sie quieken so putzig“ sind definitiv keine rationalen Argumente für eine Daseinsberechtigung. Ok, man muss dem Meerschweinchen zu Gute halten: Man kann es essen. In Peru ist Meerschweinchen sogar Nationalgericht. Aber um satt zu werden, muss man schon eine Menge von diesen munteren Gesellen verspeisen. Ungünstig konstruiert. Zu klein. Meerschweinchen sind ein Rätsel.

Meerschweinchen sind wie iPads. Denn mal ehrlich, bislang konnte mir noch kein iPad-Besitzer wirklich glaubhaft erklären, warum er sich so ein Teil gekauft hat. Wo liegt der tiefere Sinn?

Diese Frage gilt übrigens nicht nur für Bachelorstudiengänge, sondern auch für die akademischen Titel, die für das erfolgreiche Bestehen eines solchen Blitzstudiums verliehen werden. Wo liegt der Sinn, fragt man sich auf hier oftmals. Beim Titel „Bachelor of Arts“ zum Beispiel, kurz „B.A.“: Den bekommen graduierte Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaftler. Nun gut, jeder, der mal Germanistik, MKW oder Politikwissenschaft studiert hat, wird zugestehen, dass dafür die Bezeichnung „Bachelor of Science“, also Bachelor der Wissenschaft, etwas übertrieben wäre. Aber warum in aller Welt Bachelor der KUNST? Ich meine, dass ist doch Hohn und Spott für alle van Goghs, Beethovens oder Led Zeppelins dieser Welt.

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Zugegeben, die Abkürzung B.A. spricht sich deutlich besser aus als „B.Sc.“ beim Science-Bachelor. Und liest sich damit deutlich besser auf der Außentür von Taxis („Taxi Schneider, B.A.“ Wow.). Aber das allein kann doch nicht die ultimative Antwort auf dieses Rätsel der Menschheit sein? Man sollte solchen Fragen wirklich tiefgründiger nachgehen.

Aber warum sechs Semester dafür studieren und auch noch einen Haufen Geld ausgeben? Wenn man sich schon mit ungelösten Fragen der Menschheit beschäftigen will, kauft man sich von dem Geld doch lieber ein iPad.

Oder gleich ein Meerschweinchen.

Mittwoch, 13. Juli 2011

Sommer, Palmen...?

Es ist Sommer. Es ist heiß. Zu heiß. So heiß sogar, dass man nicht großartig viel arbeiten kann. Zumindest wenn‘s nicht grade mal wieder kalt ist. Und schüttet. Sommer in Deutschland eben. Irgendwie.

Foto: Visa1410 (CC-by-sa-3.0)
Wenn es dann aber mal so heiß ist, dass man nicht großartig viel arbeiten kann, ist das für Studenten natürlich schlecht. Nicht, dass die meisten Studenten körperlich arbeiten würden, wo denken Sie hin. Aber wie ein weiser alter Mann, seines Zeichens Fußballtrainer, neulich wieder zu mir sagte: „Auch geistige Arbeit ist Arbeit!“. Genau. Also nichts für den Sommer.

Die direkte Folge der Hitze ist dann die berühmte Sommersmüdigkeit. Tritt die ein, sind wir zu nichts mehr in der Lage – schon gar nicht fürs Studieren. Nichts geht mehr. Außer, dass man schnell in den Keller rennt, die Flasche Cachaça herauskramt, ein paar Limetten zerdrückt, daraus einen Caipirinha mixt, schnell noch ein Buch holt, die Sonnenbrille aus dem zweiten Stock nicht zu vergessen, dann noch schnell den tragbaren CD-Player suchen und ‘ne passende CD und sich dann in die Sonne legt. Sonst geht echt nix.

Moment, wenn ich mir‘s genau überlege: Gerade, als ich hier sitze, um mir wieder irgendeinen Blödsinn zum Bachelor aus den Fingern zu saugen, ist ja tatsächlich so ein heißer Tag. Gähn. Ich merks auch schon. Sommermüdigkeit. Und deswegen leg ich mich jetzt hier hin und mache gar nichts mehr.

Dann können auch die Sendeoberen endlich mal durchatmen. Denn während ich in der Sonne liege, sind sie auf der sicheren Seite. Keine Verleumdungsklagen von angepissten Bologna-Verantwortlichen, keine Regressforderungen…oder Klagen wegen Verletzung von Urheberrecht. Wegen falsch gesetzter Satzzeichen oder so.

Einfach Nichtstun, die Sonne genießen, vielleicht ein Zitroneneis...verdammt…war das nicht ein Song von den Ärzten? Urheberrecht...Andere Sorten wie Erdbeere, Aprikose, Melone oder Joghurt-Kirsch kommen natürlich auch in Betracht.
Nichtstun, Klappe halten.
Das ist des Pudels-Kern! Äh…hoffentlich melden sich die Goethe-Erben nicht gleich bei mir…

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Genug! Ich bechere jetzt einfach meinen Caipi und schalte ab. Bitte? Bechern! Nicht Bachelor. Ich hab definitiv nichts von Bachelor gesagt. Und auch nichts von inkompetenten Politikern, Verwaltungsangestellten, die Tag für Tag nichts auf die Reihe bekommen. Keine Chance für Verleumdungsklagen. Ruhe jetzt!

Ich leg‘ mich jetzt endlich in die Sonne und strecke die Beine von mir, wie der….nein, nicht wie der Studentenprinz! In Heidelberg sind die nämlich, was Urheberrecht betrifft, noch viel vorsichtiger…hab ich mir zumindest sagen lassen.

Mittwoch, 6. Juli 2011

? (Fragezeichen)

Wenn man das Ganze mal ganz nüchtern betrachtet: Wem haben wir Bologna, Bachelor und Master und das ganze leidige Drumherum eigentlich wirklich zu verdanken? Irgendwelchen EU-Bildungsministern, Hochschulkommissionen oder sonstigen Welt“verbesserern“? Nein, die können eigentlich nur für die Umsetzung was. Den Auslöser muss man ganz woanders suchen: Bei den Langzeitstudenten.

Langzeitstudenten.
Boah. Der Abschaum der Menschheit. Könnte man zumindest denken, wenn man den Tenor in den meisten Medien so hört. Studieren jahrzehntelang Philosophie und Germanistik, liegen dem Staat auf der Tasche…und geben am Ende doch nur einen mittelmäßigen Taxifahrer ab. Da müssen ein paar Schlau-Beschränkte zwangsläufig irgendwann auf die Idee kommen, ein Turbostudium einzuführen.

Aber bevor hier jetzt eine regelrechte Hexenjagd auf Manni, den freundlichen, 39-jährigen Politik- und Philosophiestudenten von nebenan ausbricht: Er kann nichts dafür. Genau wie alle anderen. Er hat es nie anders gelernt.

Wie? Naja, auch hier müssen wir uns für die Grundlagenforschung wieder einmal weit in die Kindheit begeben. Genauer gesagt nach Rocky Beach.

Da gibt es nämlich drei Jungs, die Generationen von späteren Studenten das Langzeitgelerne quasi vorgemacht haben. Ich meine, hallo? Da ermitteln diese Kerle nun schon seit fast 50 Jahren und in inzwischen weit mehr als 150 Fällen – und trotzdem haben sie die High School nie verlassen. Seit 50 Jahren! So schlecht kann das doch gar nicht sein, denkt sich zwangsläufig jeder Schüler und Student.

Stellen wir uns das doch mal vor. Der Leser/Hörer wird eingeschult – Justus, Peter und Bob gehen zur Schule. Die Grundschule ist vorbei, die weiterführende Schule steht an – Justus, Peter, Bob? Immer noch Schule. Abitur bestanden – In Rocky Beach nichts Neues. Der spätere Langzeitstudent hat sich immerhin dazu durchgerungen, die Schule zugunsten eines Studiums einzutauschen – als er sieht, dass die drei Jungs aber immer noch zur High School gehen, entscheidet er sich jedoch endgültig, es ihnen gleich zu tun. Einfach dableiben

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Warum auch nicht? Justus hat es zwar in 50 Jahren nie zum High-School-Abschluss gebracht, weiß dafür aber so coole Sachen wie, dass Saturn eine so geringe Dichte besitzt, dass, würde man ihn in eine Badewanne werfen, er wie ein Stück Seife oben schwämme. Und über die Runden kommt er auch locker. Ohne Gehalt zu verlangen! Klingt doch gar nicht so übel, so ein Leben, denkt sich der spätere Langzeitstudent. Und verlässt die Uni so schnell nicht – vielleicht für die nächsten 50 Jahre.

Sucht die Schuld also nicht bei den armen Langzeitstudenten, sie können nichts dafür. Wendet euch mit euren Hasstiraden lieber an die drei Detektive.

Denn die übernehmen ja bekanntlich jeden Fall.

Donnerstag, 30. Juni 2011

Frauenfußball

Die Welt ist wieder mal zu Gast bei Freunden. Diesmal sind die Freunde deutlich femininer, haben weniger Bierbauch und saufen und gröhlen auch weniger, wenn sie mal ein Spiel gewinnen. Dennoch gibt es auch Anno 2011 wieder richtig guten Fußball in Deutschland zu sehen. Und das meine ich ernst!

Foto: beefy_n1 (CC-by-nc-2.0)
Man muss nur Frauen- und Männerfußball als zwei verschiedene Sportarten betrachten. Und nein, das ist jetzt kein Machogerede – diese ständige Vergleicherei geht einem doch einfach nur noch auf die Nerven. Wer spielt jetzt letztendlich besser, Männer oder Frauen? Na klar würde die kleine Lira Bajramaj, wenn sie gegen Thorsten Frings laufen würde, kaputt gehen – das ist rein anatomisch einfach so. Deswegen ist aber Frauenfußball doch nicht schlechter oder weniger physisch? Und dann immer dieses: Wer sieht besser aus? Die Männer- oder die Frauennationalspieler? Und wer sieht männlicher aus? Der Mittelstürmer bei den Herren oder der Mittelstürmer bei den Damen? Schluss mit der Vergleicherei.
Das gilt übrigens auch umgekehrt. Ich sage nur „Wer ist der amtierende Weltmeister und wer nur Dritter?“

Freuen wir uns doch einfach in beiden Sportarten über die Erfolge unserer Mannschaft.

Andererseits ist diese elende Vergleicherei ja auch ein Phänomen unserer Zeit. Was ist jetzt besser? Der Bachelor oder der Diplom?
Bringt doch alles nichts!
Der Bachelor ist ein Ergebnis unserer Zeit, quasi der akademische Frauenfußball. Ein Bachelor muss vielleicht auch gar nicht die Details seines Faches vom Hundertsten ins Tausende wissen, wenn er dafür perfekt aufs Berufsleben vorbereitet wird.

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Wenn ich als Bachelor akademische Volltreffer lande wie Birgit Prinz, dann will ich gefälligst nicht mit dem ollen Diplomer Gerd Müller verglichen werden. Nein! Ich hab auch so das Zeug zum akademischen Weltmeister. Dann halt nur im Frauenfußball. Also metaphorisch ausgedrückt.
Sonst dürfen Sie mich natürlich jederzeit mit Gerd Müller verglichen werden.

Und wer weiß. Vielleicht regieren Bachelor tatsächlich mal die ganze Welt und werden auch von den jetzigen Kritikern geliebt. Denn wenn man zuhört, wie die DFB-Funktionäre die Leistungen der Damen heute in den Himmel loben, kann man sich kaum vorstellen, dass der Verband den Sport in seiner Anfangszeit sogar mal verboten hatte.

Mittwoch, 22. Juni 2011

Absolventenfeier

Wenn die sechs Semester Bachelor irgendwann wie im Flug vergangen sind – Moment mal, „Wie im Flug vergehen“ ist doch eigentlich eine Metapher dafür, dass augenscheinlich lange Zeiträume schneller rum sind, als man dachte – aber bei einem Abschluss nach sechs Semestern? Also: Wenn die sechs Semester Bachelor wie erwartet schnell vergangen sind, steht die Absolventenfeier an.

Foto: pennstatelive (CC-by-nc-2.0)
Also bei manchen. Bei anderen auch gar nicht. Und an höchst unterschiedlichen Plätzen. Die einen müssen sich inklusive feierwütigem Anhang in einen Hörsaal quetschen, die anderen bekommen Fest- und Cateringzelt aufgebaut. Je nach Ruf und Studiengang eben.

Und auf diesen Absolventenfeiern gibt es dann…ja was gibt es eigentlich? Außer einer Menge heiße Luft? Die Bachelorzeugnisse? Natürlich nicht! So ein wichtiges Dokument kann man doch nicht einfach so aushändigen. Diese lustigen Studentenumhänge und –hüte, die man aus dem Fernsehen kennt? Nein. Diese Zeiten sind spätestens mit der Abschaffung von Diplom- und Magisterstudiengängen vorbei. Da gab‘s das noch. Dumm gelaufen.

Wenn ich meiner Fantasie mal freien Lauf lasse: Was ist, wenn jemand nur studiert hat, um einmal in seinem Leben diesen eckigen Hut tragen zu können? Und auf einmal auf der Absolventenfeier zu jaulen anfängt? Am besten an einer Universität, die einen internationalen Ruf zu verlieren hat? Ich stell mir das grad so vor. Springt dann der Rektor persönlich aus der ersten Reihe auf, kämpft sich heldenhaft erst durch die Horde gaffender und dämlich grinsender Verwandter und anschließend durch sämtliche Abstellkammern und Kellerräume der Universität, bis er schließlich in irgendeiner dunklen Ecke einen verstaubten und abgetragenen Studentenhut findet, den er dann, nachdem er sich zurückgekämpft hat, höchstpersönlich dem Absolventen überreicht?

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Wie? Achso, dafür müsste der Rektor bei der Absolventenfeier erst einmal anwesend sein. Doch ganz rational betrachtet: Warum sollte er das auch, wenn ein Horde Spätpubertierender wie eine Horde Kälber vor der Keulung das billige Schmuckzeugnis eines zumindest fragwürdigen Originals in die Hand gedrückt bekommt?

Mittwoch, 15. Juni 2011

Goethe

„Da steh‘ ich nun, ich armer Tor, / Und bin so klug als wie zuvor!“

Nein, das ist nicht etwa der Ausruf eines Bachelorabsolventen nach Abgabe seiner Abschlussarbeit – obwohl das durchaus passen könnte. Das ist Goethe. Faust. Genauer gesagt Faust I.

Foto: Elinore (GNU)
Goethe war gut. Nicht nur, weil er so toll reimen konnte. Nein, Goethe war auch richtig sozialkritisch. Auch im Faust. Da beschwert sich nämlich gleichnamiger Protagonist gleich am Anfang: „Habe nun, ach! Philosophie, / Juristerei und Medizin, / und leider auch Theologie / Durchaus studiert, mit heißem Bemühen. […] Heiße Magister, heiße Doktor gar, / Und ziehe schon an die zehen Jahr‘ / Meine Schüler an der Nase herum – / Und sehe, daß wir nichts wissen können!“ Jetzt will ich über die Lehrfähigkeiten eines Herrn Fausts genauso wie über die heutiger Dozenten gar nicht urteilen, das steht mir nicht zu – viel wichtiger ist das Grundproblem: Der Mensch lernt und lernt und lernt – und weiß doch nichts.

Wenn das mal nicht topaktueller Stoff ist. Ja, liebe Schüler, die ihr noch heute jedes Mal eure Lehrerin verflucht, wenn es im Unterricht an den Faust geht, so ist auch das echte Leben. So ist der Bachelor. Denn all die Buchgelehrtheit bringt nichts, wenn das Leben daneben zu kurz kommt, wenn keine Zeit bleibt, um in Auerbachs Keller oder auch ganz einfach nur in der Kneipe um die Ecke einen drauf zu machen und danach vom Gretchen im nächstbesten Garten aber mal sowas von…gefragt zu werden, wie man‘s denn mit der Religion hält.

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Hätte der olle Faust seine Nase mal nicht nur in Bücher gesteckt, dann hätte er sich auch nicht der dunklen Chemie zuwenden müssen. Auch das – ich bin ja sowieso ein Fan der freien Interpretation – auch das kann man 1:1 auf den Bachelor übertragen: Auch der Student, der über seiner Buchgelehrtheit und dem fehlenden sozialen Leben verzweifelt, greift dann gerne mal zur Chemie. Heute sind das dann nicht mehr irgendwelche Ampullen und Zauberbücher, sondern sauberes Pulver oder lustige bunte Pillen. Und auch dem Studenten erscheint dann irgendwann der Teufel…oder Elvis…oder auch nur ein rosa Kaninchen. Und dann geht’s raus auf die Wiese, splitternackt obwohl’s, ja grad erst Frühling geworden ist – „Hier bin ich Mensch, hier darf ich‘s sein!“

Das pure Leben? Hätte man auch einfacher bekommen können. Einfach mal früher die Nase aus den Büchern nehmen. Goethe hat das schon vor über 200 Jahren gewusst.

Denn Goethe war gut.

Mittwoch, 8. Juni 2011

Öffnungszeiten

Öffnungszeiten an deutschen Universitäten sind eine Sache für sich. Zunächst einmal haben viele Büros nur am Morgen auf – was auf doppelte Weise ungünstig ist. Die paar übrig gebliebenen Magister oder Diplomer liegen zu der Zeit nämlich noch im Bett und schlafen ihren Rausch vom Vorabend aus – die Bachelor und Masterstudenten hingegen sitzen da ja schon wieder an der Uni – die erste von fünf Veranstaltungen an diesem Tag steht ja an.

Foto: pizzodisevo (CC-by-sa-2.0)
Klar, bei vier oder fünf Tagem die Woche, welche die meisten Büros ja immer noch aufhaben, wird sich mal eine freie Stunde finden, die in die Öffnungszeiten fällt – gäbe es da ja nicht auch noch den Urlaub. Das ist dann noch mal ein ganz besonderes Phänomen. Nicht nur, dass man sich als Normalsterblicher ständig fragt, wie man als Halbtagskraft auf gefühlte 80 Arbeitstage Urlaub im Jahr kommen kann – nein, diese gefühlten 80 Tage werden von vielen Mitarbeitern auch noch genau in die End- und Klausurenphase der Vorlesungszeit gelegt. Es ist ja schließlich nicht so, dass es viereinhalb Monate vorlesungsfreie Zeit im Jahr gäbe, wo der Andrang seitens Studenten und anderer Leute, die auf Sekretariate und sonstige offizielle Stellen angewiesen ist, nur halb so groß ist. Wo bliebe denn da der Nervenkitzel?

So auch bei mir, als ich vor kurzem für ein Formular leider Gottes drei Unterschriften beziehungsweise Stempel von drei verschiedenen Stellen brauchte – und die Odysee begann. An der ersten Bürotür begrüßte mich ein freundlicher Zettel, die Fachkraft sei für die nächsten sieben Tage im Urlaub, aber ja schon bald wieder da. Das hat mich nicht allzusehr abgeschreckt, rechnet man doch als erfahrener Student schon mit sowas. Die zweite Bürotür verkündete dann eine krankheitsbedingten Ausfall – zu großer Verzehr von Gurken und Sprossen in den letzten Tagen vermutlich – passiert. Leicht angesäuert machte ich mich auf durch die halbe Stadt zur nächsten Dienstelle und ja – da brannte sogar Licht. Doch in dem Moment, als ich freundlich anklopfen wollte, öffnete sich die Tür bereits, eine uuuunglaublich beschäftigt aussehende Mitvierzigerin verließ das Büro – und mich verließen die Nerven. Nicht, als diese nette Dame mir erklärte, ich müsse leider warten, sie hätte jetzt eine wichtige Besprechung. Auch noch nicht, als sich die nette Dame in Richtung Kaffeemaschine aufmachte. Nein, erst als ich aus der Ferne hörte, wie diese nette Dame mit der noch netteren Dame zwei Türen weiter über die neusten Gerüchte aus Europas Königshäusern diskutierte, platzte mir der Kragen.

Ich will doch nur dieses scheiß Formular unterschrieben haben“, rutschte mir heraus. Worauf ich mir einen Vortrag darüber anhören dürfte, dass ich keine Sonderbehandlung zu erwarten hätte, schließlich sei man, wie ich sehen könnte, dieser Tage nun mal sehr beschäftigt.

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Wahrscheinlich hat sich der nette Kollege aus Zimmer 1 wegen genau dieser Beschäftigung in den Urlaub verzogen und Kollege aus Anlaufstelle 2 freiwillig tonnenweise Gurken gefressen.

Warum verbeamten wir nicht einfach alle Hochschul-Sekretärinnen? Warum? Na, dann hätte man wenigstens eine ganze Palette von Witzen, die man in einer solchen Situation zum Besten geben könnte.